zur Navigation springen
Neue Artikel

15. Dezember 2017 | 01:53 Uhr

Pinneberg : Schlamperei an der Heuss-Schule?

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Es geht an die Substanz: An der Theodor-Heuss-Schule in Pinneberg sind die Baumängel offensichtlich. Ein Schaden in Höhe von 100.000 Euro ist wahrscheinlich. An dem Gymnasium herrschen derzeit katastrophale Zustände.

shz.de von
erstellt am 23.Jul.2013 | 16:03 Uhr

Pinneberg | Jan Gawryluk windet sich. Es fällt ihm schwer, Klartext zu sprechen. Einem Mann, der eigentlich dafür bekannt ist, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Gawryluk überlegt kurz. Dann blickt er die Fassade empor, schüttelt den Kopf: „Es hat keinen Zweck, hier irgendwas zu beschönigen.“ Wir stehen vor der Theodor-Heuss-Schule an der Datumer Chaussee. Einer Pinneberger Schule, in die in den vergangenen Jahren Millionen investiert wurden. Planlos investiert. Schlimmer noch: Es soll  gepfuscht worden sein.

Gawryluk ist Chef des Kommunalen Servicebetriebs Pinneberg (KSP), einer Tochter der Stadt, zu der auch der Bauhof gehört. Im Januar hat der KSP das Gebäudemanagement von der Kernverwaltung im Rathaus   übernommen. Künftig zahlt die Stadt Miete für Schulen, Sporthallen und andere öffentliche Bauten. Gawryluk muss dafür sorgen, dass die Gebäude in einem vernünftigen Zustand sind. Das kostet zunächst einmal  Geld.  Weil in der Vergangenheit Fehler gemacht wurden. Daraus macht der KSP-Chef kein Geheimnis.       Zurück zum Problemfall Heuss-Schule. Man muss kein Bauexperte sein, um die Mängel zu erkennen. Ein Beispiel: die neue Außenhaut, die zunächst einmal einen  edlen Eindruck macht. Ein  Blick  hinter die Fassade offenbart Baumängel. Die Dämmung liegt frei. „Und das seit mehr als einem Jahr“, erläutert Silkata Sahin-Adu, Architektin beim KSP. Folge:  Feuchtigkeit dringt ein. Und zerfrisst die Substanz. „Wir müssen  in Teilbereichen wieder demontieren“, so Sahin-Adu.  Gawryluk spricht von etwa 100.000 Euro Schaden.

In der Vergangenheit sei „offenbar immer auf Zuruf saniert und repariert“ worden. An einem klaren Konzept bei der Instandhaltung habe es gefehlt. Lange habe es auf dem  Dach der Schule, die von rund 1000 Kindern besucht wird, nicht einmal einen Blitzableiter gegeben.  Sahin-Adu spricht davon, dass es jetzt darum  gehe, das zum Teil nahezu abgängige Schulgebäude  zu retten. Ein hartes Urteil, das im Rathaus für Diskussionen sorgen dürfte.

Bürgermeisterin Urte Steinberg hat die Baumängel nicht zu verantworten. Sie ist erst seit Anfang des Jahres im Amt und unterstützt Gawryluk bei der Sichtung des Gebäudebestands. „Vieles ist dringend  zu verbessern. Wir wollen jetzt nach vorn schauen und alles Stück für Stück abarbeiten“, so die Rathauschefin. Voraussichtlich im Herbst 2013  werde  nach Begehungen und ausführlichen Gesprächen  eine Übersicht zum genauen baulichen Stand der Schulen vorliegen. „Alles wird in einem Schulsanierungsplan dokumentiert“, verspricht Steinberg.  Danach werde entschieden,  was unbedingt angepackt werden muss –  und welche Baumaßnahmen noch warten können. „Dabei werden die Schulleitungen mit eingebunden“, so die Verwaltungschefin.

Gawryluk und Sahin-Adu sind allerdings bis dahin keineswegs untätig. Mit Mitteln aus dem Haushalt 2013  wird derzeit ein Teil des Dachs an der Heuss-Schule saniert. Zudem soll der Innenhof der Schule, der sich in einem katastrophalen Zustand befindet, in Angriff genommen werden. Sanitärräume sind bereits fertig gestellt.

Klar ist laut Gawryluk: Es wird einen zweistelligen Millionenbetrag verschlingen, die öffentlichen Gebäude fit für die Zukunft zu machen. Besondere Herausforderung für die angeschlagene Kreisstadt wird es sein, das mit dem Rettungsschirm des Landes in Einklang zu bringen. Zur Erinnerung: Pinneberg hat sich gegenüber dem Land verpflichtet, massiv zu sparen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen