Fracking : Nehmt die Ängste der Menschen ernst

Schleswig-Holstein will weiter gegen Fracking vorgehen - mit juristischen Tricks. Doch auf Dauer reichen diese Kniffe nicht. Ein Kommentar von Kay Müller.

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16. März 2013, 09:49 Uhr

Die Argumentation ist bekannt: In strukturschwachen Gegenden, in denen immer weniger Menschen wohnen, hält eine neue Technik Einzug. Die Industrie verspricht jede Menge neue Arbeitsplätze und prognostiziert den Kommunen neue Einnahmequellen. Da sollen sich doch bitte skeptische Technikfeinde nicht so anstellen und nicht mehr rummosern, dass die neue Methode der Energiegewinnung schädlich ist. Kennen wir. Alles.

Mit eben jenen Argumenten hat eine Industrielobby es Anfang der 70er Jahre geschafft, gegen den Widerstands eines großen Teils der Bevölkerung, Atomkraftwerke in Schleswig-Holstein genehmigt zu bekommen. Und mit den gleichen Argumenten sollen nun Fracking-Verfahren zur Gewinnung von Erdgas erlaubt werden.

Doch in Schleswig-Holstein findet sich kaum jemand, der dem etwas Positives abgewinnen kann. Deswegen ist die Entscheidung von Energiewendeminister Robert Habeck überfällig, das Fracking mit allen juristischen Kniffen aufzuschieben oder zu verbieten. Dass die Politik dadurch wehrhaft gegen die Interessen der Industrie sein kann, zeigt das Beispiel Nordrhein-Westfalen: Dort hat ein noch gewagteres Verbot von Fracking keine Klagen der Industrie nach sich gezogen.

Doch auf Dauer reichen diese Kniffe nicht. Der Bund muss einheitliche Regeln erlassen, nach der Fracking verboten wird - generell wie etwa in Frankreich. Und das auch aus ökonomischen Gründen: Denn Fracking im Norden ist so oder so nicht mehr als eine Übergangslösung, weil die Gasvorräte begrenzt sind. Letztlich geht die Förderung von Gas zu Lasten der erneuerbaren Energien, für die noch viele Investitionen nötig sind.

Gerade im Bereich der erneuerbaren Energien steckt das Potenzial für viele nachhaltige Arbeitsplätze in Schleswig-Holstein. Und gegen die werden sich auch weniger Menschen wehren, die mit Fracking wie mit der Atomenergie nur eines verbinden: Angst. Das sollte die Politik Ernst nehmen. Auch im Bund.

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