Rendsburg : Temposündern im Kanaltunnel auf der Spur

Eine der beiden Kameras am Tunnelausgang: Meistens werden nur Einzelfahrer erwischt - denn in der Rush Hour erreichen die Fahrzeuge oft nur 40 Stundenkilometer. Foto: Beckwermert
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Eine der beiden Kameras am Tunnelausgang: Meistens werden nur Einzelfahrer erwischt - denn in der Rush Hour erreichen die Fahrzeuge oft nur 40 Stundenkilometer. Foto: Beckwermert

Bauarbeiter im Rendsburger Kanaltunnel leben gefährlich: Viele Fahrer ignorieren die aktuelle Geschwindigkeitsbegrenzung und rasen mit etlichen km/h zu viel durch die Röhre.

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16. Dezember 2011, 10:13 Uhr

Rendsburg | Ein feiner Piep-Alarm, ähnlich dem Geräusch eines Überwachungs-Monitors auf der Intensivstation. Er gibt das Signal: Nächster Fahrer geblitzt. Es ist 10.32 Uhr, auf dem Bildschirm in dem silbernen Transporter erscheint ein Foto in Schwarz-Weiß. "Oh, ein Wohnmobil", sagt Klaus W. (58), der an diesem Mittwochmorgen im Kanaltunnel die Geschwindigkeiten der Fahrzeuge misst. "Auch damit darf man nicht zu schnell fahren." Im Tunnel herrscht ein Tempolimit von 50 km/h. Das Wohnmobil hat mit 59 km/h gerade den Grenzwert geknackt, ab dem geblitzt wird.
Klaus W. aus Neumünster und sein Kollege Dirk M. (59) sind seit 4.30 Uhr früh unterwegs. Im Auftrag der Verkehrsbehörde des Kreises Rendsburg-Eckernförde messen sie wieder im Tunnel, weil sich viele Autofahrer nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten. Damit gefährden sie Bauarbeiter und Mitarbeiter der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung, die derzeit an der Sanierung des Bauwerks beteiligt sind. Nachdem bereits in der vorvergangenen Woche an mehreren Tagen geblitzt worden war - mit rund 500 gemessenen Überschreitungen bei etwa 10.000 Fahrzeugen - soll das Duo nun überprüfen, ob sich am Fahrverhalten der Tunnelnutzer etwas geändert hat. Beide wollen anonym bleiben und nicht im Bild zu sehen sein. "Es ist ein sensibles Thema", erklärt Dirk M. aus Rendsburg. "Wir werden manchmal attackiert, weil Fahrer sich ärgern, dass sie erwischt wurden."
"Wir kommen wieder"
Klaus W. und Dirk M. haben früh am Morgen zwei Kameras und einen Messkopf noch bei Dunkelheit auf der Südseite des Tunnels installiert, blitzen so seit 5.20 Uhr Fahrzeuge in Richtung Jevenstedt. Der höchste "Ausreißer" sei mit 80 Stundenkilometern durch die Tunneleinfahrt gebraust. Die beiden "Blitzer" können in ihrer Bußgeldtabelle genau ablesen, was auf diesen Halter zukommt: "Außerhalb geschlossener Ortschaften, bei 27 Stundenkilometern zu viel gibt’s drei Punkte und 80 Euro Bußgeld plus 23,50 Euro Gebühr", sagt Dirk M. Sind die beiden schadenfroh? "Nein. Aber wenn ein Motorradfahrer, wie vor kurzem, bei Tempolimit von 60 mehr als 160 drauf hat, dann finde ich schon - der hat das verdient", sagt Klaus W. Beide seien selbst schon geblitzt worden, geben sie zu. Und Klaus W. berichtet, er habe mal eine Kollegin erwischt: "Ich hab sie am Kennzeichen erkannt", sagt er schelmisch, "und ihr gratuliert."
Gut eine halbe Stunde noch harren die beiden im silbernen Van am Tunneleingang aus, bevor sie Schluss machen für diesen Tag. Um kurz nach Elf sichert Klaus W. die Daten aller Temposünder vom PC, die die Polizei in Neumünster erhält. 5079 gezählte Fahrzeuge, 119 davon zu schnell. Etwas weniger als bei den früheren Messungen, aber in den Augen von Dirk M. noch nicht aussagekräftig genug. "Wir kommen wieder."

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