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Neumünster : Polizei observiert den Mann auf Schritt und Tritt

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Wer ist der Mann, den die Polizei nun täglich observiert? Der 72 Jahre alte Rentner lebte in Rheinland-Pfalz, arbeitete dort als Kaufmann, Rechtspfleger und Abteilungsleiter bei einer Wiesbadener Bank.

Neumünster | 1999 wurde er wegen sexuellen Missbrauchs von Jungen in 99 Fällen zu einer Gesamtstrafe von neun Jahren verurteilt, jedoch ohne anschließende Sicherungsverwahrung.
Die wollte die Staatsanwaltschaft 2011 nachträglich beantragen - und scheiterte an der europäischen Gesetzeslage. Dabei hat eine Gutachterin dem Rentner eine "narzisstische Unbelehrbarkeit, gepaart mit psychopathischer Rücksichtslosigkeit" bescheinigt. Eine zweite Expertin diagnostizierte eine Pädophilie, schwere Persönlichkeitsstörung und Therapie-Resistenz. Der Rentner selbst bezeichnete sich in der Verhandlung um seine nachträgliche Sicherungsverwahrung vor dem Landgericht Bad Kreuznach als "traumatisiert". Er habe im Alter von 13 Jahren sexuelle Übergriffe durch seinen Ersatzvater erlebt.
1997 zeigte eines der Opfer den Missbrauch an
Seine erste Tat beging er als 15-Jähriger an einem jüngeren Kind. Während seiner Ehe, die 1981 geschlossen wurde, verging er sich an den Brüdern seiner Ehefrau. Aktenkundig sind auch sexuelle Übergriffe auf einen marokkanischen Jungen, auf verschiedene Nachbarskinder und einen serbischen Jungen, den der Rentner als seinen "Ersatzsohn" bezeichnete. Die Taten mit diesem Kind filmte er.
Den Kindern näherte sich der Mann, indem er Kontakt zu deren Eltern suchte. Die schenkten dem redegewandten, weltmännisch auftretenden Banker offenbar schnell Vertrauen. 1997 zeigte dann endlich eines seiner Opfer den Missbrauch an, und es kam zu der Verurteilung. Doch schon 2005 wurde der Verurteilte auf Bewährung vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen - und sofort wieder straffällig. 2006 wurde ihm vor dem Amtsgericht Koblenz der Prozess gemacht - wegen vorsätzlicher Körperverletzung eines minderjährigen Jungen. Das Urteil: eine sechsmonatige Bewährungsstrafen und Auflagen. Dem Rentner ist es seitdem untersagt, Kontakt zu Minderjährigen aufzunehmen.
Beschluss noch nicht rechtskräftig
Nach diesem Urteil zog der Mann nach Schleswig-Holstein; seine kinderlose Ehe war zu diesem Zeitpunkt längst geschieden. Und auch im Norden verstieß er gegen die Weisungen. Im April 2007 sprach er zwei minderjährige Mädchen an, nahm sie mit in seine Wohnung und zeigte ihnen Pornohefte. Das Landgericht Kiel verurteilte den Rentner daraufhin 2008 zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten, widerrief die Bewährungen. Der Rentner musste die Reststrafe aus 1999 verbüßen.
Im Frühjahr 2011 war er jedoch wieder ein freier Mann. Er lebt heute in Neumünster. Seinem Bewährungshelfer berichtete er, dass er die Teichuferanlagen regelmäßig besuche, um mit jungen Männern ins Gespräch zu kommen. Tatsächlich aber sprach er dort Kinder an. "Die Polizei observiert die betreffende Person deshalb", erklärt Jochen Lentföhr, Sprecher der Polizei Neumünster. Die Beamten dokumentierten etliche Fälle von Annäherungen an Minderjährige, von denen jetzt vier vor dem Amtsgericht verhandelt wurden. Die Teichanlagen darf der Rentner nun nicht mehr besuchen. Außerdem gibt es den gerichtlichen Beschluss, dass er eine elektronische Fußfessel tragen und sich bei der Kieler Sektion für Sexualmedizin vorstellen muss. Doch dieser Beschluss ist noch nicht rechtskräftig.

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erstellt am 29.Aug.2012 | 07:40 Uhr

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