zur Navigation springen

Schleswig-Holstein hat die zweitwenigsten Ferientage

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Tourismusforscher entdeckt starke Unterschiede in den Ländern – obwohl die Ferienlänge bundesweit festgesetzt ist

shz.de von
erstellt am 02.Feb.2015 | 18:35 Uhr

Schleswig-Holstein ist das Bundesland mit den zweitwenigsten Ferientagen. Zu dieser Aussage kommt der Elmshorner Tourismusforscher Martin Linne nach einer deutschlandweiten Auswertung von Ferienterminen. Während Bayern mit 80 und Baden-Württemberg demnach mit 77,1 Ferientagen an der Spitze stehen, kommt Schleswig-Holstein nur auf 74,7. Schlusslicht ist Sachsen-Anhalt mit 74,3 Tagen.

Als Untersuchungszeitraum wählte der Wissenschaftler die Jahre 2002 bis 2006. Dazu lagen ihm bereits Teildaten vor, denn im Jahr 2002 setzt auch eine Studie an, mit der Linne im Auftrag des Deutschen Tourismusverbands 2013 die Planung speziell der Sommerferien durch die Kulturministerkonferenz (KMK) kritisch durchleuchtet hat. Aus den Zahlen der Ferientage von 2002 bis 2006 hat Linne dann für seine jetzt in Eigenregie herausgegebene Untersuchung für jedes Bundesland einen Mittelwert gebildet. Christliche Feiertage – im katholisch geprägten Süden und Westen häufiger – hat der Elmshorner bei seiner Betrachtung außen vor gelassen.

„Wenn der Unterschied bis zu fünf Tage beträgt, gibt es keine messbare Feriengerechtigkeit“, bilanziert Linne. „Mit gleichen Lebensverhältnissen, wie sie vom Grundgesetz vorgegeben sind, ist das nicht in Einklang zu bringen. Das Ergebnis spiegelt wider, wie unstrukturiert und intransparent die Bundesländer die Ferien planen.“ Es wirke so, „als ob die Entscheider im Dschungel der 16 Ländersysteme zur Feriengestaltung und vieler Absprachen und Ausnahmen schlicht den Überblick über die Planungen verloren haben.

Im „Hamburger Abkommen“ von 1971 hat sich die KMK eigentlich darauf geeinigt, dass jedes Bundesland pro Jahr 75 Ferientage vergibt. Bei der KMK zeigt sich Ferientermin-Expertin Sonja Jäkel denn auch zunächst überrascht über die Unterschiede in Linnes Auswertung. Bei der KMK, so Jäkel, lägen keine Erkenntnisse über verschiedene Längen in einzelnen Ländern vor. Dennoch hat sie einen „möglichen Erklärungsansatz“ für die Abweichungen: die „Tage aus besonderem Anlass“, die ein Bundesland zusätzlich zu den regulär 75 Tagen für unterrichtsfrei erklären kann. „Das ist ein denkbarer Faktor, für Differenzen“, sagt Jäkel. Jedes Kultusministerium sei dabei autonom. Eine bundesweite Übersicht über Häufigkeit und Umfang gebe es nicht.

Ausdrücklich nicht gemeint sind mit den „Tagen aus besonderem Anlass“ die so genannten „beweglichen Ferientage“. Von denen vergibt zum Beispiel Schleswig-Holstein pro Schuljahr vier außerhalb der eigentlichen Ferien. Dennoch werden diese Daten – wie schon ihre Bezeichnung nahelegt – aus dem offiziellen Kontingent der 75 Ferientage entnommen. So hat sie auch Linne in seiner Studie berücksichtigt.

Das Bayerische Kultusministerium bestreitet, dass man dort durch „Tage aus besonderem Anlass“ auf längere Ferien kommt. Sprecher Henning Gießen beteuert, der Freistaat vergebe auch nur 75 Ferientage. Wie dann die Abweichung zu erklären sei, die Linne nicht mal eben so auf die Schnelle ausgerechnet hat? Dem Kultusministerium müsse man bitteschön die größere Kompetenz bei der Zählweise der Ferientage zutrauen als einem Externen, erbittet sich Gießen. Schon Linnes Sommerferienstudie habe man auch nicht in allen Punkten nachvollziehen können.

Für den Geschäftsführer der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Schleswig-Holstein, Bernd Schauer, hingegen „bestätigt diese Analyse eine Tendenz, die wir schon immer vermutet haben“. „Bis zu sechs Tage Unterschied sind ja eine beträchtliche Zahl“, stellt Schauer fest – und setzt hinzu: „Ausgerechnet die Bayern liegen vorn – wo die doch sowieso schon durch mehr Feiertage im Vorteil sind.“ Aus Lehrersicht, so der GEW-Mann, stoße dies umso übler auf, „weil die Lehrer in Bayern obendrein auch noch besser bezahlt sind“.

Die Schleswig-Holsteiner sollten aber nicht darauf spekulieren, dass Kiel die Zahl der schulfreien Tage über die Zahl 75 hinaus nach oben anpasst. Bildungsministerin Britta Ernst erklärt: „Kinder haben genug Ferien; eine Ausweitung wäre kontraproduktiv für Lernerfolge.“ Untersuchungen zeigten, „dass Kinder bei langen Auszeiten viel wieder verlernen“. Die Sozialdemokratin betont, es gehe ihr „um qualitativ guten Unterricht und möglichst wenig Unterrichtsausfall“. Die Pädagogen erinnert Ernst: „Für Lehrer sind ,Ferien‘ im Übrigen anteilig immer auch Vorbereitungszeit.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert