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Im Einsatz mit der Diensthundestaffel : Mit vier Pfoten auf Verbrecherjagd in Hamburg

vom
Aus der Onlineredaktion

Von Stöbern, Straftätern und Spieltrieb: Wir haben die Diensthundeführerin Annika Probst und ihre Hündin Kera begleitet.

von
erstellt am 27.Aug.2017 | 14:09 Uhr

Hamburg | Das Einsatzhorn dröhnt. Blaulicht. Annika Probst und ihre Kollegin bereiten sich im Streifenwagen mental auf den Einsatz vor. Mit quietschenden Reifen bremsen sie vor einer Sportanlage am Rand von Hamburg. Probst steigt aus, geht zum Kofferraum. Wenige Griffe und ihre Kollegin Kera steht neben ihr. Ein paar Köpfe kleiner und mit vier Beinen. Kera ist eine deutsche Schäferhündin. Für den Einsatz trägt sie einen Beißkorb. Gleich soll sie das Gebäude durchsuchen.

Kera fiepst vor Freude. Für die sechsjährige Diensthündin ist es Zeit zum Spielen. Ihr Spielzeug: Der Einbrecher. Ihr Spiel: Ihn suchen. Probst gibt ihrem Hund ein Kommando. Gemeinsam laufen sie die Treppe hoch, Kera zwischen den Beinen der Beamtin. Keiner stolpert über die Füße oder Pfoten des anderen. Sie sind sechs Beine, ein Team. Oben angelangt, öffnet Annika vorsichtig eine weiße Tür. Zwei Kollegen begleiten sie, stehen hinter der 37-Jährigen. Nichts darf jetzt zwischen das Tier und die Diensthundeführerin kommen. „Achtung, wir setzten jetzt einen Diensthund ein“, ruft sie mit starker Stimme in den Raum hinein. Stille. Nur Kera gibt ein unterdrücktes Fiepsen von sich, unruhig wechselt sie von einem Bein aufs andere. Klick. Probst löst die Leine. Ihr Hund verschwindet im Raum und rennt aufgeregt umher. Keras Schnauze ist nah am Boden, dann schnüffelt sie die Wände entlang. Sie stöbert, so wird bei der Polizei das Suchen einer Person oder eines Gegenstands bezeichnet.

Seit genau vier Jahren sind Probst und Kera ein Team. Und damit eines von insgesamt 38 in Hamburg. So viele Diensthunde sind derzeit in der Hansestadt im Einsatz. Beim Familientag am 10. September präsentiert Probst gemeinsam mit drei Kollegen das Können der Diensthunde.

Partner in allen Lebenslagen: Diensthund Kera und Diensthundeführerin Annika an einem Tatort in Bergedorf.
Partner in allen Lebenslagen: Diensthund Kera und Diensthundeführerin Annika an einem Tatort in Bergedorf. Foto: Kira Oster

Die Diensthundestaffel DE 372, zu der auch die beiden gehören, hat 33 Schutzhunde. Darunter sind einige Spezialhunde: 13 für Sprengstoff, 11 Betäubungsmittel- und drei Personenspürhunde. Drei weitere Tiere sind außerdem neu dabei und gerade in der Eingewöhnung. Außerdem im Einsatz sind ein Blut- und Leichenspürhund, drei Brandmittelspürhunde sowie ein weiteres Tier für Sprengstoff von der Diensthundeschule in Altengamme. Die Beamten der Diensthundestaffel sind keiner der fünf Regionen in Hamburg fest zugeordnet. Stattdessen können sie während ihres Streifendienstes von den jeweiligen Kollegen angefordert werden oder sich selbst zum Einsatz anbieten.

