Tarifkonflikt an den Damp-Kliniken : "Ich bin geschockt"

Verdi-Bezirksgeschäftsführer Dilcher.
Verdi-Bezirksgeschäftsführer Dilcher.

Verdi-Verhandlungsführer Oliver Dilcher: Die Kündigungen sind verwerflich.

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23. Juni 2012, 12:16 Uhr

Damp | Wie bewerten Sie die Kündigungen? Haben Sie mit so etwas gerechnet?
Oliver Dilcher: Wir haben in dieser Form nicht damit gerechnet. Das hat eine atemberaubende Dimension, die zugleich verwerflich ist. Das sind Menschen, die ihr grundgesetzliches Recht auf einen Kampf um bessere Bezahlung in Anspruch genommen haben. Dieses Recht wird mit Füßen getreten. Es wird Angst und Schrecken verbreitet. Es ist verwerflich, so ein hässliches Spiel zu treiben.
Sind die Kündigungen rechtmäßig?
Die Kündigungen sind offensichtlich unwirksam, weil der Betriebsrat nicht gehört wurde. Er würde auch nicht zustimmen.
Wer wird mit diesen Kündigungen getroffen?
Das trifft die Ärmsten der Armen. Es handelt sich um kleine Leute, die sich ein Herz gefasst haben, für existenzsichernde Löhne zu kämpfen. Sie sollen eingeschüchtert werden.
Ist ein derart ausufernder Tarifkonflikt etwas Neues für Sie?
Sie erwischen einen geschockten Gewerkschaftssekretär. So eine schändliche Reaktion habe ich in über 20 Jahren Gewerkschaftsarbeit nicht erlebt. Der Gegenstand von Sozialpartnerschaft ist, dass man hart, aber fair in eine Auseinandersetzung geht. Und dass man im Umgang deutlich macht, dass Respekt da ist. Dass man den Betroffenen Angst macht, ist eine neue Qualität. Der Artikel 9 Absatz 3 des Grundgesetzes wird mit Füßen getreten.
Wie gehen Sie am Montag in Berlin in das nächste Verhandlungsgespräch mit Helios?
Wir sind beim Gespräch am Mittwoch konstruktiv aufeinander zugegangen. Die Gespräche wurden nicht ab-, sondern unterbrochen. Wir haben den Gesprächsfaden nicht abreißen lassen. Aber wir werden uns inhaltlich beraten. Ich habe für Dienstag die Große Tarifkommission nach Berlin eingeladen. Wir sind entscheidungsfähig.

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