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Interview : Herr Bischof, warum feiern wir Weihnachten?

vom

Franzi (12), Felix (11) und Erik (11) wollten es ganz genau wissen - und trafen den Chef der Nordelbischen Kirche, Gerhard Ulrich in "seiner" Kirche, im Dom in Schleswig.

shz.de von
erstellt am 20.Dez.2011 | 02:59 Uhr

Erik: Was sind eigentlich die Aufgaben des Bischofs?
Bischof Ulrich: Ein Bischof ist der Pastor für die Pastoren. Ich leite nicht wie ein Manager in einer großen Firma, sondern mit anderen Gremien und Gruppen zusammen die evangelisch-lutherische Nordelbische Kirche. Meine Macht ist die Macht der Worte. Ich predige. Ich rede mit den Menschen und höre zu und versuche an den Orten zu sein, wo die Menschen leben. Also ein Bischof ist ein Pastor, der mit einem besonderen Dienst versehen ist. Viele Menschen tragen in meiner Kirche gemeinsam die Verantwortung für das Leben miteinander. Die Kirchenleitung ist zum Beispiel so ein Gremium. Und da bin ich der Vorsitzende.
Ich bin auch ganz viel unterwegs mit dem Auto oder mit dem Zug oder sogar mit dem Flugzeug, weil der Bischof auch viele Aufgaben übernimmt, die weit über Schleswig-Holstein hinausgehen. Kirche ist ja nicht nur die Gemeinde vor Ort, sondern die Gemeinschaft der Christen in aller Welt. Überall auf der Welt wird ja auch Weihnachten gefeiert, weil es überall Christenmenschen gibt.
Erik: Warum gibt es Weihnachten?
Bischof: Deshalb bin ich mit Euch extra hier zum Brüggemann-Altar gegangen. Dort in dem "Käfig", was aussieht wie ein kleines Gefängnis, ist das Christuskind versteckt.
Alle schauen in die Mitte des großen, geschnitzten Holzaltars. Ganz unten ist dieser "Käfig" zu sehen und dahinter eine Puppe.
Bischof: Bevor diese Kirche von einer katholischen zu einer evangelischen wurde, also vor 1527, wurden darin die Hostien für das Abendmahl, also das Brot und der Kelch, aufbewahrt. Nun hat das Christuskind dort seinen Platz. Das kann ich euch jetzt nicht zeigen, weil dann der Alarm losgehen würde, weil es gesichert ist. Zu Weihnachten gibt es hier ein Krippenspiel, dann wird das Christuskind dort herausgeholt und in die Krippe gelegt. Das wichtigste an Weihnachten ist nämlich die Geschichte des Christuskindes.
Bischof Ulrich schaut in die gespannten Gesichter von Franzi, Erik und Felix und erzählt weiter: Ihr kennt bestimmt die Geschichte: Vor 2000 Jahren gab es ja eine Volkszählung. Und deshalb sind Josef und Maria nach Bethlehem gewandert, in ihre Heimatstadt. Maria war hochschwanger und sollte bald ihr Kind bekommen. Das war eine sehr gefährliche Sache damals. Unterwegs gab es ja keine Hebammen und keine Ärzte. In Bethlehem suchten sie eine Herberge, bekamen aber nur einen Platz in einem Stall.
Diese Geschichte ist so besonders, weil sie unter den einfachen Leuten spielt. Der Sohn Gottes wird nicht in einem Palast geboren, sondern in einem Stall. Und die ersten, die davon erfahren, sind die Hirten. Ich war einmal dort, in Bethlehem in Israel. Die Ställe waren dort nicht Häuser, sondern dunkle, kalte Höhlen. Da saßen die Hirten damals in der heiligen Nacht. Heute denkt man, das ist romantisch. Aber das hatte nichts Romantisches. Hirte sein, das war der letzte Job - wer nichts wird, wird Hirte.
