Was wird aus dem Mfg5-Gelände : Konzeptskizze für Kiels Sahnestück

Wirtschaftsförderung und Stadtplanungsamt arbeiten an Nachnutzung des Marineflieger-Geländes in Holtenau / Fuß- und Radweg freigegeben

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26. Januar 2015, 11:00 Uhr

Kiel | 100 Jahre waren die Stadtteile Friedrichsort und Holtenau durch den Stützpunkt des früheren Marinefliegergeschwaders (MFG) 5 getrennt. Seit Ende August sind sie mit der Freigabe eines 1,6 Kilometer langen Fuß- und Radwegs zwischen der Wache Schusterkrug und den Fördeterrassen wieder miteinander verbunden. Bürger und Interessierte haben seitdem Gelegenheit, nicht nur den Blick auf die Förde aus bisher unbekannter Perspektive zu genießen, sondern sich auch ein Bild von dem attraktiven Areal zu machen, das die Landeshauptstadt in den nächsten Jahren zu einem neuen Quartier für Arbeit, Wohnen und Freizeit entwickeln wird.

Wo einst die Marineflieger abhoben und landeten, wird ein neuer Stadtteil entstehen.  
Foto: Meise
Wo einst die Marineflieger abhoben und landeten, wird ein neuer Stadtteil entstehen. Foto: Meise

Die Überlegungen, was mit dem 75 Hektar großen Gelände geschehen soll, laufen seit der Ankündigung der Marineflieger, sich aus Kiel zu verabschieden. Die Bürger wurden in einer zweitägigen Perspektivenwerkstatt im September mit ins Boot geholt, ihre Ideen sind in die Konzeptidee eingeflossen, für die die Ratsversammlung in einer ersten Beratung grünes Licht gegeben hat. „Wir gehen vom Erhalt des Flughafens aus. Deshalb ist der obere Bereich hinter der Startbahn für Gewerbe vorgesehen, etwa 17 Hektar“, erläutert Florian Gosmann, Leiter des Stadtplanungsamtes. Daran angrenzend sind auf zehn Hektar Flächen für Kleingewerbe und Büros eingeplant, an die sich dann im Süden zu den Fördeterrassen hin 6,3 Hektar für neuen Wohnraum anschließen. Mehr als 1000 Wohneinheiten seien vorgesehen, sagt Gosmann weiter. Direkt am Wasser sind außerdem 2,2 Hektar für Dienstleistungen aus dem Bereich Gesundheit und Kultur angedacht.

Das Gelände besticht durch seine Lage direkt an der Förde.   Foto: Meise
Das Gelände besticht durch seine Lage direkt an der Förde. Foto: Meise

Über die B 76, den Nord-Ostsee-Kanal, ein Bahngleis und den Flughafen sei das Gebiet sehr gut angebunden, betont Werner Kässens, Geschäftsführer der Kieler Wirtschaftsförderungs- und Strukturentwicklungsgesellschaft, kurz KiWi. Unter gut 155 Hektar an Potenzialflächen für Gewerbe in Kiel sticht der ehemalige Bundeswehrstützpunkt deutlich hervor. „Mit der Anbindung ans Wasser sind das hier ganz neue Lagequalitäten“, fügt Daniel Kreutz, Projektleiter MFG5 bei der KiWi, hinzu. Neben flexibel planbaren Flächen trumpft das Gelände auch mit noch nutzbaren Bestandsimmobilien. „Das Interesse wird groß sein“, ist Kreutz überzeugt. Das zeichnet sich schon jetzt in der Aufmerksamkeit ab, die dem Sahnestück im Portfolio der KiWi auf der Fachmesse für Immobilien in München, der Expo Real, geschenkt wird. „Die Attraktivität dieser Fläche haben Unternehmer verstanden“, weiß Kässens, der Projektentwickler und Investoren mit einem Newsletter über die Entwicklungen auf dem Laufenden hält und für die bevorstehende Vermarktung die Wirtschaftförderungsgesellschaften des Umlands mit ins Boot holen will.

Gewerbeflächen in der Landeshauptstadt (fahren Sie mit der Maus über die Karte):

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Karte: Google Maps

Bis zum ersten Spatenstich wird jedoch noch mancher Sturm über die Förde fegen. Kässens rechnet mit drei bis fünf Jahren. Nach Beschluss der Ratsversammlung zu vorbereitenden Untersuchungen erfolgt der städtebauliche Wettbewerb, der etwa ein Jahr in Anspruch nehmen werde, skizziert Gosmann. Ist er abgeschlossen, kann mit den Bebauungsplänen die rechtliche Grundlage geschaffen werden um loszulegen. Noch zu regeln ist außerdem der Kauf des Areals, das nach dem Abzug der Marineflieger an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) gegangen ist – die Stadt Kiel ist derzeit Nutzer, noch nicht Eigentümer. „Die Verhandlungen sollen jetzt aufgenommen werden“, kündigt Kässens an. „Wir hoffen, einen symbolischen Preis vereinbaren zu können“, sagt Gosmann. Denn es werde Millionen kosten, das geplante Projekt zu realisieren. Weil es nicht nur Ausstrahlung auf die Stadt, sondern auf die gesamte Region haben werde, setze man auf die Förderung verschiedener Ministerien, erklärt Kässens. Unterstützung bei der Schaffung der notwendigen Infrastruktur und der Straßen in dem neuen Wohn- und Gewerbegebiet, das über den Schusterkrug erschlossen wird, könnte so auch die Landesgartenschau 2020 leisten, um deren Ausrichtung sich die Landeshauptstadt beworben hat.

Einmalig: 270-Grad-Fördeblick

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Drei Kasernengebäude auf dem ehemaligen Stützpunkt werden derzeit zu Flüchtlingsunterkünften umgebaut. Die Gebäude stehen seit dem Abzug der Streitkräfte leer, seien aber in recht gutem Zustand, teilt Manfred Wagner, Leiter des Amtes für Wohnen und Grundsicherung der Stadt Kiel, mit. Die Strom- und Wasserversorgung sei gekappt, lasse sich aber wieder herstellen, im Sanitär- und Küchenbereich müsse einiges verändert werden. Bisher sei es gelungen, Wohnungen für die Flüchtlinge zu akquirieren, doch es werde langsam eng auf dem Markt – im Oktober und November wurden der Stadt je 100 Personen zugewiesen. So viele werden in jeder der drei Kasernen einen Platz finden. Die Stockwerke mit größeren Zimmern sind für Familien gedacht, die mit kleineren für einzelne Personen, die sich zu zweit ein Zimmer teilen werden müssen. Die Kosten für den Umbau aller drei Häuser schätzt er auf 1,5 Millionen Euro. „Wir gehen davon aus, dass wir 70 Prozent vom Land erhalten“, so Wagner weiter.

Hier finden Sie das Thema in anderer Form:

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Die Historie:

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