Nordelbingen: 80. Ausgabe der Zeitschrift

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14. Dezember 2011, 03:59 Uhr

Kiel | Ein Geburtstag muss gefeiert werden. Der 80ste. Bei einem berühmten Menschen wird das Jubiläum stets ausführlich gewürdigt, bei einer Zeitschrift wird es schon mal vergessen. Gerade ist der 80. Band von Nordelbingen erschienen. Seit 1923 erscheinen diese "Beiträge zur Kunst- und Kulturgeschichte Schleswig-Holsteins". Herausgegeben von renommierten Institutionen. Es sind die Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte, für Kieler Stadtgeschichte, die Landesbibliothek, das Landesamt für Denkmalpflege, die Stiftung Schloss Gottorf, der Kunstverein Flensburg und die Architektenkammer. Nordelbingen ist mittlerweile eine auch äußerlich edle Publikation geworden. Mit aufwändigem Einband, bestem Papier und entsprechend vorzüglich gedruckten Abbildungen.

Und dem ansprechenden Äußeren entspricht der Inhalt. Nur, wer wirklich etwas zu sagen hat, findet Platz, und der ist - wo gibt es das noch? - für die Autoren so gut wie unbegrenzt. Das gilt sogar für Buchbesprechungen, die sich im Einzelfall klein gedruckt und anspruchsvoll über viele Seiten erstrecken (zum Beispiel Hans-Günther Andresens sachkundiger Beitrag über den Star-Architekten H. Moldenschardt).

Der Philosoph Peter Sloterdijk vertritt den Standpunkt, etwa 98 Prozent dessen, was Wissenschaftler schreiben, werde von niemandem gelesen, weil es unlesbar sei. Dieses vernichtende Urteil trifft auf die in Nordelbingen veröffentlichten Texte nur in Ausnahmefällen und nicht auf die Beiträge in der "Jubiläumsschrift" zu.

Es sind ausnahmslos sehr spezielle Themen, die behandelt werden. Der Ausbau Tönnings, einst ein bedeutender Hafen, zur Festung (Deert Lafrenz), die akribische Auswertung von Carsten Niebuhrs Stammbuch, eine Art gehobenes Poesiealbum (Dieter Lohmeier), das Leben und Wirken des Malers und Lithografen C. Ch. August Böhndel (Ulrich Schulte-Wülwer), der Bau des Eisen-Kunst-Guss-Museums in Büdelsdorf (Ulrich Schneider). Etwas leichtere, aber ebenfalls gewinnbringende Lektüre bietet Klaus Alberts mit einem Essay über das gesellschaftliche und politische Leben in Dänemark zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

Es sind dies alles Themen, die gewiss nur einen übersichtlichen Kreis von historisch Interessierten ansprechen. Umso erfreulicher ist es, dass Nordelbingen solange überlebt hat.

Nordelbingen, Beiträge zur Kunst- und Kulturgeschichte Schleswig-Holsteins, Boyens Buchverlag, 256 Seiten, gebunden, mit zahlreichen Abbildungen, 30 Euro.

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