Als Schutzhund wird Kera in verschiedenen Situationen eingesetzt. Mal verfolgt sie Straftäter, mal sucht sie vermisste Personen oder soll Tatwerkzeuge aufspüren. Bei anderen Einsätzen steht sie den Beamten bei Demos oder Fußballspielen zur Seite. „Allein die Anwesenheit eines Diensthundes verändert viele Situationen“, sagt Annika Probst. „Außerdem haben viele Angst vor den Tieren und in manchen Religionen gelten Hunde als unrein.“

Im Dunkeln der Sportanlage reflektiert nur das Wort „Polizei“ auf Keras Dienstgeschirr. Der braun-schwarze Schatten huscht hin und her. Kera läuft zurück zu Probst. Noch hat sie nichts gefunden. Frauchen zeigt mit dem Arm in einen weiteren Raum. Die Hündin rennt ohne zu Zögern in die angezeigte Richtung. Wieder läuft sie von einer Ecke zur anderen. Plötzlich stockt sie, schnuppert – und rennt los. Probst und ihre Kollegen hinterher. Zwei Räume weiter bellt die Diensthündin einen Duschvorhang an. Laut, bedrohlich, stolz. Sie hat den Einbrecher gestellt. Spiel gewonnen. Auf Kommando springt sie den Täter an. Stoßen nennt sich das. Vor Schreck und Schmerz schreit der Mann in der Dusche. Das Bellen hallt durch den gefliesten Waschraum. Dann übernehmen die menschlichen Kollegen, sie fassen den Täter.

Zeit für Probst und Kera sich ein paar Meter zurückzuziehen. Die Hündin atmet schwer, ihr ganzer Körper bebt. Schnaufen. Probst legt sachte ihre Hand auf Keras Rücken. „Jetzt muss der Hund runterfahren“, erklärt der Ausbilder Henry Wagner. Währenddessen zieht sich sein Kollege Peter Schulz – eben noch der Einbrecher – seine Schutzkleidung aus. Der Einbruch in die Sportanlage – eine Übung. Die Hunde müssen regelmäßig proben, sonst verlieren sie ihre Fähigkeiten. „80 Prozent sind Training, 20 Prozent Einsatz“, erklärt der Ausbilder Wagner. Gemeinsam mit Probst macht er anschließend Manöverkritik. Kera hat heute keine Umweltschwächen gezeigt. Das bedeutet, sie hat sich voll auf ihren Job konzentriert und sich bei der Suche nach dem Täter nicht ablenken lassen.

„Wir müssen uns gegenseitig zu 100 Prozent vertrauen“, sagt Probst später, zurück im Streifenwagen. Sie blickt in den Rückspiegel. Keras Platz ist der Kofferraum. „Einen Hund wollte ich schon immer, privat hatte ich aber nie die Zeit dafür“, erzählt die Beamtin. Mit dem Diensthund habe sie sich einen Traum erfüllt. Die Prüfung 2013 hat sie sofort bestanden. Der damals zweijährige Hund wurde ihr dann zugeteilt. Es folgte eine dreimonatige Grundausbildung. Seitdem hat sich im Leben der Polizistin einiges geändert. „Ich kann nicht mehr so gut von der Arbeit abschalten“, sagt die 37-Jährige. Aber den Kompromiss mache sie gern. Auch wenn Hunde im Polizeijargon „Hilfsmittel der körperlichen Gewalt“ sind, im Alltag sind sie viel mehr als das. Probst und Kera sind im Einsatz Kollegen, im Feierabend Familienmitglieder. Sie teilen sich einen Haushalt. Kera verdient mit ihrer Arbeit 122 Euro im Monat für Futter. Weil die Hündin Heuschnupfen hat und außerdem allergisch gegen Weizen- und Soja ist, wird ihr Futter speziell angemischt.

