Hilfe ist nach wie vor erforderlich

Nicht nur Kinder, auch alte Menschen haben ihre Familien im Tsunami verloren und leben nun in einem Altenheim. Foto: Gallage
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Nicht nur Kinder, auch alte Menschen haben ihre Familien im Tsunami verloren und leben nun in einem Altenheim. Foto: Gallage

Angila Gallage aus Altenholz wirbt Spenden für die Menschen in ihrer Heimat Sri Lanka ein / Kinder und Alte sind besonders betroffen

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27. Dezember 2011, 07:24 Uhr

Altenholz | Am Zweiten Weihnachtstag ist es genau sieben Jahre her, dass eine Flutwelle von unvorstellbarer Kraft Südostasien erschütterte. Angila Gallage engagiert sich seither für die Menschen in ihrer Heimat Sri Lanka, für die der Lebensstandard aus der Zeit vor der Katastrophe noch immer in weiter Ferne ist.

Frau Gallage, Sie engagieren sich seit 2004 unermüdlich für die Menschen in Ihrer Heimat, die noch immer an den Folgen des Tsunami zu tragen haben. Was treibt Sie an?

Anfangs war es die eigene Erschütterung über das unfassbare Leid in unmittelbarer Nähe meines Heimatortes Hikkaduwa, die mich anspornte. Später waren es dann die vielen positiven Erlebnisse, die ich im Zusammenhang mit meinen Hilfsaktivitäten erfahren habe, die mir die Kraft gegeben haben, weiterzumachen. Heute ist es eindeutig die Notwendigkeit, den durch den Tsunami besonders benachteiligten Menschen in meiner Heimat, den Alten und den Jungen, zu helfen.

Sie haben schon viele Dinge angeschoben (wir berichteten). Was steht noch auf Ihrer Liste?

Die Sanierung von Gebäuden in einem Kinderheim, um die Unterbringung für die dort lebenden Kinder und Jugendlichen entscheidend zu verbessern. Außerdem die Errichtung eines Kindergartens, um den Eltern die Ausübung ihres Berufs zu erleichtern und den Kindern eine vernünftige Betreuung zu garantieren. Weiter steht der Bau eines Altersheims an, Solarenergie zur Warmwassergewinnung in einem Altenheim, Unterstützung eines Selbsthilfeprojektes von Frauen in Sri Lanka und eines Obstanbauprojekts, damit einige Familien ein sicheres Einkommen haben.

Wann waren Sie zuletzt in Ihrer Heimat? Wie haben Sie die Menschen dabei erlebt?

Im Mai und Juni 2010 war ich das letzte Mal in Sri Lanka. Auffällig ist, dass der Tsunami immer noch das Denken der Menschen beherrscht. Viele sind regelrecht traumatisiert von dem schrecklichen Erlebnis von vor sieben Jahren. Auf der anderen Seite gibt es aber viel Lebensmut, weil die Situation der Menschen sich mittlerweile doch verbessert hat. Aber dennoch gibt es immer noch viele Menschen, die sehr arm sind und ohne Hilfe keine Perspektive haben, den eigenen Lebensunterhalt zu verdienen. Besonders an der Südwestküste Sri Lankas wünschen sich die Menschen, dass wieder vermehrt Touristen das Land besuchen. Das schafft und sichert Arbeitsplätze.

Sie haben die Geschehnisse bereits zum Thema für ein Buch gemacht, das Sie selbst verlegt haben. Wie verarbeiten Sie die Bilder und Geschichten und die damit verbundenen Schicksale der Menschen?

Die Geschehnisse von Weihnachten 2004 lassen mich wohl nie mehr los. Zu viele Menschen mit ihren Schicksalen habe ich persönlich kennen gelernt. Das Leid dieser Menschen, die Schlimmes erlitten haben, kann ich nicht vergessen. Ich freue mich über jeden Fortschritt, den ich bei meinen jährlichen Sri Lanka-Besuchen feststellen kann - aber andererseits berührt mich die persönliche Tragik, die vielen Menschen widerfahren ist, noch heute sehr.

Ich bereite gerade ein Kinderbuch vor (eine Geschichte über einen kleinen Elefanten). Dieses Buch ist geeignet, kleine Kinder in den Schlaf zu lesen, also etwas ganz anderes als mein erstes Buch, in dem ich Erlebnisse der Menschen nach dem Tsunami beschrieben habe. Ich werde es Anfang nächsten Jahres drucken lassen. Die Einnahmen werden wieder zu 100 Prozent in Spendenaktionen für Sri Lanka fließen.

Wenn Sie in Deutschland mit Menschen über den Tsunami sprechen - wie gegenwärtig ist Ihren Gesprächspartnern das Thema noch?

Unterschiedlich: Von vielen Menschen und Institutionen werde ich für mein Engagement gelobt - aber konkrete Hilfe und Unterstützung bleibt dann leider doch häufig aus. Andererseits gibt es aber doch Spender und Institutionen (wie z.B. die katholische Kirche, die Evangelische Kirche in Dänischenhagen und die Gemeinde Altenholz), die sich seit Jahren in meiner Hilfe für Sri Lanka engagieren und mir die Kraft geben, mit der Hilfe fortzufahren.

Ich habe lernen müssen, dass nach fast sieben Jahren der Tsunami im Indischen Ozean zwar noch präsent ist - aber viele Menschen beschäftigen sich mittlerweile mit anderen Katastrophen, von denen es ja leider viel zu viele gibt. Das bedeutet für mich: Viel Überzeugungsarbeit leisten, warum noch immer Hilfe erforderlich ist. Das kostet viel Kraft und Zeit.

Warum ist es heute genauso wie direkt nach der Flutwelle wichtig, für die Menschen in Sri Lanka zu spenden?

Nach Katastrophen wie dem Tsunami ist es nach meiner Überzeugung unabdingbar, die Hilfe langfristig anzulegen. Mal schnell sein Gewissen zu beruhigen und in einer Einzelaktion Hilfsprojekte zu starten, ist schön - aber in vielen Fällen leider nicht ausreichend. Man muss versuchen, dauerhafte Hilfe anzubieten. Deshalb konzentriere ich mich seit längerer Zeit mehr auf die Unterstützung von Kindern und alten Menschen, die in Kinder- beziehungsweise Altenheimen untergebracht sind. Denn durch den Tsunami sind vor allem die familiären Bindungen zerstört worden. Kinder, die vor sieben Jahren beispielsweise drei Jahre alt waren und ihre Eltern verloren haben, brauchen auch heute noch, in einem Lebensalter von zehn Jahren unsere Hilfe und Unterstützung. Ähnlich verhält es sich mit älteren Menschen, die bis zum Tsunami in der Regel in ihren Familien bei Kindern oder Enkeln gelebt haben. Wir suchen derzeit noch Schulen, Vereine, die eine Patenschaft für Schulen in Sri Lanka übernehmen möchten oder andere Möglichkeiten sehen, uns zu unterstützen beziehungsweise Menschen, die bereit sind, zu helfen.

Für nähere Informationen ist Angila Gallage per E-Mail an angila_gallage@web.de oder unter Tel. 0431/32 17 28 zu erreichen. Spenden können auf das von der Gemeinde Altenholz eingerichtete und geführte Spendenkonto 21 22 687 bei der Förde Sparkasse (BLZ 210 501 70) unter Angabe des Kennworts Hikkaduwa überwiesen werden.

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