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Energie : Tennet legt Verkaufsergebnisse der Westküsten-Anleihe vor

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Mit einer eigenen Anleihe für die Anwohner einer neuen Stromtrasse will der Netzbetreiber Tennet im Westen Schleswig-Holsteins neue Wege ausprobieren. Am Mittwoch zeigt sich, ob die Bürger mitziehen.

shz.de von
erstellt am 16.Okt.2013 | 08:50 Uhr

Bayreuth | Der Netzbetreiber Tennet veröffentlicht am Mittwoch die Verkaufsbilanz für die Bürgeranleihe Westküste. Damit sollten erstmals in Deutschland die Anwohner einer großen Stromtrasse die Möglichkeit erhalten, sich an den Risiken und Erlösen des Netzbetriebs zu beteiligen. Die Anleihe geriet jedoch in die Kritik von Verbraucherschützern und Finanzexperten, weil sie für private Geldanleger zu risikoreich und komplex konstruiert sei. Sie verkaufte sich daher zu Beginn nur schleppend; die Zeichnungsfrist wurde um einen Monat bis Ende September verlängert.

Tennet baut bis 2018 eine 150 Kilometer lange Starkstromleitung von Brunsbüttel nach Niebüll. Damit soll Strom aus dem Norden in den Süden transportiert werden. Die Anleihe sollten nur Bewohner und Grundbesitzer aus den Kreisen Nordfriesland und Dithmarschen erwerben können, durch deren Region die Leitung führen wird. Rund 160 000 Haushalte wurden angeschrieben. Sie konnten ab 1000 Euro einsteigen und eine Verzinsung von zunächst drei und später fünf Prozent erreichen. Es handelt sich nicht um eine direkte Beteiligung an der Stromleitung, sondern um eine sogenannte Hybrid-Anleihe der Tennet-Holding, die sich in niederländischem Staatsbesitz befindet.

Den Beginn der Zeichnungsfrist hatten Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) und der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) im Juni in Heide mit einem Festakt gefeiert.

Altmaier hatte dabei von einem Projekt mit Modellcharakter für ganz Deutschland gesprochen, das die Energieversorgung revolutionieren könne. Er hatte die Idee einer „Bürgerdividende“ beim Ausbau des Stromnetzes aufgebracht, den Tennet als erster Netzbetreiber aufgegriffen hatte. Damit soll auch der hinhaltende Widerstand gegen neue Stromtrassen in vielen Regionen geschwächt und die Akzeptanz verbessert werden.

Nach der Kritik von Verbraucherschützern und Anlageexperten an der Anleihe gab sich Altmaier zurückhaltender und betonte, er habe keine Werbung für das Anlageprodukt gemacht. Mit der Anleihe sollten bis zu 15 Prozent der Westküstenleitung finanziert werden, das ist ein Betrag in der Größenordnung von 30 bis 40 Millionen Euro. Die Investitionskosten stehen ebenso wie Details der Planung und der Trassenführung im zweiten Abschnitt von Heide nach Niebüll noch nicht fest. Die Finanzmittel aus der Anleihe sind jedoch kein notwendiger Bestandteil der Finanzierung.

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