Die Beamtin Probst hat eine 40-Stunden-Woche, wovon 33 Stunden im Streifendienst sind. Die restlichen soll sie für Kera nutzen. „Der Hund ist für mich mein Partner in allen Lebenslagen“, fasst sie zusammen und ergänzt lachend: „Ich sehe die Heißdüse ja öfter als meinen Mann“. Die beiden sind eine Symbiose eingegangen, bei der Arbeit ergänzen sie sich mit ihren Fähigkeiten. Wobei die Rollen klar verteilt sind: „Ich bin das Alpha-Tier“, betont Probst. Kera muss jedem Befehl gehorchen. Gehorsam und Unterordnung trainieren die beiden daher täglich. Disziplin gehört auch für die Diensthundeführerin dazu, sie muss streng bleiben, auch wenn die dunklen Hundeaugen sie anbetteln. Kera würde sonst aufmüpfig werden. Und im Einsatz können sie sich keine Patzer erlauben.

<p>Gehorsam muss ständig trainiert werden.</p>

Gehorsam muss ständig trainiert werden.

Foto: Kira Oster
 

Wie die menschlichen Kollegen, müssen auch Hunde bestimmte Eigenschaften mitbringen, um bei der Polizei im Einsatz sein zu können. Vor allem die Triebe müssen ausgeprägt sein. Ein starker Spiel- und Beutetrieb und das richtige Training können die Tiere zu guten Polizeihunden machen. Bei der Polizei Hamburg sind vorwiegend deutsche und belgische Schäferhunde im Einsatz. Die Vierbeiner sind robust und kräftig. Wenn sie nicht überzüchtet und dadurch krank sind – deswegen ist bei der Auswahl der Hunde Sorgfalt gefragt. Kera kommt zum Beispiel aus tschechischer Zucht. Ein Pudel könnte kein Polizeihund sein, er wäre nicht abschreckend genug.

Auf dem Rückweg vom Training wird Probst per Funk angefordert. „Einbrecher in Bergedorf gesucht.“ Dieses Mal ist es ein echter Einsatz. Der Diensthund soll die Suche unterstützen. Probst drückt einen Knopf und das Einsatzhorn schallt vom Autodach. Sonderfahrt. Von der Innenstadt nach Bergedorf in zehn Minuten – so schnell, dass es nur der Polizei erlaubt ist. Vor Ort durchsuchen sie die Vorgärten der Reihenhaus-Siedlung. Fündig werden sie heute nicht. Probst ist frustriert, ihre Hündin nicht. Am Ende der Suche wirft die Beamtin Keras geliebtes Spielzeug. Die Hündin flippt aus vor Freude, sie kämpft, knurrt, bellt. „Die größte Belohnung ist, wenn ich mit ihr spiele“, erklärt Probst.

<p>Die Hundeführerin zeigt: Hier suchen wir. </p>

Die Hundeführerin zeigt: Hier suchen wir.

Foto: Oster
 

Ihr Renteneintrittsalter erreichen die Diensthunde ab acht bis zehn Jahren. „Oder dann, wenn die Hunde den Spaß an der Arbeit verlieren“, sagt Probst. Die Beamten können sich dann aussuchen, ob sie den Hund behalten oder abgeben wollen. Für die Diensthundeführerin steht aber jetzt schon fest: „Kera bleibt.“

Am Sonntag, 10. September, wird gleich doppelt Geburtstag gefeiert: Der Kreisfeuerwehrverband Pinneberg feiert sein 125-jähriges Bestehen und der Kreisjugendring Pinneberg seinen 70. Geburtstag. Als dritter Veranstalter ist der Pinneberger A. Beig-Verlag dabei. Auf dem Gelände der Feuerwehrtechnischen Zentrale, Alte Bundesstraße 10, wird es in der Zeit von 11 bis 17 Uhr Konzerte auf mehreren Bühnen, viele Imbissstände und jede Menge Spiel- und Spaßaktionen geben. Auch die Hamburger Diensthundestaffel präsentiert sich dort. Um 11.50 Uhr und um 13.30 Uhr beweisen vier Diensthundeführer das Können ihrer Hunde. Alle Infos finden Sie hier.

 

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