Jenseits des Horizontes ...

Nomaden heißt die Kreation, die  im Wettbewerb war. Foto: lub
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Nomaden heißt die Kreation, die im Wettbewerb war. Foto: lub

Stockelsdorfer Heide Tricou beeindruckte beim Wettbewerb des Hutdesigns 2011 in Frankreich

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17. Dezember 2011, 07:51 Uhr

Stockelsdorf | So kann’s gehen: Aus Ostholstein unter die Schirmherrschaft von Jean-Paul Gaultier - wieder einmal hat Heide Tricou internationale Aufmerksamkeit auf sich gezogen. "Jenseits des Horizontes" heißt die Arbeit, mit der die Stockelsdorfer Hutdesignerin beim Wettbewerb des Hut-designs 2011 im französischen Chazelles antrat und die es bis in eine choreographierte Modenschau mit 40 ausgewählten Modellen schaffte.

"Nein, einen Preis gab es in diesem Jahr nicht." Heide Tricou sagt es mit einem Lächeln. Nach internationalen Triumphen 2009 und 2010 in der italienischen Borsalino-Stadt Alessandia kann sie das verschmerzen. Und überhaupt: In Chazelles saß Jean-Paul Tritz, Designer beim Modegiganten und Wettbewerbs-Schirmherrn Gaultier, in der renommierten Jury. Und unter deren kritischen Blicken eroberte sich die Stockelsdorfer Kreation einen Platz in der Modenschau, mit der eine Ausstellung der 100 bemerkenswertesten Arbeiten eröffnet wurde.

Bemerkenswert ist auch die Konkurrenz, vor der Heide Tricou bestehen konnte. Aus Europa, Nordamerika, Asien, Ozeanien wurden insgesamt 186 Arbeiten nach Frankreich geschickt. "Nomade" lautete das Thema der diesjährigen Biennale und wie immer sollte die jeweilige Arbeit nicht nur Kunstobjekt, sondern auch tragbar sein. Zumindest theoretisch, denn, so seine Schöpferin verschmitzt: "Durch Stockelsdorf oder Lübeck würde ich mit meinem ,Nomaden’ nicht unbedingt laufen." Dessen auffallendstes Element ist ein typisches Stück aus dem Land zwischen den Meeren: Ein Stück Blasentang, beim Spaziergang an der Ostsee gefunden, ragt aus der Kreation aus Brennnesselstoff und exotischen Batiken empor. Daran befestigt ist ein gemaltes Auge, das dem Träger einen - symbolischen - Blick jenseits des Horizontes erlaubt (ein zweites kleineres Auge gestattet den Blick zurück).

Keck, wärmend, schmückend, schmeichelnd und überall tragbar sind dagegen die Hüte und Mützen, für die Heide Tricou im eigenen Land bekannt ist. Anders als Hutmacher formt sie ihre Kopfbedeckungen nicht aus Filz, sondern näht sie und bleibt damit bei ihren Leisten, denn die Hutdesignerin hat nicht allein die Hochschule für Gestaltung in Hamburg besucht, sie ist Schneidermeisterin und Direktrice. Die Leidenschaft für Hüte entwickelte sich aus einem Hobby, das wiederum zum Weihnachtsbasar des Schwartauer Mühlenberg-Gymnasiums intensiviert wurde. 2003 hatte Heide Tricou dort als Lehrerin für Kunst und Textiles Gestalten nach einer pfiffigen Basar-Idee gesucht - und mit Zehntklässlerinnen Regenhüte aus Lackfolie kreiert. Der Erfolg war umwerfend, die Hüte gingen weg wie geschnitten Brot. Als Lehrerin ist Heide Tricou inzwischen im Ruhestand. Um die Ohren hat sie indessen reichlich. Gerade war sie noch - Ehrensache - in einem der Kabäuschen auf dem Kunsthandwerkermarkt im Lübecker Heiligen-Geist-Hospital vertreten, jetzt sind ausgewählte Stücke in der Lübecker Galerie für Kunst und Gewerbe "Artemani" zu sehen.

Mehr Kunst als Handwerk, so will die Designerin ihre Arbeiten verstanden wissen. Denn bei aller soliden handwerklichen Grundausrüstung durchzieht Kunst ihr Leben wie der berühmte rote Faden. Vernäht sie nicht Wolle, Seide, Leinen zu fantastischen Gebilden, dann malt sie Bilder, denen eine ganz ähnliche aparte Leichtigkeit innewohnt, wie ihren Hüten.

Heide Tricou: "Kreationen für den Kopf". Galerie "Artemani", Fleischauerstraße 34, Lübeck. Geöffnet ist montags bis freitags von 10 bis 19 Uhr, sonnabends von 11 bis 16 Uhr.

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