Jäger dürfen nicht einfach losballern

Wolfgang Heins jagt im Lutzhorner Forst. Der Kreisjägermeister kennt sein Gebiet ganz genau. An dieser Stelle haben sich Wildschweine gesuhlt. Foto: ly
Wolfgang Heins jagt im Lutzhorner Forst. Der Kreisjägermeister kennt sein Gebiet ganz genau. An dieser Stelle haben sich Wildschweine gesuhlt. Foto: ly

Kreisjägermeister Wolfgang Heins schwärmt von seinem Hobby / Behörden prüfen "waffenrechtliche Zuverlässigkeit" von Neulingen

Avatar_shz von
27. Dezember 2011, 07:27 Uhr

Kreis Pinneberg | Links Wald, rechts ein freies Feld. Das ist ideal. Die Wildsau kommt zwischen den Bäumen hervor und schon kann es vorbei sein. Wildschweine werden gejagt, ohne Limit. Von dem Borstenvieh gibt es zuviel in den Wäldern des Kreises Pinneberg - egal, in welchem der acht Hegeringe. Dagegen wird genau beraten, wie viel Rehwild zum Abschuss freigegeben ist. Im Jagdjahr 2010/2011 durften im Kreisgebiet 1492 Rehe zur Strecke gebracht werden. Der Jagdbeirat hat dies so genehmigt. Wolfgang Heins sitzt seit 1997 in seiner Eigenschaft als Kreisjägermeister in diesem der Kreisverwaltung zugeordneten Beirat. Erst Anfang Dezember ist er von Landrat Oliver Stolz für weitere fünf Jahre zum Kreisjägermeister ernannt worden.

"Ich selbst habe in diesem Jahr nur zwei Böcke geschossen", erzählt Heins beim Gang durch den Forst bei Lutzhorn, seinem Heimatdorf. Der Forst gehört immer noch der Hamburger Flughafengesellschaft, die dort in den 1970er-Jahren einen Großflughafen bauen wollte - doch das ist Geschichte.

Auf eine viel längere Geschichte kann die Kreisjägerschaft zurückblicken. Sie gibt es, schätzt Heins, seit fast 100 Jahren, und hat heute rund 1100 Mitglieder. "Nachwuchssorgen haben wir nicht", berichtet Heins. Etwa 25 Prozent der Mitglieder sind Frauen. Ihr Anteil steigt langsam aber stetig. Wer auf die Jagd gehen will, muss nicht zwangsläufig dem Verband angehören, doch es gibt sanfte Druckmittel - und so geht Wolfgang Heins davon aus, wer im Lande jagt, ist Mitglied.

Jäger dürfen trotzdem nicht einfach losballern. Sie müssen Jagdscheine beantragen. Es gibt einen Tages-Jagdschein, der 14 Tage gilt, einen Jahres-Jagdschein oder einen Drei-Jahres-Jagdschein. Natürlich wird die "waffenrechtliche Zuverlässigkeit" durch Kreisbehörden geprüft und für jedes Revier gibt es vorgegebene Zahlen, was den Abschuss von Schalenwild betrifft. Jedes Jahr wird zum 1. April der Bestand auf Grund von Erfahrungswerten, Verkehrsunfällen mit Wild und registrierten Wildschäden "gut geschätzt". Ein Revier ist im Durchschnitt 300 bis 500 Hektar groß. "Und auf 100 Hektar rechnet man einen Jäger", erzählt Heins und weist beim Gang durch den Lutzhorner Forst auf eine "Sauerei" von Wildschweinen hin: "Hier haben sie sich gesuhlt."

Die beste Jagdzeit bildet der Herbst, wenn die Äcker abgeerntet sind. Dann ist der Blick frei für eine Treibjagd. Doch die Reviere organisieren die Jagd selbst. Und wer ein Tier schießt, muss es, wenn er es behalten will, kaufen. Der Erlös kommt in die Jagdkasse. Eigentümer von landwirtschaftlichen Flächen oder Wald ab 150 Hektar Größe gehören einer Jagdgenossenschaft an, wenn sie das Jagdrecht selbst nicht ausüben. Die Genossenschaft organisiert dann die Jagd. "Oder auch Naturschutzprojekte. Schließlich jagen wir nicht nur, sondern hegen, pflegen und entwickeln unsere Wälder unter dem Aspekt des Naturschutzes", sagt der 55-jährige Wolfgang Heins und verweist sofort auf ein Feuchtgebiet in seinem Revier.

Für Wolfgang Heins ist die Jagd selbst ein "sehr schönes Erlebnis". Dabei geht es ihm nicht nur ums Jagen, sondern auch ums Beobachten: "Unvergesslich ist, wie ich vor ein paar Jahren einen Jung-Uhu ziemlich lange beobachten konnte. So etwas ist wunderschön und gehört mit zum Alltag eines Jägers."

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen