Nach Meuterei-Vorwürfen : Guttenberg setzt "Gorch Fock"-Kommandanten ab

Als Konsequenz aus den Vorfällen an Bord der 'Gorch Fock' hat Verteidigungsminister Guttenberg Kapitän Schatz des Kommandos enthoben.  Foto: dpa
Als Konsequenz aus den Vorfällen an Bord der "Gorch Fock" hat Verteidigungsminister Guttenberg Kapitän Schatz des Kommandos enthoben. Foto: dpa

Als Konsequenz aus den Vorfällen an Bord der "Gorch Fock" hat Verteidigungsminister Guttenberg Kapitän Schatz des Kommandos enthoben. Die Zukunft des Schulschiffs steht infrage.

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23. Januar 2011, 06:28 Uhr

Nach den Vorfällen um eine angebliche Meuterei auf der "Gorch Fock" hat Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) Konsequenzen gezogen: Er ließ Kapitän Norbert Schatz als Kommandant des Segelschulschiffs absetzen. Das bestätigte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin in der Nacht zum Sonnabend. Außerdem ordnete Guttenberg die sofortige Rückkehr der "Gorch Fock" nach Deutschland an. Die Zukunft des Dreimasters stellte er infrage.
"Ich habe den Inspekteur der Marine angewiesen, den Kommandanten des Schiffes von der Führung des Schiffes zu entbinden", sagte Guttenberg der "Bild am Sonntag". Nach Rückkehr in den Heimathafen Kiel solle das Schiff auch bis auf weiteres nicht mehr auslaufen. Die "Gorch Fock" werde aus der Fahrbereitschaft genommen, "bis eine noch einzusetzende Kommission auch unter Mitwirkung von Abgeordneten des Deutschen Bundestags beurteilt hat, inwieweit die "Gorch Fock" als Ausbildungsschiff und Botschafterin Deutschlands auf den Weltmeeren Zukunft hat", sagte Guttenberg weiter.
Kadetten drangsaliert?
Vorangegangen waren Berichte über Verfehlungen an Bord des Schulschiffs: So sollen Mitglieder der Stammbesatzung Kadetten drangsaliert haben. Vier Auszubildenden soll einem Bericht des Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus zufolge Meuterei vorgeworfen worden sein. Im November war eine 25-jährige Offiziersanwärterin aus der Takelage in den Tod gestürzt. Gegen vier Kadetten steht der Vorwurf der Meuterei im Raum. Die trauernden Kameraden sollen gedrängt worden sein, wieder in die Masten zu klettern, obwohl sie das nach dem Unglück nicht mehr wollten. Außerdem soll es zu sexuellen Übergriffen gekommen sein.
Nach ARD-Informationen wurde Kapitän Schatz telefonisch über seine Abberufung informiert. Die "Gorch Fock", die derzeit im Hafen von Ushuaia auf Feuerland liegt, werde voraussichtlich am 4. Februar auslaufen und auf direktem Weg nach Kiel zurückkehren. Das Kommando solle dann der Vorgänger von Schatz, Michael Brühn, haben.
"Mobbing auf See"
Brühn sei auch Mitglied der Untersuchungskommission, die am kommenden Donnerstag in Ushuaia an der Südspitze Argentiniens erwartet wird, berichtete das "Nachtmagazin". Kritik am Führungsstil bei der Bundeswehr kam von den Grünen. "Es ist geradezu verwegen, Offiziersanwärter der Meuterei zu bezichtigen, die sich nach einem tödlichen Unfall um die Sicherheit ihrer Kameradinnen und Kameraden sorgen. Wir brauchen Musterbeispiele für Innere Führung und nicht Mobbing auf See", sagte Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin.
Der sicherheitspolitische Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, Omid Nouripour, sagte: "Wenn es so sein sollte, dass der Kapitän seine Leute beim ersten Widerspruch mit dem Vorwurf der Meuterei konfrontiert hat, dann ist das ein Führungsstil, der nicht in eine moderne Marine des 21. Jahrhunderts passt."
Weiterhin Segel-Anfänger an Bord
Nach Informationen des "Hamburger Abendblatts" befinden sich weiterhin Segel-Anfänger an Bord der "Gorch Fock". Die Marine habe bestätigt, dass die 70 Offiziersanwärter, die beim Unfall der jungen Kadettin an Bord waren, durch 60 Soldaten ersetzt wurden.
Viele von ihnen hätten erst im Oktober ihren Grundwehrdienst in Parow in Mecklenburg-Vorpommern angetreten. Der Wehrbeauftragte Königshaus reagierte überrascht auf den Vorgang. Er wolle prüfen, inwieweit die Ausbildung und Vorbereitung dieser jungen Soldaten für den Einsatz auf der "Gorch Fock" ausreichten, sagte er dem Blatt.
"Probleme nicht unter den Teppich kehren"
Unterdessen kritisierten CSU-Politiker den Wehrbeauftragten Königshaus. Der FDP-Politiker hatte die angebliche Meuterei auf dem Schiff öffentlich gemacht. "Es ist wichtig, dass Probleme nicht unter den Teppich gekehrt werden. Aber es wird schwierig, wenn man Spekulationen Raum gibt, noch bevor alle Tatsachen ermittelt sind", sagte CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich.
Ähnlich äußerte sich der Parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Christian Schmidt (CSU): "Weder der Wehrbeauftragte noch das Verteidigungsministerium sind berechtigt, aus laufenden staatsanwaltlichen Ermittlungen Informationen zu veröffentlichen. Auch der Wehrbeauftragte hat eine Fürsorgepflicht gegenüber den Soldatinnen und Soldaten", sagte er.
Nach ZDF-Informationen haben die bisherigen Ermittlungen zu den Vorfällen auf der "Gorch Fock" keine Hinweise auf Fehlverhalten im Fall der verunglückten Kadettin ergeben. Der Kieler Oberstaatsanwalt Bernd Winterfeldt sagte, die junge Frau sei nach bisherigem Stand der Ermittlungen keine Soldatin, die Druck benötigte, in die Takelage zu klettern. Das Gegenteil sei der Fall, so der Oberstaatsanwalt: "Sie war eine hochmotivierte Offiziersanwärterin und eine erfahrene Marinesoldatin."
Guttenberg rechtfertigt Absetzung
Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat die Absetzung des "Gorch Fock"-Kommandanten Norbert Schatz gerechtfertigt. "Nach einer derartigen Häufung von faktisch erschütternden Berichten kann niemand zur Tagesordnung übergehen", sagte der CSU-Politiker am Sonnabend. "Dort, wo Konsequenzen gezogen wurden, mussten sie gezogen werden", fügte er hinzu. Guttenberg äußerte sich im Zentrum Innere Führung der Bundeswehr in Koblenz.
Zur Absetzung des Kommandanten sagte der Minister: "Bei einer solchen Gemengelage muss Aufklärung so stattfinden, dass Ergebnisse möglich sind." Zur Aussetzung weiterer "Gorch Fock"-Fahrten sagte er, diese gelte, bis die eingesetzte Untersuchungskommission ausgewertet habe, "wie und ob" es mit dem Ausbildungsschiff weitergehe. "Ich sage dies bewusst mit Blick auf die große Tradition des Schiffes", fügte Guttenberg hinzu.
(dpa, shz)

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