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Protest gegen Schulbaumisere : Pinneberger Schüler rappen gegen Schulbau-Misere

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Schüler der Klasse 9 an der Johann-Comenius-Schule (JCS) haben einen Song und ein Video aufgenommen, um auf die maroden Pavillons aufmerksam zu machen.

shz.de von
erstellt am 07.Jul.2017 | 10:00 Uhr

Pinneberg | Pinneberg    „Und so wurde uns klar: Hier gibt es kein Zurück. Man verkauft uns hier ein Ghetto/als den neusten Shabby chic/  Seht es endlich ein, dass es bei uns nicht zieht/Wie bescheuert muss man sein, dass man den Unterschied nicht sieht.“   Diese Rap-Zeilen singt Rajk Hammond-Norden   (15), während er über das Gelände der Johann-Comenius-Schule (JCS) geht. An den heruntergekommenen Pavillons vorbei.

Die 9c der JCS hat auf Grundlage von  Coolios Rap „Gangsta’s  Paradise“ Song und Video selbst produziert. Auch  die Musik  wurde  von den Schülern eigenhändig eingespielt.    Die Idee dazu hatte Musiklehrer Arno Gertz. Im Zuge des musisch-ästhetischen  Projekts entstand dann dieses  kleine Kunstwerk. Drei Monate lang haben die Jungen und Mädchen  daran gearbeitet. Mit viel Herzblut.  „Es war total schwer. Einmal  habe ich den Song der Klasse vorgetragen. Die haben gleich  gesagt: So geht das nicht“, erinnert  sich Rajk.  Viel Freizeit ging  drauf: Regisseur Linus Ossmann schnitt das Video zu Hause.

 Protest gegen die Schulbau-Misere mal ganz anders. Wenn alles andere nicht hilft und gute Appelle abprallen. Jetzt wehren sich die Schüler: Mit Musik und Texten. Sie  greifen zu modernen Medien.    Erst kürzlich berichtete Felix von der Laden („Dner“), einer der bekanntesten YouTuber Deutschlands, über Pinnebergs Schulbaumisere.  Dann hielt Christoph Wiesner von der Stadtschülervertretung im Rat eine flammende Rede auf die Pressefreiheit.  Und mit dem Protestlied machen nun   die JCS-Schüler auf die maroden Pavillons an ihrer Schule aufmerksam.

„Wenn die Schüler in die neunten Klassen kommen, haben sie für ein Jahr Unterricht in den Pavillons“, sagt Leiterin Uta Holst-Timm.   Oder wie es im Rap heißt: „Doch nachdem ich in der Achten war/hieß es Sachen packen. Und als jeder voll beladen war, wurde klar, welches Spielchen hier im Gange war./Ey, was soll der Scheiß?/Ist das ne Schule hier oder Gangsta’s Paradise“?

Rajk weiß, wovon er singt: „Ein Teil der Fenster in den Pavillons lässt sich nicht öffnen, sie sind zugenagelt. Es kommt keine Luft herein. Die Wände sind versifft“, beschreibt er die Zustände in den maroden Baracken. Die Mängelliste ist lang: Es gibt keinen Wasseranschluss, im Sommer ist es zu heiß und im  Winter zu kalt. Keine guten Voraussetzungen für guten Unterricht.

Musiklehrer Gertz ist  stolz auf seine Schüler: „Es ist beeindruckend. Wir haben die Situation an der Schule künstlerisch verarbeitet. In Rap-Sprache. Es sind Worte, die ich sonst nicht durchgehen lassen würde“, sagte er.   „Wenn es um dieses Thema geht, wird man etwas salzig“, ergänzt Rajk augenzwinkernd.

Im Schulausschuss am Mittwoch hatte   der Rap der 9c  Premiere.  Er wurde  den Politikern  vorgespielt – auch im Hinblick darauf, dass der JCS-Neubau zur Abstimmung stand. Läuft alles nach Plan, sollte  das Gebäude, dass  die Pavillons ersetzen soll, 2020 fertig sein.

Doch die Skepsis bei den Schülern bleibt bestehen:   „Allen Schülern der fünften Klassen wurde bis jetzt erzählt, dass sie die Ersten sein werden, die in den Neubau kommen. Auch meiner Freundin. Sie kommt jetzt in die elfte Klasse“, sagt Lisa Wolf (14).

 

 

 

 

 

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