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Seehundstation Friedrichskoog : Schleswig-Holsteins erster Heuler: Polli bereitet sich auf die Wildnis vor

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Geschwächt und von der Mutter verlassen wurde Robben-Baby Polli an einem Strand gefunden. Jetzt wird er aufgepäppelt.

Friedrichskoog | Er ist nicht nur der erste Heuler Schleswig-Holsteins, er trägt auch einen besonderen Namen: Die Aufzuchtstation Friedrichskoog (Kreis Dithmarschen) hat das erste Robben-Baby der Saison Polli getauft. Am 25. Mai sei der junge Seehund einsam am Strand Fuhlehörn auf Nordstrand gefunden worden, teilte die Station am Donnerstag mit.

Jedes Jahr stranden an der Nordseeküste über 100 Robben-Babys, die ihre Mutter verloren haben. Ohne Hilfe verenden sie. Die Seehundstation Friedrichskoog kümmert sich in Zusammenarbeit mit Seehundjägern um diese Tiere. Sie ist die einzige berechtigte Aufnahmestation für Heuler in Schleswig-Holstein. Darüber hinaus ist die Einrichtung ein beliebtes Ausflugsziel, denn Besucher können das 800 Kubikmeter großen Beckensystem besichtigen und sich über Seehunde, Kegelrobben und den Tierschutz informieren.

Der zuständige Seehundjäger brachte das geschwächte aber weitestgehend gesunde Tier zu den Mitarbeitern der Seehundstation, wo es versorgt wurde. Benannt ist Polli nach dem nur wenige Tage zuvor verstorbenen Urgestein der Aufzuchtstation Werner „Polli“ Rohwedder. Er starb am Alter von 92 Jahren am 22. Mai und hat die Station 1985 gegründet.

„Polli geht es prima“, freut sich Tanja Rosenberg. „Als er zu uns kam, hatte er eine heftige Nabelentzündung, das hätte kritisch werden können. Aber die Entzündung ist zum Glück gut verheilt, sodass Polli aktiv schwimmt und taucht. Er ist ein ganz Engagierter“, so die Stationsleiterin im Gespräch mit shz.de. Nur 9,9 Kilogramm brachte das Robben-Baby anfangs auf die Waage. An seinem Gewicht arbeitet das Tier aber mit Heringsbrei und Filet.

Weniger Glück hatten Heuler, die an der Niedersächsischen Nordseeküste gefunden und in der Seehundstation Norden-Norddeich untergebracht wurden. Drei in der vergangenen Woche entdeckte Jungtiere werden derzeit medizinisch untersucht und versorgt. „Das sind absolute Frühgeburten in kritischem Zustand“, sagte Stationsleiter Peter Lienau am Donnerstag der Deutschen Presseagentur. Die weiteren Untersuchungen müssten zeigen, ob die Tiere überlebensfähig seien.

Polli hingegen durfte mittlerweile die Quarantäne verlassen und in den Aufzuchtbereich umziehen. Dort wird er jetzt wieder auf die Freiheit vorbereitet. Pflege und Training sind jetzt besonders wichtig, denn nicht alle Seehunde der Aufzuchtstation überleben die Wildnis unterhalb der Wasseroberfläche. Zwei bis drei Monate dauert die Betreuung in Friedrichskoog im Schnitt. „Voraussetzung für die Auswilderung  ist, dass die Tiere lebende Beute in einem großen Bereich unter Wasser fangen und fressen können sowie ein Mindestgewicht von 25 Kilogramm haben“, erklärt die Stationsleiterin – ähnliche Voraussetzungen also, wie nach dem Abstillen in Freiheit.

Fragen und Antworten:

Was ist eigentlich ein Heuler?

Heuler sind Seehund-Jungtiere, die ihre Mutter verloren haben. Über 150 dieser Tiere werden in Friedrichskoog pro Saison aufgepäpelt.

Woran erkenne ich Seehunde der Aufnahmestation?

In freier Wildbahn sind sie an einer roten Marke zu erkennen. Gelbe Marken lassen auf die Obhut der Seehundstation Norddeich (Niedersachsen) schließen. Bei mehrfarbigen Marken wurden die Seehunde in den Niederlanden aufgezogen. Auch grüne Kennzeichnungen gibt es. In diesen Fällen hat ein Seehundjäger das Tier markiert.

Was mache ich, wenn ich einen Heuler finde?

Selbst wenn man den Verdacht hat, dass es sich bei einem Tier um einen verlassenen Heuler handelt, darf man es nicht anfassen. Stattdessen sollte man den zuständigen Seehundjäger oder den Naturschutzverband informieren.

Helgoland: Seehundjäger siehe aktueller Aushang am Fähranleger; 04725-7787 (Verein Jordsand)

Amrum: 04682-1635 (Öömrang Ferian i.f.); 04682-2718 (Schutzstation Wattenmeer)

Föhr: 04681-1313 (Schutzstation Wattenmeer)

 

Noch ist Polli allein in der Station. Später wird er sich dabei in einer Kleingruppe durchsetzen müssen. So wird sich zeigen, wann er bereit ist für die Freiheit. Erkenntnisse darüber, wie viele Schützlinge der Aufzuchtstation in freier Wildbahn überleben gehen nicht über Schätzungen hinaus. „Man geht davon aus, dass 30 bis 40 Prozent aller Seehunde den ersten Geburtstag nicht erleben. Davon sind unsere Tiere leider nicht ausgenommen“, sagt Rosenberg. Die Überlebenschancen seien aber vergleichbar. „Wir geben ihnen gute Grundvoraussetzungen mit.“

Derzeit läuft in Friedrichskoog ein Besenderungsprojekt der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und dem dort angesiedelten Foschungs- und Technologiezentrum Westküste. Dabei werden Kegelrobben und Seehunde mit Sendern ausgestattet und nach der Auswilderung beobachtet. „Die Ergebnisse der Kegelrobben liegen uns bereits vor. Sie zeigen, dass sich die Tiere gut in die Gruppen eingliedern, ähnlich weit schwimmen und vergleichbar tief tauchen wie die Tiere im Freiland“, sagt Rosenberg. „Bei Seehunden hoffen wir auf die gleichen Ergebnisse.“ Bis dahin aber kann Polli sich ausreichend stärken und erholen.

In der Aufzuchstation Friedrichskoog kann man die Seehunde und Kegelrobben als Besucher täglich von 10 bis 18 Uhr beobachten. Fütterungszeiten: 10.30, 14 und 17.30 Uhr. Seehundstation Friedrichskoog e.V., An der Seeschleuse 4, 25718 Friedrichskoog, Tel.:  04854/1372.

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erstellt am 01.Jun.2017 | 18:03 Uhr

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