Aber gerade diese einfachen Menschen sehen das helle Licht am Himmel, den Stern von Bethlehem, der sie zu Jesus Christus führt. Gottes Sohn kommt zu denen, die nichts haben. Zu denen, die arm und elend sind. Das ist die Botschaft von Weihnachten. So steht es in der Bibel im Lukas-Evangelium. Der Engel sagt: Friede auf Erden soll werden.
Felix: Und warum gibt es zu Weihnachten Geschenke?
Bischof: Im Matthäus-Evangelium sehen auch die "Heiligen Drei Könige" aus der Ferne den Stern. Sie gehen nach Bethlehem und schenken dem Christuskind Weihrauch, Myrrhe und Gold. Es bedeutet, dass auch wir für Gott etwas Gutes geben können.
Franzi: Wie feiern Sie Weihnachten?
Bischof: Ich habe vier Söhne. Die sind alle schon erwachsen und wohnen in anderen Städten. Aber Weihnachten kommen die Söhne zu uns nach Schleswig, einer davon mit seiner schwangeren Ehefrau. Deshalb ist Weihnachten in diesem Jahr etwas besonderes für uns - im Februar werde ich zum ersten Mal Opa.
Am Heiligen Abend legt mein jüngster Sohn immer das Christkind in die Krippe. Er ist jetzt zwar schon zwei Meter groß und 23 Jahre alt, aber das ist so Tradition. Wir versammeln uns um den großen Tannenbaum und beschenken uns natürlich auch. Mit den Jahren verändern sich die Wünsche natürlich. Einer meiner Söhne ist Heavy-Metal-Schlagzeuger. Er wünscht sich Taschen für seine Instrumente. Was wünscht ihr euch?
Franzi: Ich wünsch mir eine Reise.
Felix: Ich ein Buch.
Erik: Ein Werder Bremen Trikot.
Bischof: Guter Wunsch - für mich wäre das aber der falsche Verein. Ich würde ein HSV-Trikot wählen. Geschenke sind wunderbar. Sie machen uns alle wieder zu Kindern.
Felix: Was machen Sie noch zu Weihnachten?
Bischof: Wir gehen alle zusammen in den Gottesdienst, den ich im Schleswiger Dom feiere. Dabei helfen mir meine Söhne meist, zum Beispiel mit der Lesung der Weihnachtsgeschichte.
Erik: Welche Weihnachtsbräuche gibt es in der Kirche?
Bischof: Über die Krippe haben wir ja schon gesprochen. Da gibt es natürlich auch einen Tannenbaum. Er ist mit Kugeln geschmückt. Wisst ihr, wofür die Kugeln stehen?
Franzi, Erik und Felix schütteln die Köpfe.
Bischof: Für die Paradiesäpfel. Früher hingen tatsächlich Äpfel im Baum. Zu Weihnachten schmücken wir das Haus, so dass es paradiesisch schön ist.
Felix: Warum feiern die Italiener zum Beispiel erst am 6. Dezember Weihnachten?
Bischof: Da gibt es verschiedene Daten und Bräuche. Das hat auch mit der Bibel zu tun. Im Lukas-Evangelium geht es hauptsächlich um die Geburt im Stall, die Hirten kommen und gehen wieder. Bei Matthäus spielen die Heiligen Drei Könige eine wichtige Rolle. Man weiß ja auch nicht so ganz genau, wann Jesus geboren wurde. Man hat das errechnet am Stand des Mondes und dem Erscheinen des Sterns, es war etwa an diesen Tagen.
Felix: Über den Stern von Bethlehem haben wir in der Schule mal gesprochen. Gab es den eigentlich wirklich?
Bischof: Es ist wohl der Stern des Südens, der Polarstern. Es ist aber eine Geschichte, die erzählt worden ist und ausgeschmückt wurde. Dabei kann man nicht jede Einzelheit historisch genau festlegen. Es ist auch nicht so wichtig, ob dieser Stern genau an diesem Tag dort erschienen ist. Geschichten erzählen wir, um etwas Wichtiges weiterzugeben - so etwas Wichtiges wie die Geburt von Jesus.

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