Kommentar: Wenn nicht jetzt, wann dann?

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09. März 2011, 08:47 Uhr

Hätte Ralf Stegner einen Funken von politischer Verantwortung für seine Partei, er würde von sich aus den Hut als Landesvorsitzender nehmen. Doch mögen die Niederlagen, die den Weg seiner Amtszeit pflastern, auch noch so monströs gewesen sein - der Mann klammert sich an die Macht. Dass ihm der per Mitgliedervotum mit fulminanter Autorität ausgestattete Spitzenkandidat Torsten Albig dabei behilflich ist, gehört zu den größten Rätseln der Landespolitik dieser Tage.
Erinnern wir uns: Auf eine historisch schlechte Kommunalwahl unter Führung Stegners folgte das von ihm und niemand anderem provozierte Ende der großen Koalition. Die Quittung dafür war nicht nur ein historisch schlechtes Ergebnis bei der vorgezogenen Landtagswahl im September 2009, sondern auch der Verweis in die Opposition. Solche Desaster sind im Normalfall Grund für persönliche Konsequenzen. Doch im Vokabular des eiskalten Machttechnokraten Stegner zählt das politische Ego allemal mehr als Einstehen für eigenes Versagen. Das spürt die Partei, das spüren die Menschen, die eine Stegner-SPD nicht gewählt haben und für die eine Stegner-SPD nur begrenzt wählbar sein wird.
Kein Zweifel: Der zwischen Albig und Stegner geschlossene Burgfrieden hat die Nord-SPD in helle Aufruhr versetzt. Stegner wird diese Debatte solange nicht zusetzen, wie ein Konkurrent für den Parteivorsitz in Deckung bleibt. Albigs im Votum gewonnene Autorität dagegen wird erodieren je länger der Streit um die künftige Parteiführung anhält. Beschädigt ist der Spitzenkandidat schon jetzt. Albig scheint das zu spüren, wenn er gebetsmühlenartig die Allerweltsweisheit wiederholt, die Entscheidung über den Parteivorsitz treffe der Parteitag. Wer denn sonst?
Vielleicht fasst sich die Basis der Nord-SPD ja ein Herz und sorgt selbst dafür, dass Stegner nicht Parteichef bleibt. Vier Wochen Zeit sind noch bis zum Landesparteitag. Zeit, die Weichen auch personell neu zu stellen.

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