Handwerk voller Optimismus

Blicken auf ein gutes Jahr für das Handwerk zurück und sind zuversichtlich für 2012: Claudia Mohr und Helmut Rowedder. Foto: Mehmel
Blicken auf ein gutes Jahr für das Handwerk zurück und sind zuversichtlich für 2012: Claudia Mohr und Helmut Rowedder. Foto: Mehmel

Kreishandwerksmeister und Geschäftsführerin ziehen für die mehr als 1000 Betriebe eine positive Bilanz / Sorge nur um Nachfolgeregelungen

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29. Dezember 2011, 08:38 Uhr

Kreis Steinburg | Mit einem gesunden Optimismus geht die Handwerkerschaft ins neue Jahr. Dazu trägt wohl auch die aktuelle Großwetterlage bei. Weil der Wintereinbruch bislang ausgeblieben ist, wird noch an vielen Stellen gewerkelt. "Nach dem 100-jährigen Kalender sollte es eigentlich schon im November Schnee geben", ist auch die Geschäftsführerin der für Steinburg und Pinneberg zuständigen Kreishandwerkerschaft, Claudia Mohr, erfreut, dass die Vorhersage so nicht eingetroffen ist. Kreishandwerksmeister Helmut Rowedder pflichtet bei: "Viele Betriebe können jetzt noch ihre Arbeiten fertig machen."

In der Kreishandwerkerschaft sind derzeit rund 1050 Betriebe aller Größenordnungen und Branchen organisiert. Die meisten von ihnen sind ungeschoren durch alle Krisen gekommen. Rowedder zieht zum Jahresende denn auch eine erfreuliche Bilanz: "Im Großen und Ganzen sind alle Firmen zufrieden." Auch seien immer häufiger Mitarbeiter fest eingestellt worden, sodass man bis auf vereinzelte Branchen nicht auf Leiharbeiter zurückgreifen müsse. Die positive Entwicklung der vergangenen zwei, drei Jahre drückt sich auch in der geringen Zahl von Pleiten aus. Laut Rowedder ließen sich Insolvenzen in etwa an einer Hand abzählen. Keinerlei Auswirkungen auf die Kreise an der Unterelbe habe - entgegen ersten Befürchtungen - auch die Osterweiterung der Europäischen Union gehabt. Rowedder: "Das spielt bei uns gar keine Rolle." Der Malermeister beklagt allerdings die anhaltend schlechte Zahlungsmoral vieler Kunden. "Allerdings nicht in meinem Betrieb", fügt er gleich hinzu. Der Sprecher lobt in diesem Zusammenhang aber auch die Gewerkschaften, die sich bei Tarifverhandlungen zurückgehalten hätten.

Auch der allseits befürchtete Mangel von Fachkräften spiele zumindest beim Handwerk in der Region noch keine große Rolle. Zwar habe ein Pinneberger Betrieb schon mal verzweifelt einen Vulkaniseur gesucht - und weit und breit keinen bekommen. Schwierig sei es oft auch für größere Unternehmen, die auf Spezialkräfte angewiesen seien. "In Krempe zum Beispiel sucht die Firma Butzkies dringend Ingenieure." In den oft von Familien geführten Betrieben seien die Mitarbeiter häufig aber auch in schlechteren Zeiten gehalten worden, sodass es jetzt keinen Mangel gebe. Nach wie vor sehr hoch sei auch die Ausbildungsbereitschaft im Handwerk. Derzeit gebe es 1012 junge Menschen, die einen der zahlreichen Handwerksberufe erlernten.

Größtes Thema im Handwerk ist derzeit der Generationswechsel. Viele ältere Firmeninhaber stehen vor einem Wechsel in den Ruhestand und suchen einen Nachfolger für ihren Betrieb. Auch Helmut Rowedder selbst will sein Lebenswerk bald gerne in jüngere Hände geben. Der 64-Jährige erinnert sich: "Früher war das eigentlich ganz einfach." Heute allerdings sei das nicht nur eine Geld-, sondern auch eine Motivationsfrage. "Man ist dann schon jeden Tag 24 Stunden an seinen Betrieb gebunden." Geschäftsführerin Claudia Mohr bietet Interessenten für eine Betriebsübernahme gerne ihre Unterstützung an. "Wer sich selbstständig machen möchte, sollte sich an unsere Geschäftsstelle wenden." Letztlich, so erläutert sie, gebe es keine generelle Lösung. Jeder Betrieb müsse für sich betrachtet werden. Je nach Branche müsse ein teurer Maschinenpark oder die dazugehörige Immobilie übernommen werden. Mitunter gehe es auch um wertvolle Kundendateien oder laufende Wartungsverträge. "Das kann dann Gold wert sein." In jedem Einzelfall müsse man laut Rowedder aber sehen: "Wir geht die Bank an das Thema heran." Im Januar soll zu dem Thema ein runder Tisch stattfinden.

Nach einem bundesweit aufgelegten Konjunkturprogramm, nach Investitionen in viele Großbauten und bei jetzt gut gefüllten Auftragsbüchern geht das Handwerk optimistisch ins neue Jahr. "Wenn man mit offenen Augen durch die Gegend geht, sieht man Arbeit genug", meint Rowedder, der angesichts der anhaltenden Eurokrise davor warnt, die "Lage kaputt zu reden."

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