Apenrade/Flensburg : Im Trend: Politik ohne Papier

Poststelle Rathaus Flensburg: Papierberge in Verteilerkästen versus Tablet-Computer in Händen von Bürgermeister Henning Brüggemann. Foto: Gunnar Dommasch
Poststelle Rathaus Flensburg: Papierberge in Verteilerkästen versus Tablet-Computer in Händen von Bürgermeister Henning Brüggemann. Foto: Gunnar Dommasch

Apenrade und Flensburg machen es vor / Der Einsatz von Tabloid-PC kann Papier und Geld sparen

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17. Dezember 2011, 07:07 Uhr

Apenrade/Flensburg | Einige Stadtratspolitiker nehmen die neue Technologie bereits mit in ihre Ausschusssitzungen und in den Ratssaal: Sie haben den kleinen flachen Schirm vor sich auf dem Tisch. "Die Frage ist nicht länger, ob wir alle ein iPad bekommen, sondern die Frage ist, wann und wie wir es machen", sagt der konservative Stadtratspolitiker Arne Rüstemeier, der sein eigenes iPad immer dabei hat - ganz gleich, wo er ist.

Damit hat er online Zugang zu allen wichtigen Vorlagen: Tabellen und Budgets, Vorschlägen und Änderungsvorschlägen, zu Bauplänen, Anmerkungen und Erklärungen - was man nun zu den verschiedenen Sitzungen so braucht. Andere Politiker zögern noch, den letzten Schritt mit der neuen Technologie zu machen und sich damit vom Papier zu verabschieden.

Im Apenrader Stadtratssaal hat man dies bereits getan. Darum ist in der vergangenen Woche eine kleine Delegation aus dem Flensburger Rathaus in die Nachbarkommune gefahren, um dort einer Stadtrats-Sitzung beizuwohnen. Man wollte sich mit eigenen Augen davon überzeugen, ob das iPad dem Zweck entsprechend genutzt werden würde und an den Erfahrungen der Apenrader Kollegen teilhaben. Eine Sache ist es ja, während einer Sitzung in dem Stapel mit Vorlagen herumzuwühlen - eine ganz andere, sich auf dem Schirm zurechtzufinden und die Dokumente zu finden, wenn man sie gerade braucht.

In Apenrade funktioniert das prima. "Einige Politiker hatten vor sich auf dem Tisch einige Papiere liegen, doch auch ich bevorzuge die Tagesordnung auf Papier. Darauf kann ich mir die Abstimmungsergebnisse oder andere Bemerkungen notieren, die ich mir merken muss. Und wenn ich nach Hause komme, scanne ich das Papier ein", erzählt Sönke Wisnewski, der als bürgerlich gewähltes Mitglied den SSW repräsentiert und sein iPad in der politischen Arbeit nutzt.

Anfang des Jahres vollzogen die Stadtratspolitiker in Apenrade den Wechsel vom Laptop zum iPad, und sie haben es gut angenommen, sagt die IT-Chefin des Rathauses, Eva Minke. Denn obwohl es Geld kostet, in die neue Technologie zu investieren, lasse sich damit langfristig viel Geld sparen.

Nach Angaben aus dem Rathaus in Apenrade hätte man für die Stadtratspolitiker zur Sitzung am vergangenen Mittwoch gut 25 000 Seiten Vorlagen ausdrucken müssen. Das kostet nicht nur einen kleinen Wald, sondern auch Geld für die Druckerei und Porto. Stattdessen wird das Material elektronisch versendet. "Gegenwärtig bekomme ich jeden Freitag Berge von Papier mit der Kurierpost. Das ist eine enorme Verschwendung von Ressourcen. Mit dem iPad indes kann ich sogar auf große Beilagen zoomen, Zeichnungen von der Stadtplanung beispielsweise - und das auch in Farbe", schildert Arne Rüstemeier.

Ein weiterer Vorteil des iPads besteht darin, dass die Politiker stets das ganze Archiv dabei haben. "Wenn ich etwas nicht mehr genau weiß, kann ich immer zurückgehen und nachvollziehen, was früher in einem bestimmten Fall gesagt wurde oder Beschlüsse aus früheren Sitzungen finden", sagt Sönke Wisnewski, der Lehrer an der Gustav-Johannsen-Schule ist und unter anderem in Informationstechnologie und EDV unterrichtet.

Noch gibt es viele Fragen zu klären, bevor die papierlosen Sitzungen auch in Flensburg Realität werden können. Müssen die Politiker selbst in ein iPad investieren oder ist dies eine kommunale Angelegenheit? Gibt es in den Sitzungsräumen Drahtlos-Verbindungen, an die man sich ankoppeln könnte? Was ist mit den Dokumenten aus dem geschlossenen Teil der Sitzungen? Wie sollte das Ganze aufgebaut werden - und was ist mit dem Datenschutz?

Die Diskussion geht weiter, doch langfristig lässt sich Geld sparen, wenn die Politiker Ja sagen zu dem papierlosen System. Einigen älteren Politikern dürfte es vielleicht schwerfallen, sich an das neue System zu gewöhnen, daher ist es - realistisch betrachtet - wohl erst im Jahr 2013 möglich, die Idee umzusetzen. "Dann findet auch die nächste Stadtratswahl statt, und wenn man wirklich sparen will, müssen alle dabei sein", so Rüstemeier, dem bei der Sitzung in Apenrade eines aufgefallen ist: "Wenn die Politiker sich zu Wort meldeten, hielten sie ein Stück Papier in der Hand, wo sie das aufgeschrieben hatten, was sie sagen wollten."

Ganz und gar papierlos braucht es auch nicht zu werden. Benötige man einen Ausdruck, dann stünde es jedem einzelnen Politiker frei, sich auf eigene Rechnung auf dem eigenen Drucker etwas auszudrucken.

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