Unter dem Kanal : Kleiner Tunnel, große Baustellen

Klaus Krohn (links) und Jan Wagner entfernen Fliesen und Beton von der Tunnelwand.
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Klaus Krohn (links) und Jan Wagner entfernen Fliesen und Beton von der Tunnelwand.

Aufzug wird repariert, Wand neu abgedichtet

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17. Februar 2018, 19:01 Uhr

An gleich zwei Baustellen ist das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Kiel-Holtenau (WSA) zurzeit im Rendsburger Fußgängertunnel unter dem Nord-Ostsee-Kanal tätig. Auf der Südseite ist der Aufzug ausgefallen, und in der Tunnelröhre werden Schäden beseitigt, die durch Wassereintritt verursacht wurden.

„Der Antrieb des Aufzugs ist defekt. Der Schaden hat sich nicht angekündigt“, stellte Matthias Visser vom WSA fest. Am Montag bemerkte ein Mitarbeiter bei einem Kontrollgang Geräusche im Maschinenraum des Aufzugs und schaltete die Anlage sofort ab. Bei der Überprüfung wurde festgestellt, dass der Spannring eines Lagers für die Welle, über die die Fahrstuhlseile angetrieben werden, gebrochen war. Die Wartungsfirma nahm das Lager auseinander. Jetzt werde ein Ersatzteil geordert und dieses eingebaut, so Visser. Die Welle müsse zudem abgedreht werden, weil sie durch den Lagerdefekt beschädigt sein könne. „Es wird mindestens zwei Wochen dauern, bis der Fahrstuhl wieder läuft.“

Bis dahin wird die Fähre „Falckenstein“ von 7 bis 15 Uhr im Viertelstundentakt pendeln. Sie fährt zwischen einer Anlegestelle im Süden am Kanal-Café zum Kreishafen, Ecke Wehraustraße, auf der Nordseite. Rollstuhlfahrer können sich beim Leitstand des Tunnels unter Tel. 04331/5940 melden und bekommen eine Taxifahrt von einem zum anderen Tunneleingang bezahlt. Außerhalb der Fährzeiten können alle Personen, die auf den Aufzug angewiesen sind, diesen kostenlosen Service in Anspruch nehmen.

Die zweite Baustelle ist die Tunnelröhre selbst: Sie entstand von 1962 bis 1965 und besteht an den Seiten aus gekrümmtem Gussstahl, der mit Beton und Fliesen verkleidet wurde. Die Wandsegmente sind jeweils 180 Zentimeter hoch und 75 Zentimeter breit. Die Verbindungen wurde mit Blei abgedichtet – und genau diese Nahtstellen erweisen sich jetzt als Problem. Das Grundwasser soll eigentlich über die Fugen unter die Sohle des Tunnels ablaufen, von wo es abgepumpt wird. Macht es aber nicht überall. An einigen Stellen dringt es durch die Fugen. Daher werden die Fliesen und Beton nun entfernt, um die Übergänge neu abzudichten. „Diese Arbeiten werden vor Ostern beendet sein“, kündigte Jörg Winkelmann vom Rendsburger WSA-Außenposten an.

Längste Rolltreppe

Einst waren die Rolltreppen im Rendsburger Fußgängertunnel mit 55,90 Metern die längsten in Europa. Diesen Spitzenplatz verloren sie spätestens im Dezember 2011. Damals wurde in Sankt Petersburg die Metrostation Admiralteiskaja eröffnet. Ihre vier jeweils 137 Meter langen Rolltreppen gelten als die längsten ununterbrochenen Anlagen der Welt. In sechs Abschnitte unterteilt ist eine 2011 erbaute, 384 Meter lange Rolltreppenkaskade in der kolumbianischen Stadt Medellín. Die Elbphilharmonie in Hamburg hat nur die längsten Rolltreppen Westeuropas. Sie messen 82 Meter.

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