Umfrage : KOMMENTAR: Der Wechsel wird greifbar

Die Kieler Koalition findet wenig Sympathie, wie eine aktuelle Umfrage belegt. Doch abgerechnet wird auch diesmal erst zum Schluss, sagt sh:z-Chefredakteur Stephan Richter.

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30. September 2011, 12:12 Uhr

Natürlich ist das Ergebnis der NDR-Umfrage sieben Monate vor der Landtagswahl nur eine Momentaufnahme. Wie schnell sich das Blatt wenden kann, erlebte einst der CDU-Spitzenkandidat Volker Rühe. Er sah vor dem Urnengang im Februar 2000 wie der sichere Sieger aus. Dann platzte die CDU-Spendenaffäre in den Wahlkampf, und die damalige Ministerpräsidentin Heide Simonis gewann erneut.
Abgerechnet wird auch diesmal erst zum Schluss, sprich am 6. Mai nächsten Jahres. Dennoch bestätigen die Demoskopen die wachsende Wechselstimmung im Land. Schwarz-Gelb an der Waterkant wird von immer mehr Wählern auch aus dem bürgerlichen Lager nicht mehr als Zukunftsbündnis betrachtet. Dabei geht es nicht nur um den dramatischen Ansehensverlust der FDP auf Bundesebene. CDU und Liberale starteten 2009 als "Koalition des Aufbruchs". Diesem Anspruch sind sie in den Augen vieler Menschen offenkundig nicht gerecht geworden. Nur so ist zu erklären, dass sich nur noch ganze sieben (!) Prozent eine Wiederauflage der aktuellen Koalition wünschen.
Wie der neue Hoffnungsträger der CDU, Jost de Jager, diesen Trend drehen will, ist schleierhaft. Zumal die FDP froh sein muss, wenn sie überhaupt noch die Fünf-Prozent-Hürde schafft. Überdies fehlt de Jager der Amtsbonus, während SPD-Spitzenkandidat Torsten Albig weiter an Ansehen gewinnt. Dies ist umso erstaunlicher, als sich der Kieler Oberbürgermeister derzeit noch auffällig zurückhält. Dass er bei einer Direktwahl der Spitzenkandidaten aktuell besser abschneiden würde als vor fünf Monaten, ist das überraschendste Ergebnis der neuen Umfrage. Als er nach seiner Nominierung an SPD-Landeschef Ralf Stegner festhielt, bescheinigten ihm viele in der eigenen Partei den Untergang. Das Gegenteil scheint der Fall.

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