Rückstau am Zug bald passé?

An Spitzentagen reicht der Stau vor der Niebüller Autoverladung bis Risum-Lindholm.
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An Spitzentagen reicht der Stau vor der Niebüller Autoverladung bis Risum-Lindholm.

Mit speziellem Parkhaus will Partei „Zukunft. Nordfriesland“ dafür sorgen, dass Fahrzeuge, die auf den Autozug warten, nicht mehr die Straßen verstopfen

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07. April 2018, 05:22 Uhr

Quälend lange Staus vor den Autozug-Verladungen in Westerland und Niebüll könnten bald der Vergangenheit angehören. Zumindest wenn es nach dem Willen der Partei „Zukunft.Nordfriesland“ geht. Die Mitglieder wollen dafür sorgen, dass die Autos in speziellen Parkhäusern auf den Zug warten, statt die Straßen auf der Insel und in Südtondern zu verstopfen. Platz für rund 1000 Fahrzeuge sollen die stählernen Parkpaletten in den jetzigen Wartezonen an den Verladungen bieten und schon zur Saison 2020 stehen. Die rund 20 Millionen Euro für das Projekt sollen laut Partei zum größten Teil von der DB Station & Service bezahlt werden.

„Durch die gewonnenen Stellplätze werden die Fahrzeuge von der öffentlichen Straße auf das Bahngelände geholt. Die leidigen Rückstaus in der Westerländer Innenstadt und in Niebüll vom Kreisel bis weit hinein auf die B 5 hätten sofort ein Ende“, sagt der Sylter Lars Schmidt von der neuen Partei. Die Staus seien ein „echter Urlaubsfreude- und Zeitkiller“ und störten sowohl Einheimische, Gäste, Anwohner und Betriebe in den Gewerbegebieten, sagt Schmidt, der zudem Spitzenkandidat der Partei für den Kreistag ist. Das Problem sei demnach seit Jahrzehnten bekannt, „doch bei der Lösung wird nur auf Zweigleisigkeit oder Verlegung der Verladungen gehofft, die zeitnah nicht in Sicht sind“.

Auch darüber, wie die kühn erscheinende Idee finanziert werden soll, gibt es konkrete Pläne: „Der einzelne Stellplatz kostet, je nach Ausbau, zwischen 5000 und 10 000 Euro“, sagt Lasse Lorenzen, Landesvorsitzender von „Zukunft. Nordfriesland“. Die Nutzungsdauer der Abfertigungsdecks betrüge mindestens 20 Jahre. „Legt man die Zahlen von aktuell etwa 1,2 Millionen transportierten Fahrzeugen pro Jahr zu Grunde, reicht schon ein Euro zusätzlich pro Fahrt für die Refinanzierung und den Unterhalt“, sagt der Bankkaufmann. Durch Fördergelder könnte diese Summe sogar noch geringer ausfallen.

In der Facebook-Gruppe „Abfertigungsdecks an den Autoverladungen auf Sylt und in Niebüll“ wird das Thema seit rund einer Woche angeregt diskutiert. Nicht nur positive Stimmen werden hier laut. „Die Lösung beziehungsweise dieser Lösungsvorschlag kommt keinesfalls von ,Zukunft.Nordfriesland‘“, schreibt der Sylter Stephan Bahr. Die Idee sei mindestens drei Jahre alt und in der Vergangenheit bereits diskutiert worden. Diesem Vorwurf widerspricht Lars Schmidt: Die Idee stamme vom Tinnumer Unternehmer und Mitglied seiner Partei Michael Müller und habe „so zuvor nicht existiert“.

Um diese Pläne zu realisieren, suchen die Mitglieder jetzt Unterstützer „sowie politische Mehrheiten für die schnelle Umsetzung“. Nach der Kommunalwahl am 6. Mai wollen sie sich mit den Beteiligten an einen Tisch setzen, um konkreter zu planen. Auch die Deutsche Bahn (DB) als Betreiber der Terminals sowie Vertreter der beiden Autozugbetreiber sollen dann dabei sein.

Dass das Unternehmen am 31. März über die Pläne der Partei informiert wurde, bestätigt Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis dem Nordfriesland Tageblatt auf Nachfrage zwar. In einer schriftlichen Stellungnahme distanziert er sich jedoch von dem Projekt: „Die Daten und Fakten können wir derzeit nicht inhaltlich nachvollziehen“, heißt es. Auch die angegebenen Kosten seien für die DB nicht nachvollziehbar. „Wir reden hier über derartige Staus, die an bis zu zehn Tagen im Jahr auftreten.“

Außer, dass das Konzept Staus vermindert, soll es auf den speziellen Abfertigungsdecks ein anbieterunabhängiges Reservierungssystem geben. Anders als jetzt könnten Autos dann nachträglich aus dem Verladebereich herausfahren. „Auch ein Wechsel des Anbieters nach dem Einfahren in den Terminalbereich oder bevorzugte Verladung in Notfällen ließen sich so realisieren“, sagt Schmidt. Das DB-Konkurrenzunternehmen RDC, das für Fahrten mit seinen Zügen seit Juni 2017 Fahrkarte mit Reservierung verkauft, zeigte sich von der Idee erfreut. „Der blaue Autozug-Sylt begrüßt, dass das Thema Reservierung bei der Autozugbeförderung als Instrument zur Lenkung von Verkehrsströmen mit diesem Vorstoß der Partei „Zukunft. Nordfriesland“ bestätigt wird“, schreibt RDC-Sprecherin Meike Quentin. Ob es sich über das Jahr gesehen lohnt, die genannte Summe zu investieren um Wartezeiten weiter zu verringern, die „an etwa zehn Prozent der Tage anfallen“ wolle sie nicht beurteilen.

Die Staus vor den Verladeterminals plagen Autofahrer an Tagen mit starkem Ab- und Anreiseverkehr schon lange: In Südtondern hatte sich zuletzt am 28. September eine Schlange bis Risum-Lindholm gebildet – zwei Stunden mussten die Menschen in ihren Autos ausharren, ehe sie auf den Autozug fahren konnten.

Neu in der Politik ist das Thema Stauvermeidung vor den Autoverladungen nicht. Bei einem Treffen im Amt Südtondern im Herbst hatten Vertreter von Stadt, Bahn, RDC und Unternehmer, verschiedene Möglichkeiten diskutiert, wie der Verkehr entspannt werden könnte (wir berichteten).

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