Kommentar : Landarzt am Tropf

Vergleichsweise geringer Verdienst und fehlende Lobby machen den Beruf des Hausarztes immer unattraktiver. Für kaum eine Praxis im Land findet sich ein Nachfolger. Ein Kommentar von Anja Werner.

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20. April 2013, 11:50 Uhr

Beim Fernsehpublikum hat sie viele Fans. Doch den meisten Hausärzten war die Dauer-Serie "Der Landarzt" schon lange ein Dorn im Auge. Denn die zuletzt mit Wayne Carpendale in der Titelrolle dargestellte Bilderbuchwelt, in der der Landarzt teils sogar auf dem Pferd durch blühende Rapsfelder mit seiner ledernen Behandlungstasche zu seinen Patienten eilt, hat nichts mit dem anstrengenden Alltag der selbstständigen Mediziner auf dem Land zu tun. Für Hausbesuche fehlt denen meistens die Zeit. Trotz einer drastischen Zunahme von medizinischer und bürokratischer Arbeit bleibt den realen Landärzten unterm Strich im Vergleich zu Kollegen anderer Fachrichtungen relativ wenig Einkommen zum Leben. Und das nach einer Ausbildung von 15 Jahren. An den Universitäten mangelt es ihnen an Lehrstühlen, attraktiven Forschungsprojekten und einer Lobby.

Diese Struktur ist ungesund, für den Beruf des Hausarztes sogar lebensbedrohlich. Bis zu 900 von ihnen werden in den kommenden fünf Jahren in Schleswig-Holstein in den Ruhestand gehen. Selbst die, die ihre Praxen herausputzen wie eine Braut zur Hochzeit finden nur in Ausnahmefällen einen Nachfolger. Maximal 40 Mediziner wollen in den kommenden fünf Jahren wagen, sich als Hausarzt niederzulassen. Dieser Schieflage und dem Aussterben der Landärzte dürfen Politiker, Hochschulen, Kommunen und Kassen keinen Tag länger mehr tatenlos zusehen. Nicht nur ein Berufsstand, die Lebensqualität auf dem Land steht auf dem Spiel. Die Niederlassung jedes neuen Arztes auf dem Land sollte so gut unterstützt werden, dass sie andere Mediziner zum Nachahmen motiviert.

Vergessen werden sollte auch nicht, dass die fortschreitende Überalterung der Landbevölkerung nicht nur Probleme, sondern auch einen Gesundheitsmarkt mit erheblichen Wertschöpfungs-Chancen mit sich bringt, die es zu nutzen gilt.

Die Serie "Der Landarzt" hat unbewusst einen Beitrag dazu geleistet, einem breiten Publikum vorzugaukeln, dass die Welt für Ärzte auf dem Land noch in Ordnung ist - ein Trugschluss.

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