Ohne die Tafeln ginge es vielen noch schlechter

Auch viele Brote und Brötchen gehen zweimal die Woche neben anderen Lebensmitteln in der
Auch viele Brote und Brötchen gehen zweimal die Woche neben anderen Lebensmitteln in der

Die nordfriesischen Hilfseinrichtungen haben immer mehr Zulauf: Besonders betroffen sind alte Menschen mit geringer Rente und Alleinerziehende

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17. Dezember 2011, 07:55 Uhr

Nordfriesland | Den Tafeln geht es gut - leider: Mittlerweile sind es statt 1000 nun schon 1300 Menschen, die regelmäßig an die drei Standorte in Husum, Tönning und Bredstedt kommen, die das Diakonische Werk Husum und der Ortsverband der Arbeiterwohlfahrt (Awo) anbieten. "Die Scham und die Hemmschwelle nehmen immer mehr ab - einer erzählt dem anderen davon und bringt ihn dann mit", wissen Dieter Pelties, Hilde Zeugner, Ina Hinrichsen und Leonhard Johannsen. Alle vier sind seit Jahren in der Arbeit für die Tafeln aktiv.

Der größere Zulauf zu den Tafeln, die kostenfrei Lebensmittel an Bedürftige ausgeben, ist für die Verantwortlichen ein deutlicherBeleg dafür, dass die Not der Betroffenen immer größer wird. Und der große Zuspruch bedeutet auch ein dringend notwendiges Mehr an ehrenamtlichen Helfern und Sponsoren: seien es Lebensmittelmärkte, große Ketten oder auch Privatleute und Serviceclubs, die mit Geldspenden Gutes tun können.

"Ohne Lebensmittelspenden läuft natürlich nichts bei den Tafeln, aber auch das Benzin für die Fahrzeuge, für Kühl- und Sammelvorrichtungen muss bezahlt werden", erläutert Dieter Pelties, Geschäftsbereichsleitung Soziales und Arbeit beim Diakonischen Werk Husum, das die Tafeln in Tönning (seit 2006) und in Bredstedt (2008) allein trägt, und in Husum seit 2004 gemeinsam mit der Awo. Auch auf Sylt und Föhr und in Niebüll und Leck gibt es mittlerweile Tafeln. Erklärtes Ziel ist es, Ausgabestellen in allen Standorten von Sozialzentren zu haben, ergänzt Hilde Zeugner, Husumer Awo-Ortsvereinsvorsitzende: "In Teilen Eiderstedts und rund um Viöl fehlt noch eine Versorgung. Das Problem versuchen wir noch zu lösen." Zeugner freut sich mit ihren Mitstreitern über 30 Ehrenamtliche in Husum, 14 Mitstreiter in Tönning und 15 in Bredstedt.

"Doch, wenn unsere Klientel immer mehr zunimmt, brauchen wir natürlich auch mehr Helfer, die die umfangreiche Arbeit des Einsammelns der Lebensmittel, des Sortierens und der Ausgabe bewältigen", ist auch für Ina Hinrichsen von der Tönninger Tafel klar, die ebenso wie die Husumer zweimal wöchentlich vormittags geöffnet wird; in Bredstedt gibt es einen Termin.

Wer kommt am häufigsten? Sehr oft sind es kinderreiche Familien, die in Armut leben, viele Langzeitarbeitslose sowie "Hartz IV"-Bezieher und sogenannte Aufstocker - Menschen, die von ihrer Arbeit nicht leben können. "Rund ein Drittel sind Senioren mit sehr geringen Renten, ein Drittel junge alleinerziehende Mütter und ein Drittel Menschen in mittleren Jahren", berichtet Leonhard Johannsen, verantwortlich für die Tafel in Bredstedt. Frauen sind oft in der Überzahl; in Husum kommen auch viele Männer.

Manche Menschen warten schon von 8 Uhr an vor der Tür, auch wenn die Tafel erst um 10 Uhr öffnet. "Lebensmittel für zwei bis drei Tragetaschen gehen in Spitzenzeiten über den Tresen. Manche holen auch etwas für andere mit", weiß Hilde Zeugner. Die Lebensmittel werden eins zu eins an die Bedürftigen weitergegeben: ob Obst und Gemüse, Brot, Kuchen, Konserven, eine Sonderlieferung tiefgekühlter Pizzen oder jetzt zu Weihnachten mit süßen Leckereien gefüllte Tüten. "Zum Fest soll es natürlich etwas Besonderes geben", sagt Ina Hinrichsen.

Die Lebensmittel der Tafel sind als ergänzende Hilfe gedacht und decken nicht die wöchentliche Grundversorgung. Haltbare Lebensmittel wie Nudeln, Reis oder Konserven werden teilweise dazugekauft. "Auch dafür sind für uns zusätzliche Sponsoren wichtig", betont Pelties.

Bundesweit gibt es 900 Tafeln, in denen rund 50 000 Ehrenamtliche mehr als eine Million Menschen unterstützen, davon fast ein Drittel Kinder und Jugendliche - Tendenz steigend. "Ein trauriger Trend", sagt Pelties, "der auch vor Nordfriesland nicht Halt macht." Jeden Tag fallen enorme Mengen an Lebensmitteln an, die, obwohl qualitativ einwandfrei, aufgrund von Mindesthaltbarkeitsdaten, Überproduktionen oder Schönheitsfehlern vernichtet werden müssten. Sie können nun den Tafeln zugute kommen.

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