EM-Kolumne : Kampf der Geschlechter

Sie? Cristiano Ronaldo! Er? Sylvie van der Vaart! Die Geschmäcker sind klar verteilt - auf dem Fußballplatz und auf der Tribüne. Und eine Männderdomäne wackelt, findet Kathrin Emse.

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12. Juni 2008, 05:21 Uhr

Angeblich gucken Männer ja Fußball und Frauen Fußballspieler - ein von beiden Seiten gern behauptetes und gut gepflegtes Vorurteil. Und in der Tat, auf den ersten Blick muss der Fußball-Feldforscher einer solchen Einschätzung auch Recht geben. Kaum rennen die Spieler auf den Platz - kreischen die Frauen bereits "Oh, sieht Ronaldo lecker aus!" Dass er für Portugal antritt, scheint den Frauen egal. Und die Männer? Die warten auf den Kameraschwenk, um endlich wieder einen Blick auf Sylvie van der Vaart, Frau eines Niederländers, erhaschen zu können.
Aber: Wir sind ja auch noch im Vorgeplänkel, der Vorrunde sozusagen. Erst jetzt ist Anpfiff - und plötzlich schreit sie neben ihm: "Abseits!" Er ist kurz irritiert, dann: "Das war doch kein Abseits." "Doch! Hast du denn Bierdeckel auf den Augen?"
Es ist dabei völlig irrelevant , dass ein Abseits der favorisierten Mannschaft in diesem Fall helfen würde, das Tor aberkannt wäre. Hier bricht er offen aus, der Kampf der Geschlechter. Hier geht es um’s Prinzip. Denn nichts macht Männern in Zeiten der EM so viel Angst wie eine Frau, die ein Abseits erkennt.
Der Schiri pfeift - Abseits. Und der Mann? Er staunt, ja trauert fast ein wenig. Schon wieder ist eine Männerdomäne gefallen.

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