"Handfeste Verbrechen" : Illegale Arbeitskräfte ausgebeutet wie Sklaven

Menschen ohne Papiere werden in Hamburger Firmen ausgebeutet, beklagt der Deutsche Gewerkschaftsbund. Doch auch ohne Papiere haben diese Menschen Rechte.

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30. Dezember 2011, 09:18 Uhr

Hamburg | Papierlos - rechtlos? Menschen ohne Aufenthaltsgenehmigung werden in Hamburg von einigen Arbeitgebern offenbar wie Sklaven behandelt. Diesen Vorwurf erhebt der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in der Hansestadt. "Hier geht es um handfeste Verbrechen", klagte DGB-Landeschef Uwe Grund, der am Donnerstag auf die Arbeitssituation von Menschen ohne Aufenthaltsstatus aufmerksam gemacht hat. "Lohnraub und Ausbeutung" seien im Umgang mit arbeitenden Illegalen in Hamburg durchaus an der Tagesordnung.
Beispielhaft schilderte der Marokkaner Ali K. (Name geändert) sein Schicksal. Der 36-jährige Papierlose berichtete, er habe nach dem Abbruch des Studiums die Aufenthaltserlaubnis verloren und sich jahrelang mit Jobs durchgeschlagen. Anfang 2011 habe ihn eine Firma der Containerlogistik unter ewigen Vertröstungen um 2600 Euro Arbeitslohn geprellt. Rund 15 anderen Illegalen sei es dort ähnlich ergangen.
"Arbeitsrechte sind Menschenrechte"
Während die meisten Opfer aus Angst vor Ausweisung nicht wagen, ihr Geld einzuklagen, offenbarte sich K. der Beratungsstelle Migration und Arbeit (MigrAr) des DGB Hamburg. "Arbeitsrechte sind Menschenrechte", ermutigt Leiterin Emilija Mitrovic Betroffene, ihre Rechte geltend zu machen. Im Fall von Ali K. gab es eine glückliche Wendung. Er ist mittlerweile Vater eines deutschen Kindes und darf in Hamburg bleiben. Sein Fall wird im Januar vor dem Arbeitsgericht verhandelt.
Mitrovic rät Illegalen, genau Buch über Arbeitsleistung und Lohnzusagen zu führen. Auch Namen von Kollegen als Zeugen und den Chefs seien wichtig, um im Nachhinein Ansprüche stellen zu können. Der DGB schätzt, dass in Norddeutschland mehrere tausend Papierlose von Lohnraub betroffen sind.
Gewerkschaftschef Uwe Grund will die Lage der Rechtlosen grundsätzlich verbessern. Er fordert politische Konsequenzen: "Zum Beispiel sollten Gerichte und insbesondere Arbeitsgerichte ausdrücklich von der Melde- und Übermittlungspflicht ausgenommen werden, damit illegalisierte Menschen ihren Lohnanspruch tatsächlich einklagen können."

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