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Tatort-Regisseur im Interview : Mehr Hitchcock an der Kieler Förde

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Aus Hollywood an die Kieler Förde: Christian Alvart führt Regie im Kieler Tatort Im Interview spricht der 37-Jährige über mehr Hitchcock im Tatort und Mut beim Sonntagabend-Programm.

shz.de von
erstellt am 05.Nov.2011 | 12:32 Uhr

Herr Alvart, Sie haben bereits mit Hollywood-Größen wie Dennis Quaid gedreht. Fühlt sich der Regie-Job beim Kieler Tatort da nicht wie ein Rückschritt an?
Nein, gar nicht. Der Tatort hat mir Spaß gemacht - ich mache mit großer Freude kleine Filme. Vorher habe ich mich intensiv damit beschäftigt, was der Tatort eigentlich ist - und mir dann sehr Mühe gegeben, die regionalen Gegebenheiten zu nutzen.
Haben Sie einen persönlichen Bezug zu Schleswig-Holstein?
Nein, gar nicht. Ich komme aus Berlin. Aber Axel Milberg (Hauptkommissar Borowski) ist ja von hier und er hat mir beim Regionalen sehr geholfen.
Und wie haben Sie die beeindruckenden Kulissen für Ihren Krimi gefunden?
Wir haben einfach sehr lange gesucht. Für manche Szenen hatte ich ganz bestimmte Settings im Kopf. Gleichzeitig habe ich mir aber auch einfach geguckt, was Kiel zu bieten hat. So habe ich zum Beispiel das Seebad für den Film entdeckt (Anm.: dort nimmt die Kriminalgeschichte ihren Anfang).
Sind Sie zufällig auf solche Settings gestoßen?
Nee, das Seebad war direkt vor unserem Hotel. Am ersten Morgen in Kiel bin ich ganz früh aufgestanden und hab die Sonne darüber aufgehen sehen - da wusste ich: Genau das muss im Film sein. Insgesamt war bei den Drehorten für mich wichtig, eine leichte artifizielle Überhöhung zu erreichen: Das Ganze soll einen visuellen Wert haben und nicht einfach nach einem Dokumentarfilm aussehen. Aber da bietet Schleswig-Holstein viele Kulissen.
Was war für Sie denn der besondere Reiz am Kieler Tatort?
Der Reiz für mich war, dass ich die Erlaubnis bekommen habe, einen richtigen Thriller zu machen. Ich glaube, es ist geglückt, den Tatort in die Hitchcock-Ecke zu rücken. Außerdem geht es nicht darum, ein soziales Thema zu bearbeiten, sondern darum, einfach mal richtig spannend zu werden. Das fand ich toll.
Glauben Sie, dass Sie dem Publikum in einigen Szenen vielleicht zu viel zumuten?
Nein, ich glaube, das Publikum ist manchmal sehr dankbar, wenn man sich was traut. Ich hatte eher Sorgen, dass irgendein Mensch, den ich vorher noch nie gesehen habe und der in irgendeinem Sendergremium sitzt, mir sagt, dass man das so nicht machen kann. Aber der Sender hat sich voll hinter das Thriller-Konzept gestellt.

Tatort-Folge "Borowski und der coole Hund"
Diesen Sonntag (6.11.) brauchen Tatort-Fans Drahtseil-Nerven: Die Kieler Folge "Borowski und der coole Hund2 wartet mit echten Thriller-Effekten auf. Ein Mann wird von Bambus-Stäben aufgespießt, als er in die Förde springt. Borowski und Sarah Brandt stehen vor einem Rätsel. Einzig die Freundin des Toten verhält sich suspekt: Sie macht keinen Hehl aus ihrer Nymphomanie, zeigt indes keine große Trauer. Eine Wende bekommt der Fall, als der schwedische Kommissar Enberg in Kiel auftaucht. Die Spur eines tödlich verlaufenden Tollwut-Falls in Göteborg führt ihn nach Schleswig-Holstein. Beide Fälle scheinen miteinander zusammen zu hängen. Als ein weiterer Mord geschieht, wird klar, dass jemand ein grausames Spiel mit Borowski, Brandt und Enberg spielen möchte, das noch lange nicht zu Ende ist.


Sendetermin: ARD, Sonntag, 6. November 20.15 Uhr. Im Anschluss an die Folge lesen Sie an dieser Stelle unsere Krimi-Kritik.
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