Knecht Ruprecht mit Frack, Melone und roter Fliege

Erzählkünstler Gerhard Bosche nahm das Publikum mit auf Ausflüge in die Welt der Märchen. Foto: rüh
Erzählkünstler Gerhard Bosche nahm das Publikum mit auf Ausflüge in die Welt der Märchen. Foto: rüh

Mit einem musikalischen Erzählabend endete in der "Casa Cultura" die fünfjährige Ära Günther Zastrows

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17. Dezember 2011, 07:11 Uhr

Schleswig | "Worte nah am Cello" waren in der Casa Cultura auf der Freiheit zu hören: Ein Erzählkünstler und zwei Cellisten bescherten den rund 100 Zuhörern einen vielfältigen Abend - mal andächtig, mal besinnlich und lustig. Es war die letzte Veranstaltung, die Günther Zastrow als Geschäftsführer des Vereins auf die Beine gestellt hat. Nach fünf Jahren zieht sich der Schleswiger zum Jahreswechsel von dieser Aufgabe zurück.

"Kikeriki, die Goldmarie ist wieder hie!" Der Satz stammt aus dem Märchen "Frau Holle" der Gebrüder Grimm. Die Geschichte über gute und falsche Absichten, Fleiß und Habgier kam zu Beginn eines lockeren Abends, bei dem sich Musik und Geschichten-Erzählerei stets abwechselten. Gerhard Bosche, Erzählkünstler aus Oldenburg in Holstein, nahm das Publikum mit auf mehrere Ausflüge in die Welt der Sagen und Märchen. Ausstaffiert mit schwarzem Frack, ebensolcher Melone und roter Fliege, ließ er Knecht Ruprecht wieder aufleben, gab Oscar Wildes Geschichte vom selbstsüchtigen Riesen, zitierte Rainer Maria Rilkes "Es treibt der Wind" und schließlich, zu guter Letzt, die österreichische Sage "Die wilde Jagd".

Einzigartig ist die Mimik und Gestik dieses Mannes - beides nicht zu stark und zu häufig eingesetzt, sondern eher sparsam und pointiert. Doch wenn die Augen groß werden, die Stirn sich in viele Falten furcht und Arme und Hände beschwörend erhoben sind - dann merkt jedermann im Publikum auf, ob alt oder jung, ob Mann oder Frau. Die Zuhörer saßen, bei einem Glas Wein und Kerzenlicht, an kleinen Tischen und genossen sichtlich das Geschehen auf der Bühne: manche andächtig, manche konzentriert, manchmal alle gemeinsam sehr amüsiert.

Für Schmunzeln und Lacher sorgte auch das Duo der zwei Cellisten, die den Abend musikalisch bereicherten. Das Ehepaar Mareile und Wolfgang Mehlhorn, beide professionelle Musiker, spielte selten zu hörende Stücke unter anderem von Béla Bartók. Diese Kompositionen waren eher kurz, aber intensiv: Darunter ein Stück, dass das Gesirre von Mücken - und den menschlichen Abwehrkampf gegen die lästigen Plagegeister - amüsant auf die Saiten des Cellos übertrug. Ein anderes Bartók-Lied stellte Mareile als "Kissenschlacht" vor, daneben spielte das Paar Sonaten von Luigi Boccherini, ein Duett von Gioacchino Rossini und, zum Abschied, einen Tango von Isaac Albeniz. Präzise, aber dennoch gefühlvoll und mit Wärme klang die Streichmusik.

Fazit: Ein festlicher Abend und auch ein gelungener Abschluss für Günther Zastrow, der in seiner Amtszeit eine Vielzahl ähnlicher und auch ganz verschiedener Veranstaltungen koordinierte.

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