Schlammschlacht bei der SPD

Noch voller Zuversicht war die Viölerin Marion Sellier nach ihrer Nominierung. Foto: hjm
Noch voller Zuversicht war die Viölerin Marion Sellier nach ihrer Nominierung. Foto: hjm

Landtagsabgeordnete Marion Sellier soll nicht zur nächsten Wahl antreten / Delegiertenkonferenz in Südtondern für Januar festgelegt

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15. Dezember 2011, 07:47 Uhr

Nordfriesland | Erst vor knapp drei Monaten war die SPD-Landtagsabgeordnete Marion Sellier (54) aus Viöl beim Parteitag der nordfriesischen Genossen für die Landtagswahl im Mai 2012 nominiert worden. Nun hat der Kreisvorstand der Abgeordneten das Vertrauen entzogen und gleich für den 7. Januar im Wahlkreis 1 (Südtondern), in dem Sellier angetreten wäre, eine Delegiertenkonferenz anberaumt. Da der Landeswahlleiter erst im März die Kandidaturen bestätigen werde, sei ein solches Prozedere möglich, erklärte der Vorsitzende des SPD-Kreisverbandes Nordfriesland, Horst Deyerling, auf Anfrage.

Die Gründe für den Vertrauensverlust wollte er nicht nennen - der Sozialdemokrat gab aber auf Nachfrage zu, dass diese Entscheidung - "neben anderen Themen" - auf das nicht zufriedenstellende Engagement der Abgeordneten in Kiel zurückzuführen sei. Diese Kritik war auch bereits bei der Kandidatenkür laut geworden und hatte dazu geführt, dass Sellier mit dem Husumer Carsten Zimmermann konkurrieren musste - üblicherweise bleiben amtierende Landtagsabgeordnete ohne Gegenkandidaten. Als mögliche Nachfolgerinnen für Marion Sellier werden bisher Schleswig-Holsteins frühere Sozialministerin Dr. Gitta Trauernicht und die Föhrerin Sabine Gilleßen gehandelt.

Bis zum 7. Januar dürfte noch schmutzige Wäsche gewaschen werden. Denn ein schwerer Vorwurf steht im Raum: Danach sei von Marion Sellier verlangt worden, zusätzlich zu ihrem monatlichen Mitgliedsbeitrag von 125 Euro und einer ebenfalls monatlichen "Mandatsträger-Abgabe" von 360 Euro rund 600 Euro für das Parteibüro im Husumer Schlossgang zu zahlen, heißt es aus SPD-internen Quellen. Die Abgeordnete verweigerte dies unter anderem mit der Begründung, dass ein solcher Beitrag für sie nicht steuerlich absetzbar sei, da im Büro des Kreisverbandes noch andere residierten. Die Aufforderung des Kreisverbandes, dann ihre Steuererklärung vorzulegen, wies Sellier mit dem Hinweis zurück, sie werde zusammen mit ihrem Ehemann veranlagt - und der ist nicht einmal SPD-Parteimitglied. Marion Sellier selbst gehört seit 2008 der sozialdemokratischen Partei an.

Ihr Nein soll eine Schlammschlacht ausgelöst haben. Sellier sei telefonisch gedroht worden, sie auf einen schlechten Listenplatz abzuschieben. Dieses Telefonat jedoch schnitt die Nordfriesin mit - verbotenerweise ohne Wissen des Gesprächsteilnehmers. Ein Fehler: Als dies herauskam, sei ihr mit Strafantrag und Parteiausschlussverfahren gedroht worden, falls sie ihre Kandidatur nicht zurückziehe. Die Landtagsabgeordnete wandte sich daraufhin an den Kieler Parteichef Ralf Stegner. Dieser soll erklärt haben, dass er nichts unternehmen könne und ihr stattdessen zum Rückzug geraten haben. Sellier gilt nicht gerade als Freundin Stegners. Der Parteivorsitzende gab gegenüber unserer Zeitung "persönliche Gründe" für den Rückzug der Nordfriesin an. Weiter wollte er sich dazu nicht äußern.

In Kreisen der SPD herrscht Empörung darüber, dass Abgeordnete Geld mitbringen müssen, um für die Partei zu arbeiten. Pikant außerdem: Ex-Ministerin Gitta Trauernicht soll sich bereits kurz nach Beginn der Affäre in Stellung gebracht haben, um "notfalls" für Marion Sellier einspringen zu können.

Es steht Aussage gegen Aussage. "Das stimmt absolut nicht", lautete gestern auf Nachfrage der Kommentar von Horst Deyerling. "Abgaben, um die Arbeit unseres Kreisbüros zu unterstützen, sind eine rein freiwillige Geschichte. Das ist auch in unserer Satzung so geregelt." Niemand werde unter Druck gesetzt.

Marion Sellier wird anwaltlich vertreten. Hartmut Unterlehberg ließ aus Neumünster ausrichten, dass er sich nicht äußern, sondern von der anwaltlichen Schweigepflicht Gebrauch machen werde. Die SPD-Politikerin selbst sagte nur: "Das ist eine interne Angelegenheit." Eine annähernd auskurierte Grippe führte sie nicht auf die Situation zurück. "Ansonsten geht es mir gut."

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