Schuhräuber drücken sich vor der Zossenposse

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17. Dezember 2011, 07:35 Uhr

Wenn das man keine kreative Marketing-Idee war, um dem vorweihnachtlichen Sylt-Tourismus einen ganz besonderen Kick zu verleihen. Wie aus dem Nichts tauchten am Mittwoch plötzlich hunderte, wenn nicht gar tausende sommerlicher Damen- und Kinderschuhe am Flutsaum auf. Die Folge: Überall auf den Dünenwegen sah man Menschen Schuhwerk hegen.

Am schnellsten waren natürlich die seit Generationen über ein Strandräuber-Gen verfügenden Sylter. Trotz entsprechenden Hinweisen der Ordnungsbehörden sollte es verwundern, wenn auch nur ein einziges Paar Schuhe im Fundbüro oder bei der Polizei abgegeben wurde. Eher schon wird man spätestens zu Ostern die ersten Schnäppchen-Schilder sehen: "Topmodische Strandschuhe, 2. Wahl".

Apropos Wahl: Eigentlich ist es ja politischer Usus, dass ein Gremium bei der Wahl eines neuen Vorsitzenden vollzählig zur Stimmabgabe erscheint. Nicht jedoch in Keitum. Da fehlte diese Woche mehr als ein Viertel der Mandatsträger, weshalb die Wahl kurzerhand verschoben wurde. Weil niemand weiß, ob es beim nächsten Versuch besser klappt, sollte man für solche Fälle vielleicht über eine Briefwahl nachdenken. Noch besser wäre im heutigen mobilen Kommunikationszeitalter natürlich ein Voting via Skype (Video-Telefonie übers Internet) - dann könnte man nämlich auch sehen, wo sich die Sitzungsschwänzer gerade aufhalten. Und wehe, es ist nicht das Krankenlager... Vorschlag: Wenn im Hintergrund ein tropischer Sonnenuntergang, eine einsame Jagdhütte oder verschneite Berge zu sehen sind, zählt die Stimme automatisch für die Gegenseite.

Aufs richtige Zählen kommt es auch an, wenn es um die Verkehrssicherheit von jugendlichen Sportlern geht. Grundlage für das behördlich genehmigte Installieren einer Bedarfsampel vor dem Sportzentrum. An der Keitumer Landstraße besteht nämlich keineswegs die reale Gefährdung durch den Verkehr, sondern durch die Zahl der die Straße querenden Fußgänger. Und die war im letzten Sommer deutlich geringer als die erforderlichen 50 innerhalb einer Stunde. Kein Wunder: Ferien und Dauerregen - welches Sylter Kind geht da schon freiwillig zum Sport.

Jetzt soll das Ganze im kommenden Frühjahr wiederholt werden - außerhalb der Ferien, bei vollem Sportbetrieb. Da die Verwaltung den genauen Termin natürlich nicht in der Zeitung inserieren darf, um das Ergebnis nicht zu verfälschen, sollten wir alle Ende Mai / Anfang Juni einfach öfter mal einen Spaziergang zum Hundesportplatz machen. Überhaupt: Wie werden bei so einer Zählung eigentlich Hunde gewertet?

Ob Hund oder Kind, Sportler oder Beamter - bei unserer Wahl zum Sylter Wort und Unwort des Jahres darf wirklich jeder mitmachen - sofern er faxen, mailen oder klicken kann. Da sich die Redaktion für jeweils drei Vorschläge entscheiden mussten, fiel uns die Wort-Wahl reichlich schwer. Nicht vorenthalten wollen wir unseren Lesern daher einige Begriffe, die nur knapp an der Nominierungshürde gescheitert sind.

Als Wort des Jahres wäre dies zum einen "Zossenposse" - eine Umschreibung für Petra Reibers leidenschaftliches, aber nicht von jedem akzeptiertes Engagement für die Sperrung der Straße nahe des von ihr genutzten Reitstalles. Zum anderen das friesische Wort "Sünhair", was so viel wie Gesundheit oder auch Prost heißt - identitätsstiftender Optimismus in Reinform.

Das Zeug zum Unwort des Jahres 2011 haben neben Basisfahrplan, Strandversorgung und Praxistest auch "Betongold" und "Sommer". Ersteres, weil es zwar nach Gold klingt, der Insel aber jede Menge Beton beschert. Den Sommer haben wir nur deshalb nicht genommen, weil wir ihn nicht provozieren wollen, sondern darauf hoffen, dass er alles gibt, um es im kommenden Jahr auf die Liste für das Wort des Jahres zu schaffen.

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