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Senat Berlin weiß von nichts : Rätsel um toten syrischen Flüchtling

vom
Aus der Onlineredaktion

Ein Asylsuchender sei in Berlin gestorben, behaupten Helfer bei Facebook. Tagelang soll er trotz Fiebers vor dem Berliner Lageso gewartet haben. Aus Senatskreisen heißt es nun, dass es keinen toten Syrer gibt.

shz.de von
erstellt am 27.Jan.2016 | 12:15 Uhr

Berlin | Ein 24 Jahre alter Flüchtling in Berlin ist nach Darstellung des Bündnisses „Moabit hilft“ in der Nacht zum Mittwoch gestorben. Grund für den Tod sollen die unhaltbaren Zustände beim Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) sein. Die Behörden, Krankenhäuser und Rettungsdienste konnten den Todesfall bislang jedoch nicht bestätigen.

Der Mann soll vor dem Lageso trotz Krankheit tagelang angestanden haben, heißt es bei Facebook. Ein Helfer habe den stark fiebernden Syrer am Dienstagabend zu sich nach Hause genommen, sagte eine Sprecherin des Bündnisses. Wegen seines schlechten Zustandes sei er von einem Krankenwagen abgeholt worden. Auf dem Weg habe er einen Herzstillstand erlitten - im Krankenhaus habe nur noch der Tod festgestellt werden können.

„Er war vom Warten in der Kälte ausgelaugt, hatte erst eine Erkältung, die dann zu einem grippalen Infekt wurde, der nicht behandelt wurde. Am Ende hat er sich auch mit Fieber am Lageso anstellen müssen“, sagte Diana Henniges von der Initiative „Moabit hilft“ dem Portal „SpiegelOnline“.

Die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales kündigte an, den Fall „unter Hochdruck“ zu prüfen. Unklar war unter anderem, inwieweit der Tod des jungen Mannes mit der Wartezeit vorm Lageso zusammenhing. Die Grünen fordern den Rücktritt von Sozialsenator Mario Czaja (CDU), sollte der Fall sich wirklich so zugetragen haben. Letzteres ist bislang jedoch nicht bewiesen worden.

Die Verwirrung begann am Mittag. Wie der „Tagesspiegel“ aus Senatskreisen zitiert, soll es – Stand 14 Uhr – keinen syrischen Flüchtling geben, der in der Nacht in einem Rettungswagen oder in einem Krankenhaus gestorben sei. Die Berliner Feuerwehr widersprach dem ebenso: Einen Notarzteinsatz wegen eines Syrers habe es in der bestätigten Zeit nicht gegeben. Alle 39 Krankenhäuser seien abtelefoniert worden: Von einem toten Syrer keine Spur, berichtet der „Tagsspiegel“. Möglicherweise hat sich die Hilforganisation bei der Nationalität gerrirt. Es soll am Nachmittag eine Pressekonferenz am Lageso geben.

Foto: Screenshot Facebook
 

In einer Mitteilung im sozialen Netzwerk Facebook hieß am Mittwochmorgen wörtlich von „Moabit hilft“: „Du hast so viel überlebt. Du hast das Lageso nicht überlebt. Du bekamst Fieber, Schüttelfrost, Herzstillstand. Du bist letzte Nacht verstorben. Wir weinen.“ „Warum, frag ich mich, muss er sterben?“, schrieb der Helfer, der den 24-Jährigen zu sich geholt hatte, bei Facebook. „Vielleicht, weil wir seit Wochen keinen Termin bekommen haben? Weder am Lageso noch bei einem Arzt, der ihn behandeln würde, hat man ihn angenommen.“ Bei Facebook hat eine Bekannte des Helfers das Protokoll eines Chat-Protolls mit ihm veröffentlicht, in dem der angebliche Ablauf festgehalten wurde. Der Helfer hatte die betreffenden Posts auf seinem eigenen Profil gelöscht.

Die Senatsverwaltung hatte erst am Vortag mitgeteilt, dass die Situation am Lageso wegen eines hohen Krankenstandes der Mitarbeiter „besonders angespannt“ sei. Zuletzt gab es erhebliche Engpässe bei der Auszahlung von Leistungen an Asylbewerber. Erst am Dienstag hatten mehrere Medien darüber berichtet, dass Flüchtlinge hungern müssen, weil ihnen vom Lageso kein Geld für die Selbstversorgung ausgezahlt worden sei. Eine Hotline soll künftig unter anderem dafür sorgen, dass Flüchtlinge das ihnen zustehende Geld rechtzeitig bekommen. Sie soll Betroffenen Extratermine zur Auszahlung beim Lageso vermitteln.

 

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