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Mai-Meeting in Rendsburg : Rundumschlag gegen Politik und Behörden

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der Chef des Unternehmensverbandes übt Kritik am Verkehrschaos in der Region und an Querelen im Rat.

shz.de von
erstellt am 15.Mai.2014 | 15:35 Uhr

Höflich und diplomatisch tritt Jens van der Walle üblicherweise auf. Höflich war der Vorsitzende des Unternehmensverbandes Mittelholstein zwar auch gestern, die Diplomatie allerdings ließ er beiseite. In überraschender Schärfe hat er beim traditionsreichen Mai-Meeting seines Verbandes das Verkehrschaos in der Region aufs Korn genommen. Den beteiligten Behörden warf er mangelnde Absprachen vor und forderte für Mittelholstein – analog zur A7 – einen Baustellenkoordinator. Die Rendsburger Politik blieb ebenfalls nicht ungeschoren. Die Personalquerelen der jüngsten Zeit kommentierte van der Walle mit den Worten: „Obwohl die Probleme groß sind und die Baustellen vor der Tür liegen, spielt man ‚Hütchen wechsele dich‘, streitet um die Zusammensetzung von Ausschüssen und kommt zu einem Ergebnis, das zwar den aktuellen Machtverhältnissen, aber keineswegs mehr dem Kommunalwahlergebnis entspricht.“

Mehr als 300 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung waren der Einladung ins Autohaus „Süverkrüp + Ahrendt“ gefolgt. Vor diesem Forum kündigte van der Walle an, jegliche Zurückhaltung des Unternehmensverbandes aufzugeben. Er bezog dies auf die Rendsburger Verkehrsprobleme. Sollte es noch eine weitere unkoordinierte Sanierungsmaßnahme geben, „werden wir wohl gezwungen sein, montags demonstrierend auf die Straße zu gehen.“

Als Negativbeispiele führte er die aktuellen Asphaltierungsarbeiten auf der Rader Hochbrücke an („Das hätte in Teilen bereits im vergangenen Jahr erfolgen können“), die einseitige Sperrung der B202 wegen der Brückenpfeilerarbeiten an der Eisenbahnhochbrücke, die Sperrung der L328 zwischen Nortorf und Timmaspe und die „viel zu lange Sanierung des Kanaltunnels“. Der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung gelinge hier das Kunststück, so van der Walle, für die Sanierung des Kanaltunnels länger zu brauchen als für den Neubau. Zudem warf er die Frage auf, wie man neue Unternehmen ansiedeln wolle, wenn man aus der Region nicht mehr vernünftig heraus und nicht mehr hinein komme.

Unter den Eingeladenen waren zahlreiche Vertreter der Stadt. Einige von ihnen dürften rote Ohren bekommen haben, als ihnen van der Walle die Leviten las. „In einer Stadt mit knapp 29 000 Einwohnern befindet man sich auf dem Irrweg, wenn man meint, sich parteipolitisch profilieren zu können.“ In Rendsburg gebe es kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem. Er begrüßte die Initiative von Bürgermeister Pierre Gilgenast, gemeinsame Grundsätze und Ziele zu entwickeln. Jetzt gelte es, „den Haushalt zu sanieren, den Schuldenberg abzubauen, die Eiderkaserne weiter zu entwickeln und die Innenstadt zu beleben.“ Auch beim Obereiderhafen müsse es vorangehen, und zwar mit Flächen für Gastronomie, Handel und Gewerbe. Wohnbebauung schloss er aus, damit der Industrie auf der gegenüberliegenden Hafenseite (ACO) „nicht die Luft zum Atmen genommen wird“.

Als Gastredner hatte der Unternehmensverband den Forschungsdirektor am Hamburger Weltwirtschaftsinstitut, Professor Dr. Michael Bräuninger, eingeladen. Er sprach über wirtschaftliche Trends im Norden. „Aktuell verbessert sich die konjunkturelle Lage in Deutschland und in Schleswig-Holstein deutlich. Damit setzt sich auch die gute Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt fort.“

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