Klug greift Kirche an : KOMMENTAR: Es geht nicht nur ums Geld

Alle müssen Sparopfer bringen. Doch ebenso notwendig ist es, gerade auch bei den Kirchen deren Leistungen für das Gemeinwohl im Blick zu behalten, sagt sh:z-Chefredakteur Stephan Richter.

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08. Oktober 2011, 09:26 Uhr

Die öffentlichen Kassen sind leer, und die Nerven liegen blank. So reitet der Kieler FDP-Kultusminister Ekkehard Klug jetzt eine Attacke gegen die Nordelbische Kirche, die ganz nach dem Geschmack des Publikums ist. Ja, ja, die Kirchen stopfen sich die Taschen voll.
Richtig ist, dass alle Sparopfer bringen müssen. Doch ebenso notwendig ist es, gerade auch bei den Kirchen deren Leistungen für das Gemeinwohl im Blick zu behalten. So viel ist sicher: Müsste der Staat die Aufgaben im sozialen Bereich - von den Kindergärten bis zur Betreuung von alten Menschen oder Behinderten - übernehmen, hätte der Steuerzahler ungleich mehr Geld zu zahlen. Denn die Arbeit der vielen ehrenamtlichen kirchlichen Helfer wird oft übersehen.
Etwas anderes kommt in der Sozialpolitik generell hinzu: Der Staat beschließt immer wieder neue Aufgaben, die dann bequem auf andere abgewälzt werden. Die Kommunen stöhnen unter der Last Berliner Entscheidungen; die Kirchen versuchen aufzufangen, was in der Gesellschaft schiefläuft. Hier Kinder aus Hartz-IV-Familien, die eine Perspektive brauchen. Dort wachsende Altersarmut.
Es wird höchste Zeit, dass die Politik erklärt, wohin die sozialpolitische Reise in Sparzeiten geht. Denn natürlich bleibt eine Reduzierung der vertraglich festgelegten Zuwendungen des Landes an die Nordelbische Kirche nicht ohne Folgen. Dabei geht es nicht nur um bestimmte soziale Leistungen. Man nehme die Denkmalpflege. Die alten Kirchen sind ein einmaliger Schatz des Landes. Ihn zu erhalten, ist nicht zum Nulltarif möglich. Kaum auszudenken, wie diese Kleinode, die Schleswig-Holsteins Städte und Dörfer prägen, aussähen, würde sich die Kirche nicht weit über die Staatsleistungen hinaus engagieren.

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