zur Navigation springen

Tod mit 89 Jahren : Hans-Dietrich Genscher: Sein Leben in Bildern und Videos

vom

Er war so lange Deutschlands Außenminister und Vizekanzler wie keiner sonst - über 18 Jahre. Manche nannten ihn gar „Mister Bundesrepublik“. Genschers Leben in Bildern.

shz.de von
erstellt am 01.Apr.2016 | 19:30 Uhr

Am Freitag ist Hans-Dietrich Genscher gestorben. Deutschland trauert um einen seiner einflussreichsten Politiker. Im Laufe von dreieinhalb Jahrzehnten politischer Karriere wurde der studierte Anwalt für viele zur Personifizierung der „Bonner Republik“ - auch wenn er im Osten geboren wurde.

Jugend

Am 21. März 1927 in Reideburg/Saalkreis geboren und in Halle groß geworden, wuchs er nach dem frühen Tod des Vaters - Genscher war neun - allein bei der Mutter auf. Bei Kriegsende war er 18 und kam in amerikanische Kriegsgefangenschaft.

Kurz darauf erkrankte er an Tuberkulose, die damals kaum heilbar war. Insgesamt drei Jahre verbrachte er in Krankenhäusern und Lungenheilstätten. 1952 kam er mit seiner Mutter in den Westen, nach Bremen. 1956, als junger Jurist, zog er nach Bonn. Bei Bonn war er bis zu seinem Tod mit seiner Frau Barbara zu Hause.

Die steile Karriere Genschers begann in den 50er Jahren. Der damalige FDP-Vorsitzende Thomas Dehler holte den jungen Mann 1956 als wissenschaftlichen Angestellten nach Bonn. 1965 war er zum ersten Mal in den Bundestag eingezogen. Als Fraktionsgeschäftsführer gehörte er gleich zu den wichtigen Strippenziehern.

Sozial-liberale Koalition

Die Spitzen der sozial-liberalen Koalition: Helmut Schmidt (r.) und Hans-Dietrich Genscher.
Die Spitzen der sozial-liberalen Koalition: Helmut Schmidt (r.) und Hans-Dietrich Genscher. Foto: dpa

Die Wendigkeit, die manch ein Kritiker Genscher vorhielt, sicherte eine Jahrzehnte lange Regierungsbeteiligung der Liberalen. 1969 ließen sich Genscher und der damalige FDP-Vorsitzende Walter Scheel bei knappen Mehrheiten auf das Wagnis der ersten sozial-liberalen Koalition ein. Im Innenressort profilierte sich Genscher mit Themen wie dem Umweltschutz und dem Ausbau des Bundeskriminalamtes (BKA).

Sein „schlimmster Moment“

In der ersten sozial-liberalen Koalition wurde Genscher Innenminister. In diese Zeit fiel einer seiner schlimmsten Momente: Als ein Palästinenserkommando 1972 in München das israelische Olympia-Team überfiel, bot sich Genscher als Ersatzgeisel an. Die Befreiungsaktion missriet komplett.

München 1972: Einer der Terroristen stellt im Gespräch mit Hans-Dietrich Genscher seine Bedingungen.
München 1972: Einer der Terroristen stellt im Gespräch mit Hans-Dietrich Genscher seine Bedingungen. Foto: imago/Zuma Press

Viel zum Rücktritt fehlte nicht. Später, als er Lebensbilanz zog, meinte er: „Der Tiefpunkt war ganz sicher München 1972.“ Es wäre das vorzeitige Ende einer großen Karriere gewesen.

Parteivorsitz und Außenminister

1974, nach dem Rücktritt von Kanzler Willy Brandt (SPD), wechselte Genscher ins Außenamt und übernahm den FDP-Parteivorsitz von Scheel, der zum Bundespräsidenten gewählt worden war.

Am 17. Mai 1974 wird Genscher als Außenminister vereidigt.

1982 vollzog Genscher eine neue Wende. Die Liberalen stürzten um den Preis des Parteiaustritts mehrerer prominenter Linksliberaler SPD-Kanzler Helmut Schmidt und verhalfen Helmut Kohl (CDU) an die Macht. Im neuen schwarz-gelben Kabinett blieb Genscher Außenminister und Vizekanzler. Dort verfolgte er seine Politik der Aussöhnung mit dem Osten weiter.

Prag am 30. September 1989

Eine Szene, die immer wieder unter die Haut geht: Hans-Dietrich Genscher auf dem Balkon der bundesdeutschen Botschaft in Prag. Am 30. September 1989 hatte der FDP-Politiker dort den DDR-Bürgern im Garten verkündet, dass ihre Ausreise möglich geworden war. „Wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise ...“ Weiter ließen die 4500 DDR-Bürger, die auf das Botschaftsgelände geflohen waren, Hans-Dietrich Genscher nicht kommen. Der Rest ging im Jubel unter.

Genscher war ein begnadeter Netzwerker, bestens verdrahtet in nahezu alle Hauptstädte der Welt. Einer seiner Grundsätze: „Es geht darum, sich in die Schuhe des anderen zu stellen. Ihn zu gewinnen, aber nicht zu besiegen.“ Sein Meisterwerk lieferte er 1990 mit dem „2+4-Vertrag“ ab. Darin regelten die damals noch beiden deutschen Staaten mit den vier Siegermächten des Zweiten Weltkriegs (USA, Russland, Großbritannien und Frankreich) die außenpolitischen Aspekte der Wiedervereinigung. Das war die Zeit, in der Genscher besonders populär war.

Hans-Dietrich Genscher unterzeichnet 1990 den Vertrag zur Deutschen Einheit.
Hans-Dietrich Genscher unterzeichnet 1990 den Vertrag zur Deutschen Einheit. Foto: imago/Sven Simon
 

Rücktritt als Außenminister 1992

Im Mai 1992, mit 65 Jahren, trat Genscher als Außenminister zurück - aus freien Stücken und zur allgemeinen Überraschung. Die Nachfolger hatten es schwer. Frank-Walter Steinmeier adelte ihn trotzdem später zum „immerwährenden Außenminister“ ehrenhalber. Vergessen wird jedoch gern, dass Genscher auch vor dem Auswärtigen Amt schon Politik gemacht hatte - und dass er teils auch sehr umstritten war. 1998 scheidet Genscher nach 33 Jahren aus dem Bundestag aus.

Der gelbe Pullunder:

Er gilt als Genschers Markenzeichen - der gelbe Pullunder. Unzählige Fotos zeigen den Politiker mit seinem Lieblingskleidungsstück. Zwei Beispiele aus den Jahren 1993 und  2014.

Millenium-Bambi 2010

Eine besondere Ehre: 2010 erhielt Genscher für seine Verdienst um die Deutsche Einheit den Millenium-Bambi. Laudator war sein Parteifreund Guido Westerwelle, der im März 2016 verstarb.

2013 Freilassung von  Michail Chodorkowski

An der Freilassung des Kreml-Kritikers Michail Chodorkowski war Genscher 2013 maßgeblich beteiligt.  Der frühere Chef des Ölkonzerns Yukos war unter anderem wegen Steuerhinterziehung, Geldwäsche und Diebstahls verurteilt worden. Genscher sprach mehrfach mit Wladimir Putin und handelte die Bedingungen für die Begnadigung aus.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen