Bahnstreiks : KOMMENTAR: Die Streikgrenze ist erreicht

Mit ihren andauernden Streiks nimmt die Lokführergewerkschaft GDL die ganze Insel Sylt in den Würgegriff und fügt dem Tourismus mitten in der Hochsaison schweren Schaden zu, glaubt sh:z-Chefredakteur Stephan Richter.

Avatar_shz von
17. Juli 2011, 10:03 Uhr

Die bundesweiten Bahnstreiks vom Frühjahr des Jahres sind vielen noch in Erinnerung. Mancher Reisende, der vergeblich auf den Zug wartete, zeigte sogar Verständnis für das Anliegen der Lokführer. Doch die seit Monaten andauernden Tarifauseinandersetzungen nehmen an der schleswig-holsteinischen Westküste Formen an, die nur noch schwer erträglich sind. Indem die Lokführergewerkschaft GDL im Kampf um einheitliche Tarifverträge bei den Regionalbahnen die Züge der Nord-Ostsee-Bahn (NOB) blockiert, macht sie nicht nur die Bahnreisenden zu Geiseln. Sie nimmt die ganze Insel Sylt in den Würgegriff und fügt dem Tourismus mitten in der Hochsaison schweren Schaden zu.

Von einer Verhältnismäßigkeit der Mittel kann keine Rede sein. Vielmehr nutzt die GDL bewusst die Insellage, um Druck auf die NOB auszuüben. Das Unternehmen stemmt sich ebenso wie die Betreiber der ebenfalls bestreikten Metronom-Züge in Niedersachsen und Hamburg gegen einheitliche Tarifstandards ("Gleicher Lohn für gleiche Arbeit"). Leidtragende sind Pendler und Touristen, die ohne die Bahnfahrt über den Hindenburgdamm aufgeschmissen sind.

Es gehört zur politischen Korrektheit, dass sich die Regierungen und Parteien nicht in Tarifauseinandersetzungen einmischen. Doch mit Blick auf Sylt werden Streikgrenzen erreicht. Wenn sich die Tarifparteien nicht schleunigst an den Tisch setzen und auf dem Verhandlungswege nach einem Kompromiss suchen, muss die Politik ihre Zurückhaltung aufgeben. Bei den betroffenen Bahnreisenden ist der Vorrat an Verständnis für die Tarifparteien jedenfalls aufgebraucht.
(shz)

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen