Damp-Tarifkonflikt : Kommentar: Frühkapitalistische Brutalität

Helios verschärft den Damp-Tarifkonflikt: 1000 Service-Mitarbeiter verlieren ihren Job.

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23. Juni 2012, 12:17 Uhr

Der Helios-Konzern muss von allen guten Geistern verlassen sein. Vor dem umstrittenen Aufstieg zum größten Träger von Privatkliniken gibt das Unternehmen Anschauungsunterricht in frühkapitalistischer Brutalität. Die vom Helios-Eigentümer Fresenius angestrebte Fusion der Helios- mit den Rhön-Kliniken nannte Ärztepräsident Montgomery schon vor der ZSG-Kündigung "hochgefährlich". Die Kassenärztliche Bundesvereinigung fürchtete, "kapitalgesteuerte Interessen" gefährdeten die Gesundheitsversorgung. Diese Befürchtung wurde für Streik geschädigte Helios-Patienten bittere Wirklichkeit, von den 1000 ZSG-Mitarbeitern ganz zu schweigen. Zwar sind auch die Methoden der Gewerkschaft Verdi nicht gerade von mitteleuropäischer Höflichkeit geprägt. Verdi und deren zum Teil ultralinke Funktionäre reizen das Streikrecht manchmal klassenkämpferisch aus. Aber das Vorgehen von Helios sprengt den Rahmen normaler Tarifauseinandersetzungen.
Dafür gibt es eine Erklärung, die nichts mit dem Lohnkonflikt zu tun hat: Um die Übernahme der Rhön-Kliniken zu finanzieren, braucht Helios-Eigentümer Fresenius 3,1 Milliarden Euro. Ein Konzern, dessen Renditen ohnehin als gutes Anlagegeschäft gelten, muss noch mehr Kasse machen. Dem Bundeskartellamt, das sich den Klinikkauf "sehr genau anschauen" will, gibt die ZSG-Kündigung einen Vorgeschmack darauf, mit welchen Methoden ein Großkonzern seine Marktmacht ausnutzen könnte.
Helios liefert all jenen Kritikern Argumente, die private Kliniken und Versorgungszentren für unvereinbar mit dem Patientenwohl halten. Zwar ist das Gesundheitswesen durch und durch kommerzialisiert. Als "Wasserballett im Haifischbecken" bezeichnete einst Norbert Blüm den Verteilungskampf der Akteure. Aber im Unterschied zu kommunalen oder kirchlichen Kliniken steht bei Privatbetrieben der Ertrag an erster Stelle. Das Unternehmensziel ist Gewinn und nicht Gesundheit. Für Klinik-Beschäftigte birgt das ebenso große Risiken wie für Patienten.

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