Streit ums Betreuungsgeld : Mütter als billige Arbeitskräfte

In der Debatte um das Betreuungsgeld geht es nur vordergründig um das Wohl der Kinder. Die Grünen belegen dabei einen Verdacht. Ein Kommentar von Margret Kiosz.

Avatar_shz von
23. Juli 2013, 07:30 Uhr

Stichtagsregelungen sind immer ungerecht. Das war schon bei der Einführung des Elterngeldes so und wird auch beim Betreuungsgeld für Heulen und Zähneknirschen sorgen. Doch die Aufregung legt sich erfahrungsgemäß - auch wenn SPD und Grüne den Unmut bei Eltern, deren Kinder "zu früh" geboren wurden, schüren. Das ist das gute Recht der Opposition.
Kein Recht hat sie jedoch, Eltern, die sich gegen die Krippenbetreuung entscheiden, pauschal zu diffamieren und ihnen die Erziehungskompetenz abzusprechen. Generationen von Kindern sind - auch weil es früher kaum Krippen gab - zu Hause groß geworden. Sind sie etwa alle seelisch und geistig verkrüppelt?
Wenn SPD und Grüne die staatliche Kinderbetreuung als non plus ultra darstellen, geht es ihnen nur vordergründig um das Kindswohl und die Unabhängigkeit von Frauen - tatsächlich jedoch darum, der Wirtschaft billige Arbeitskräfte zuzuführen. Wer das bislang behauptete, galt als verblendeter Ideologe. Jetzt liefern ausgerechnet die Grünen den Nachweis, dass der Verdacht stimmt: Durch das Betreuungsgeld würden Eltern vom Arbeitsmarkt ferngehalten, beklagen sie lauthals und benennen als Kronzeugen Arbeitgeber (Präsident Hundt lässt grüßen!) und IHKs. Sogar Kostenrechnungen werden aufgemacht. Investitionen in Kitas rechneten sich, weil das zusätzliche Steueraufkommen der dann arbeitsfähigen Mütter - bundesweit 850.000 - die Ausgaben mehr als decke. Beinahe unbemerkt und unter neoliberalem Deckmantel hat sich damit die einstige DDR-Ideologie der staatlichen Erziehung bei uns eingeschlichen.
Unbestritten ist: Die stundenweise Krippenbetreuung als Ergänzung zum Elternhaus ist wichtig und für Alleinerziehende unverzichtbar. Aber sie ist nicht die allein selig machende Möglichkeit. Schon gar nicht taugt das Thema Betreuungsgeld zu sozialpolitischen Schlachten. Die Sorge, Hartz-IV-Kinder würden zu Hause vor dem Fernseher dauergeparkt statt in die Krippe geschickt, ist unbegründet. Die 100 Euro werden auf die Sozialleistungen angerechnet und wirken deshalb nicht als Kita-Fernbleibeprämie. So viel Wahrheit muss sein.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen