Strom aus der Kreidegrube

Pumpspeicher-Kraftwerk in Lägerdorf soll Schwankungen bei Windenergie ausgleichen

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21. Mai 2011, 09:46 Uhr

Lägerdorf | Wenn der Wind in Schleswig-Holstein weht, gibt es zu viel Strom, wenn Flaute herrscht, zu wenig. Weil das Problem immer größer wird, suchen Experten nach Speichermöglichkeiten. Zwei Kreidegruben in Lägerdorf sollen künftig als "Warteschleife" für Strom dienen. Eon und der Baustoffkonzern Holcim unterzeichneten gestern eine Partnerschaft, um die Möglichkeit zum Bau eines Pumpspeicher-Kraftwerks in Lägerdorf (Kreis Steinburg) zu prüfen.

Zwischen den etwa drei Kilometer auseinander liegenden Gruben "Saturn" und "Schinkel", aus denen Bagger in Jahrzehnten viele Millionen Tonnen Kreide herausgeholt haben, soll ein Stollen gebohrt werden. Der nutzbare Höhenunterschied beträgt 60 bis 80 Meter. Überschüssige Windenergie könnte dazu genutzt werden, Wasser in die obere Grube zu pumpen, das bei Bedarf auf dem Weg zurück eine Turbine antreibt und Strom erzeugt. Ein ähnliches Pumpspeicher-Kraftwerk arbeitet in unmittelbarer Nähe des Atomkraftwerks Krümmel in Geesthacht an der Elbe.

Geringe Netzkapazitäten und schwankende Stromproduktion sind die größten Probleme beim Plan, Atom- und Kohlekraftwerke, die rund um die Uhr gleichmäßig arbeiten, durch Wind- und Sonnenenergie zu ersetzen. "Strom kann man nicht auf Halde produzieren", sagte der Netzvorstand von Eon Hanse, Matthias Boxberger. Mit dem Projekt würde aber eine Möglichkeit geschaffen, "Strom in eine intelligente Warteschleife zu schicken".

Der Vorstandschef von Holcim Deutschland, Leo Mittelholzer, sprach deswegen auch von einer einmaligen Chance. "Wir brauchen intelligente Ideen, wie wir die Schwankungen der Windenergie auffangen können." Für Wirtschaftsminister Jost de Jager (CDU) passt das Projekt sehr gut ins Land. "Wir haben eine 20-jährige Tradition beim Aufbau der alternativen Energien." In den kommenden Jahren werde die Leistungsfähigkeit der Windenergie im nördlichsten Bundesland von heute 3000 Megawatt (MW) an Land auf bis zu 9000 MW steigen. Dazu sollen noch Anlagen mit 3000 MW auf See kommen, kündigte de Jager an.

Mit konkreten Zahlen hielten sich die Beteiligten noch zurück. Zunächst müsse die Machbarkeitsstudie abgewartet werden, die in etwa einem Jahr vorliegen soll.

Klar ist aber, dass etwa 17 Millionen Kubikmeter Wasser zwischen den beiden Gruben bewegt werden können, die zwei Tage lang die Turbinen antreiben können. Das reicht, um in dieser Zeit mehrere 10 000 Haushalte zu versorgen.

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