Steigende Zahlen : KOMMENTAR: Das Symptom ADHS

Immer mehr Kinder in Schleswig-Holstein bekommen die Diagnose "Aufmerksamkeits-Defizit- oder Hyperaktivitäts-Syndrom" (ADHS). Es wird Zeit, umzudenken, sagt sh:z-Redaktionsmitglied Kathrin Emse.

shz.de von
03. Februar 2013, 01:27 Uhr

Der Zappelphilipp greift um sich - fast 20.000 Kinder und Jugendliche in Schleswig-Holstein hat er fest in seinem Griff. Das sind rund 38 Prozent mehr als vor fünf Jahren. Was ist da los? Holt eine fiese Hydra um sich unsere Kinder und raubt ihnen die Ruhe und Teile des Verstandes? Wohl kaum.
Vielmehr scheint es sich bei ADHS schlicht um eine neue Modebewegung zu handeln - so zynisch das klingt. Aber die Experten sind sich sicher: Es gibt heute nicht wirklich mehr Betroffene als etwa vor 20 Jahren, als die Krankheit noch praktisch unbekannt war. Auffallend ist, dass die Krankheit sich vor allem Kinder holt, die von der Grund- auf eine weiterführende Schule wechseln sollen. Und Kinder, deren Eltern nicht viel Geld haben oder die noch besonders jung sind. Diese Symptome legen den Verdacht nahe, dass ADHS selbst keine Krankheit, sondern vielmehr ein Symptom ist. Ein Anzeichen dafür, dass Kinder überfordert sind, dass Eltern mit ihnen nicht klar kommen, dass die Gesellschaft nicht genug Raum für Träumer und Unruhegeister lässt. Stattdessen "schießt" sie ihre Kinder mit Medikamenten "ab", stellt sie ruhig und macht sie gefügig. "Schuldoping statt Krankheitsbehandlung", fürchtet ein Experte.
Statt aber das Symptom ADHS zu behandeln, diagnostizieren wir bei unseren Kindern die Krankheit in immer höheren Zahlen und geben immer mehr Medikamente. Es wird Zeit, umzudenken.

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