Max Kahlkes später Ruhm: Kunstkenner spricht über den Maler

Max-Kahlke-Kenner: Hans-Peter Widderich.  Foto: Reimers
1 von 2
Max-Kahlke-Kenner: Hans-Peter Widderich. Foto: Reimers

shz.de von
02. Januar 2012, 03:59 Uhr

Glückstadt | Max Kahlke war ein Maler, der seine Spuren hinterlassen hat. Werke von ihm sind in der Stadtkirche zu sehen, aber auch im Schleswiger Dom und in der Flensburger Marienkirche. Über sein Leben sprach Glückstadts Kunstkenner Hans-Peter Widderich vor Mitgliedern der Detlefsen-Gesellschaft und Gästen.

Der Glückstädter Max Kahlke, der am Fleth 25 aufwuchs und dort sein Atelier hatte, war einer der Mitbegründer der Detlefsen-Gesellschaft. Er liebte nicht nur die Kunst, sondern war auch ein geschichtsinteressierter Mann.

Warum er über viele Jahre keine Bedeutung hatte, ist wohl auch mit seinem frühen Tod 1937 zu erklären. 50 Jahre lang gab es keine Ausstellung seiner Bilder, erst 1977 wieder durch den Steinburger Künstlerbund. 1992 wurde seine Kunst erneut im Itzehoer Kreismuseum gewürdigt, zudem erschien ein Katalog.

Max Kahlke wurde 1892 geboren, in dem Haus, indem die "Glückstädter Fortuna" heute ihren Sitz hat. Sein Vater war Korbmacher. Wie sein Bruder Walter, der später Richter am Glückstädter Amtsgericht wurde, besuchte Max Kahlke das Gymnasium seiner Heimatstadt. Bei seinem Direktor Detlef Detlefsen wurde der Grundstein für die Heimatforschung gelegt. Geschichte und Zeichnen - in beidem zeigte er früh Talent. Widderich: "Gemeinsam mit seinem Bruder Walter ging er der Familiengeschichte nach." Daraus wurde später die Gestaltung einer kostbaren Familienchronik. 1920 gaben sie ihr erstes Buch heraus: "Die Wappen der alten Bauerngeschlechter in der holsteinischen Marsch." "Das Buch", so Widderich, "ist heute noch eine gesuchte Rarität."

Die Folge waren Aufträge für Familien, Städte, Kreis- und Landeswappen. 1913 erschien die erste Serie von Postkarten. Nach dem Abitur studierte der junge, begabte Glückstädter Kunst in Stuttgart und Weimar. 1915 wurde er als Soldat eingezogen. Die Schrecken des Ersten Weltkrieges veränderten ihn, was sich in seinen späteren Bildern ausdrückte. "Der Krieg hinterließ bei ihm Fassungslosigkeit." Der geschundene Christus, das Bild "Ecco homo" hängt im Landesmuseum Schloss Gottorf, zeigt die Wandlung von Max Kahlke. Sie zeigt das Verlassensein am Abgrund der Existenz. "Mit diesem Bild tauchte erstmals religiöse Thematik in Kahlkes Oeuvre auf. Sie wurde sein wichtigstes Werkteil." Sein Aufruf lautete: Nie wieder Krieg.

Kahlke gehörte zur so genannten zweiten Generation der Expressionisten. In zeitlich folgenden Arbeiten steht das Thema Maria mit Kind im Vordergrund. Er beschäftigt sich mit dem Thema Geburt. In dieser Zeit wurde seine Nichte geboren, die Mutter des späteren Glückstädter Bürgermeisters Christian Lauenroth.

Zudem verliebte sich Max Kahlke in die junge Lehrerin Käthe Saul, die er heiraten wollte. Die Ereignisse beeinflussten seine Werke. Doch wurde seine Kunst zu Lebzeiten nicht so gekauft, dass er davon hätte leben können. Seinen Lebensunterhalt verdiente er unter anderem damit, dass er Buchumschläge gestaltete. So auch für das Heimatbuch des Kreises Steinburg. "Ich habe im Internet 20 Entwürfe gefunden", erklärte Hans-Peter Widderich. Kahlke gestaltete Buchumschläge, die bei der Glückstädter Druckerei J.J. Augustin gedruckt wurden. Er arbeite auch für so namhafte Firmen wie Peter Kölln in Elmshorn und die Papierfabrik Peter Temming, heute Steinbeis. Zudem entwarf er Broschen, Mokkalöffel und eine Truhe. Womit er sein Publikum erreichte, war ein großes Wandgemälde für die Stadtwerke.

1928 starb der junge Max Kahlke an Krebs.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen