Lägerdorf bei Itzehoe : Kreidegruben als Speicher für Windenergie

 Mit Hilfe der Kreidegruben in Lägerdorf (Kreis Steinburg) soll versucht werden, die Stromversorgung aus Wind- und Sonnenenergie in Schleswig-Holstein zu verbessern. Foto: dpa
Mit Hilfe der Kreidegruben in Lägerdorf (Kreis Steinburg) soll versucht werden, die Stromversorgung aus Wind- und Sonnenenergie in Schleswig-Holstein zu verbessern. Foto: dpa

Wenn der Wind in Schleswig-Holstein pustet, gibt es zu viel Strom, wenn Flaute herrscht, zu wenig. Zwei Kreidegruben in Lägerdorf sollen künftig aus Wind gewonnenen Strom speichern.

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21. Mai 2011, 09:44 Uhr

Zwei alte Kreidegruben sollen helfen, die Stromversorgung aus Wind- und Sonnenenergie in Schleswig-Holstein zu verbessern. Das Energieunternehmen Eon und der Baustoffkonzern Holcim unterzeichneten am Freitag eine Partnerschaft, um die Möglichkeit zum Bau eines Pumpspeicher-Kraftwerks in Lägerdorf (Kreis Steinburg) zu prüfen.
Zwischen den etwa drei Kilometer auseinanderliegenden Gruben "Saturn" und "Schinkel", aus denen Bagger in Jahrzehnten viele Millionen Tonnen Kreide herausgeholt haben, soll ein Stollen gebohrt werden. Der nutzbare Höhenunterschied beträgt 60 bis 80 Meter.
"Intelligente Warteschleife" für den Strom
Überschüssige Windenergie könnte dazu genutzt werden, Wasser in die obere Grube zu pumpen, das bei Bedarf auf dem Weg zurück eine Turbine antreibt und Strom erzeugt. Ein ähnliches Pumpspeicher-Kraftwerk arbeitet in unmittelbarer Nähe des Atomkraftwerks Krümmel in Geesthacht an der Elbe.
Geringe Netzkapazitäten und schwankende Stromproduktion sind die größten Probleme beim Plan, Atom- und Kohlekraftwerke, die rund um die Uhr gleichmäßig arbeiten, durch Wind- und Sonnenenergie zu ersetzen. "Strom kann man nicht auf Halde produzieren", sagte der Netzvorstand von Eon Hanse, Matthias Boxberger. Mit dem Projekt würde aber eine Möglichkeit geschaffen, "Strom in eine intelligente Warteschleife zu schicken".
Platz für 17 Millionen Kubikmeter Wasser zwischen den Gruben
Der Vorstandschef von Holcim Deutschland, Leo Mittelholzer, sprach deswegen auch von einer einmaligen Chance. "Wir brauchen intelligente Ideen, wie wir die Schwankungen der Windenergie auffangen können." Für den schleswig-holsteinischen Wirtschaftsminister Jost de Jager (CDU) passt das Projekt sehr gut ins Land. "Wir haben eine 20-jährige Tradition beim Aufbau der alternativen Energien." In den kommenden Jahren werde die Leistungsfähigkeit der Windenergie im nördlichsten Bundesland von heute 3000 Megawatt (MW) an Land auf bis zu 9000 MW steigen. Dazu sollen noch Anlagen mit 3000 MW auf See kommen, kündigte de Jager an. Mit konkreten Zahlen hielten sich die Beteiligten noch zurück. Zunächst müsse die Machbarkeitsstudie abgewartet werden, die in etwa einem Jahr vorliegen soll. Klar ist aber, dass etwa 17 Millionen Kubikmeter Wasser zwischen den beiden Gruben bewegt werden können.
So viel Wasser fließt durchschnittlich in knapp sieben Stunden die Elbe östlich von Hamburg hinunter. Damit ließe sich ein Würfel von knapp 260 Meter Kantenlänge füllen.
Jost de Jager: "Wir müssen in Bausteinen denken"
Die Gegebenheiten in Lägerdorf mit relativ geringer Fallhöhe und großer Wassermenge passen gut zum Profil der Windenergie. So soll es etwa zwei Tage dauern, bis das obere Speicherbecken bei Windenergieüberschuss vollgepumpt ist. Bei Flaute kann das Kraftwerk dann zwei Tage lang Strom erzeugen, insgesamt bei einem Durchlauf etwa 1700 Megawattstunden (MWh). Das reicht, um in dieser Zeit mehrere zehntausend Haushalte zu versorgen.
De Jager stellte klar, dass dieses Projekt angesichts der geografischen Gegebenheiten in Schleswig-Holstein nicht der Auftakt zum Bau vieler ähnlicher Kraftwerke sein kann. "Wir müssen in Bausteinen denken", sagte der Minister. Der Netzausbau bleibe entscheidend für den Erfolg der Windenergie.
Auch wenn das Ergebnis der Machbarkeitsstudie nicht vorhersehbar sei und bei positivem Ausgang ein umfassendes Planfeststellungsverfahren folgen muss, sagte Boxberger: "Wir würden nicht hier sitzen, wenn wir nicht große Chancen sehen würden, das Projekt umzusetzen." Über mögliche Kosten sprachen die Kooperationspartner Holcim und Eon am Freitag nicht, zumindest nicht öffentlich.
(dpa, shz)

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