Wolfgang Kubicki : KOMMENTAR: Wunsch und Wirklichkeit

Wolfgang Kubicki träumt von einem Ministerposten. Ob sein Wunsch Wirklichkeit wird, bleibt abzuwarten, sagt sh:z-Redaktionsmitglied Peter Höver.

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11. März 2012, 09:18 Uhr

Kiel | Wolfgang Kubicki ist fraglos das, was man einen Medienprofi nennt. Der Mann weiß nur zu genau, wie er sich und seine mal wieder in ihrer Existenz bedrohten Liberalen im Gespräch halten kann. Jedenfalls nicht mit der Botschaft eines 95 Seiten langen Wahlprogramms, dass der Landesparteitag der FDP gestern in Kiel beschlossen hat.
Deshalb hat er die Delegierten und die Öffentlichkeit mit der Ankündigung überrascht, in einer künftigen Landesregierung als Finanzminister zur Verfügung zu stehen. "Wenn die Wähler das wollen", hat Kubicki in einem Anflug von Bescheidenheit noch hinzugefügt. Ja, wenn sie es denn wollen. Danach sieht es derzeit allerdings überhaupt nicht aus. Seit Monaten dümpelt die Nord-FDP hartnäckig unter dem Fünf-Prozent-Pegel vor sich hin. Kubicki und Co. können den negativen Bundestrend bisher nicht abschütteln.
Dabei war die politische Performance der Küsten-Liberalen im Bündnis mit der Carstensen-CDU so schlecht nun wirklich nicht. Ganz obenan steht, dass es Kubicki und seine Freien Demokraten waren, die den Kurs der Haushaltskonsolidierung maßgeblich und zum Teil gegen Widerstände beim Koalitionspartner durchgesetzt haben. Diese Kehrtwende in der Finanzpolitik - sie war angesichts der dramatischen Verschuldung des Landes überfällig. Wer auch immer nach der Wahl am 6. Mai regiert, wird an einer Fortsetzung des Sparkurses nicht vorbeikommen.
Nun sind Umfragen keine Wahlergebnisse. Gut möglich, dass die FDP den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde schafft. Welches Regierungsbündnis jenseits einer großen Koalition danach möglich sein wird, ist derzeit schwer absehbar. Ob also Kubickis Wunsch Wirklichkeit wird, bleibt abzuwarten. Dass Kubicki den Job könnte, steht außer Frage. Einstweilen hat er sich und seine Partei nur ins Gespräch gebracht.

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