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Nach Unglück in Tarp : Serie von Unfällen an Bahnübergängen – Forderung nach mehr Schutz

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Risiko Bahnschranke: Zeugen zufolge war die Schranke beim Unglück in Tarp vermutlich geöffnet. Solche Unglücke häufen sich. Die Bahn reduziert zwar ihre Bahnübergänge - es gibt aber immer noch Tausende davon.

shz.de von
erstellt am 08.Nov.2015 | 13:32 Uhr

Tarp/Berlin | Innerhalb von drei Tagen hat es vier schwere Unfälle an Bahnübergängen in Deutschland gegeben. Dabei starben zwei Menschen, etwa 30 wurden verletzt. Zuletzt rammte ein 500 Meter langer Güterzug am Samstag in Tarp (Kreis Schleswig-Flensburg) mit hohem Tempo zwei Autos. Die beiden Fahrer wurden schwer verletzt aus ihren völlig demolierten Fahrzeugen geborgen. Bis in die Nacht waren Rettungskräfte damit beschäftigt, die Strecke freizuräumen.

Nach Angaben der Deutschen Bahn gehen die Unfälle an Übergängen jedoch zurück. Oft spiele bei den Unglücken Leichtsinn eine Rolle. „Über 90 Prozent dieser Kollisionen könnten durch richtiges Verhalten der Verkehrsteilnehmer vermieden werden“, teilte ein Sprecher mit. Die Deutsche Bahn reduziere die Zahl ihrer Bahnübergänge. Rund 4800 Anlagen konnten seit 2004 demnach bereits beseitigt werden, weitere wurden mit einer technischen Sicherung ausgestattet oder durch Über- oder Unterführungen ersetzt.

Nach Angaben des Sprechers gab es 2013 bundesweit noch 18.117 Bahnübergänge, von denen etwa 60 Prozent technisch gesichert waren - etwa 20 Prozent mit Schranken, rund 70 Prozent mit Halbschranken und 10 Prozent mit Blinklicht- oder Lichtzeichenanlagen.

Angesichts der Häufung der Unfälle forderte die Allianz pro Schiene, das ab März 2018 verpflichtend für Pkw und leichte Lastwagen vorgeschriebene Auto-Notrufsystem eCall zu erweitern. Anstatt den GPS-gestützten Notruf nur an die allgemeine Notrufnummer 112 abzusetzen, müsse es festinstalliert eine eigenständige Notfunktion für Gefahrensituationen an Bahnübergängen geben, erläuterte der Geschäftsführer des Verkehrsbündnisses, Dirk Flege, in der Samstagsausgabe des ARD-Magazins „brisant“.

„Wir können uns für die eCall-Erweiterung sogar einen zweiten Knopf vorstellen, der auf dem Armaturenbrett neben dem typischen Straßenverkehrsunfall deutlich sichtbar für Notlagen auf Bahnübergängen reserviert ist“, sagte Flege in Berlin. „Damit könnte schon bald jeder Autofahrer in ganz Europa, der an einem Bahnübergang auf den Gleisen steckenbleibt, direkt bei der Zugüberwachung Alarm schlagen. Der Lokführer des nächsten ankommenden Zuges wäre auf diese Weise schnell zu ermitteln und vorzuwarnen.“

In den vergangenen Tagen hatte es mehrere Unfälle an Bahnübergängen gegeben. Ebenfalls am Samstag war im niedersächsischen Lastrup eine Regionalbahn mit dem Anhänger eines Sattelzugs kollidiert, der auf den Gleisen stand. Die Lokführerin, ein Fahrgast und ein Zugbegleiter wurden nach Angaben der Polizei leicht verletzt.

Erst am Donnerstag war ein Regionalzug in Bayern auf einem Bahnübergang in einen Schwertransporter gerast, der Lokführer und der Fahrer des Lastwagens starben. 18 Menschen wurden verletzt. Am selben Tag gab es auf der Strecke zwischen Oldenburg und Bremen sieben Verletzte bei einer Kollision zwischen einem Zug und einem Sattelschlepper.

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