Hamburger Sozialerhebung : Soziale Schieflage bei Studenten

"Der Schlüssel zur Hochschulwelt wird vererbt", sagt der Chef des Studierendenwerks Hamburg. Bei Studenten herrscht soziale Schieflage.

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16. Februar 2011, 08:23 Uhr

Das Hamburger Studierendenwerk hat die ungleichen sozialen Voraussetzungen von Nachwuchsakademikern kritisiert. Während des Studiums werde die Schieflage zwischen den Kindern aus reichen und ärmeren Familien deutlich, sagte Studierendenwerk-Chef Jürgen Allemeyer bei der Vorstellung der 19. Sozialerhebung am Dienstag. Darum müsse vor allem die Bafög-Unterstützung ausgebaut werden. Förderungen wie das vom Bund initiierte Deutschlandstipendium zeigten dagegen wenig Wirkung.
"Leistungsstipendien sind der falsche Weg und erreichen vorrangig die sozial gehobenen Gruppen." Nur neun Prozent käme der sogenannten sozial niedrigen Herkunftsgruppe zugute.
Zudem sei ein gleichberechtigter Zugang zum Studium unabhängig vom Bildungsstand der Eltern und deren Einkommen immer noch nicht erreicht. "Der Schlüssel zur Hochschulwelt wird vererbt", sagte Allemeyer. Nach wie vor müssten sich Kinder von Nichtakademikern bewusst gegen Tradition, Finanzierungsängste und unsicheren Berufseinstieg für ein Studium entscheiden.
Mehr bezahlbarer Wohnraum benötigt
Nach dem Ergebnis der Sozialerhebung, die sich auf das Jahr 2009 bezieht, sind Studierende "hoher und gehobener Herkunft" mit einem Anteil von 59 Prozent an Hamburgs Hochschulen berrepräsentiert.
Obwohl der Anteil der Studenten aus niedrigeren sozialen Schichten erstmals seit Jahren wieder zulege, bleibe viel zu tun, berichtete Allemeyer. "Wer möchte, dass mehr Abiturienten studieren, muss diese Menschen gewinnen." Die Politik müsse mehr bezahlbaren Wohnraum an der Elbe schaffen.
55 Prozent der Studenten in Hamburg haben demnach durchschnittlich weniger als 900 Euro zur freien Verfügung. Davon müssen sie im Mittel 345 Euro monatlich für ihre Wohnung ausgeben. Nach München liegt die Hansestadt damit auf Platz zwei der Mietkosten. "Zum Studieren gehört aber eine günstige Wohnung - und zwar nicht irgendwo neben der S-Bahn oder im Gewerbegebiet", sagte der Studierendenwerk-Chef. Um sich ihre Ausbildung leisten zu können, müssen Studenten immer mehr nebenher arbeiten. Mit Studium und Job kommen sie auf eine 46,1-Stunden-Woche, stellte der Hamburger Soziologe Christian Duncker fest. 2006 waren es noch 40,2 Stunden. Zwar mache Bafög gerade bei den Studenten aus niedrigen Herkunftsgruppen 29 Prozent der Einnahmen aus. Trotzdem bliebe ihnen weniger Zeit fürs Studieren, da sie mehr dazuverdienen müssten. Die Sozialerhebungen werden seit 1951 alle drei Jahre vorgenommen.
Die Studie basiert auf einer schriftlichen Umfrage unter Studierenden aller Hochschulorte in Deutschland. In der Hansestadt wurden 1 375 Studierende angeschrieben, die Rücklaufquote lag bei 28,7 Prozent.

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