Leitstelle: Lübeck beschwert sich, weil Kreise nicht zahlen

23-42897642.jpg

Kritik aus der Hansestadt wird in den Kreisen Stormarn und Lauenburg als "Unverschämtheit" gesehen

Avatar_shz von
10. Dezember 2011, 09:28 Uhr

Lübeck/Bad Oldesloe | Die Technik in der Lübecker Rettungsleitstelle ist veraltet: älter als 16 Jahre. 1,6 Millionen soll die Modernisierung kosten. Der Versuch der Lübecker, dafür die Umlandkreise ins Boot holen zu können, ist spätestens mit der Entscheidung Ostholsteins gescheitert, sich an der Stormarn-Lauenburger Regionalleitstelle in Bad Oldesloe zu beteiligen.

Von "Kleinstaaterei" spricht der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Ingo Hoffmann, und Innensenator Bernd Möller (Die Grünen) ist von der Absage aus Stormarn für das vom Land favorisierte Modell enttäuscht. Mit einem letzten Einigungsversuch war auch Innenminister Klaus Schlie gescheitert.

Was Schlie, CDU-Kreisvorsitzender im Herzogtum Lauenburg bedauert, sieht der CDU-Fraktionsvorsitzende im Ratzeburger Kreistag und Bundestagsabgeordnete Norbert Brackmann ganz anders. Er macht eher eine "maßlose Selbstüberschätzung der bornierten Lübecker" für das Scheitern verantwortlich: "Stormarn und das Herzogtum Lauenburg haben Vorschläge gemacht, Lübeck hat nur Bedingungen gestellt. Kooperationen sollten aber vom gegenseitigen Vertrauen getragen sein und müssen zum Nutzen aller sein. Deshalb hat sich ja auch Ostholstein anders entscheiden."

So sieht es auch Stormarns Landrat Klaus Plöger: "Wir sollten nur Geld beisteuern und uns in die Lübecker Hand begeben, obwohl wir eine moderne und gut funktionierende Leitstelle besitzen." Die Kritik aus der Hansestadt empfindet er als "Unverschämtheit": "Man kann uns nicht unter Druck setzen und kein Angebot machen."

Für Lübeck ist der Gegenwind aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg jetzt noch schärfer geworden. Der Kreistag hat beschlossen, der Aufnahme der Hansestadt in die Metropolregion nicht zuzustimmen. Hintergund ist ein seit langem währender Streit um die Finanzierung von Buslinien.

Vor drei Jahren hatte Lübeck die Ratzeburger aufgefordert, sich an der Linie nach Groß Grönau zu beteiligen. Was der Kreistag auch beschlossen hat. Für die Linie von Berkenthin in die Lübecker Innenstadt wollten die Lauenburger aber natürlich ebenfalls Geld von Lübeck haben. Schließlich gilt im ÖPNV das Territorialprinzip: Jeder zahlt für die Busse aus seinem Gebiet.

In Lübeck stießen die Ratzebuger aber auf Granit. Man sei dazu nicht bereit, und außerdem habe man kein Geld. Als, so Norbert Brackmann, die Lübecker auch noch gedroht hätten, die Groß Grönau Linie einzustellen, wenn Ratzeburg nicht zahlt, reichte es dem Kreistag.

Auf Antrag von Norbert Brackmann, der zuvor noch mal mit Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe gesprochen hatte, wurde der Beschluss etwas entschärft: Den Lübeckern wurde eine Nachfrist eingeräumt. Wenn die Hansestadt sich bis Jahresende entschließt, ebenfalls für den Bus zu zahlen, kann das Herzogtum Lauenburg der Aufnahme Lübecks in die Metropolregion noch zustimmen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen