zur Navigation springen

Guidomobil, Outing und Leukämie : Guido Westerwelle: Sein Leben in Bildern

vom

Mit nur 54 Jahren ist Guido Westerwelle verstorben. Mehr als 30 Jahre war er Politiker. Westerwelle liebte das Rampenlicht.

shz.de von
erstellt am 18.Mär.2016 | 17:46 Uhr

Mehr als 30 Jahre Politik, zehn Jahre FDP-Chef, vier Jahre Außenminister - Guido Westerwelle gehörte zu den prägenden Gestalten der deutschen Politik. Jetzt ist er mit nur 54 Jahren an den Folgen von Blutkrebs gestorben. Sein Leben in Bildern:

80er-Jahre: Guido Westerwelle gründet die Jungen Liberalen

Westerwelle war Mitbegründer der Jungen Liberalen.
Westerwelle war Mitbegründer der Jungen Liberalen. Foto: dpa

Westerwelle war seit 1980 Mitglied der FDP. Er zählte zu den Mitbegründern der Jungen Liberalen. 1983 wurde er Bundesvorsitzender. Das Foto zeigt ihn am 9. Dezember 1984 beim Bundeskongress der „JulLis“ in Bensheim an der Bergstraße. Eher nebenbei studierte er Jura, machte an der Fern-Uni Hagen seinen Doktor, wurde Anwalt.

1994: Westerwelle wird Generalsekretär

1994: Beim Sonderparteitag in Gera hört Westerwelle (gerade neu zum Generalsekretär gewählt) seinem Partei-Chef Klaus Kinkel zu.
1994: Beim Sonderparteitag in Gera hört Westerwelle (gerade neu zum Generalsekretär gewählt) seinem Partei-Chef Klaus Kinkel zu. Foto: dpa

Seinen ersten Posten in der Bundespolitik bekommt Guido Westerwelle 1994. Er wird FDP-Generalsekretär. Den Posten hatte er bis 2001 inne, ehe er selbst Bundesvorsitzender wurde.

2002: Der Spaßwahlkampf

<p>Mit dem Guidomobil war Westerwelle im Wahlkampf unterwegs.</p>

Mit dem Guidomobil war Westerwelle im Wahlkampf unterwegs.

Foto: Imago/Becker/Bredel

Im Bundestagswahlkampf 2002 wollte die FDP ihr Ergebnis von sechs auf 18 Prozent verdreifachen. Das war der Inhalt der „Strategie 18“. Kern des Wahlkampfs war das gelb-blaue Gudiomobil, mit dem Westerwelle als Spitzenkandidat auf Volksfesten, in Schwimmbädern und an Stränden, ja sogar einer McDonald’s-Filiale hielt, um für Wählerstimmen zu kämpfen.

Der Vorsitzende der FDP, Guido Westerwelle, bei seinem Auftritt am 14.10.2000 im „Big-Brother“-Haus des Fernsehsenders RTL-II in Hürth bei Köln.

Der Vorsitzende der FDP, Guido Westerwelle, bei seinem Auftritt am 14.10.2000 im „Big-Brother“-Haus des Fernsehsenders RTL-II in Hürth bei Köln.

Foto: dpa

Teil der Offensive war auch ein Besuch im Big-Brother-Container. Diese Form des Wahlkampfes wurde in den Medien nicht selten als Spaßwahlkampf kritisiert. Sympathien brachte ihm weniger das politische Gespräch als vielmehr der mitgebrachte Whisky. Gipfel des Spaßwahlkampfs war ein Besuch bei der Talkshow von Sabine Christiansen im Jahr 2002. Guido Westerwelle sitzt in der Runde und die Kameras fangen eine gelbe 18 unter seinen Schuhen ein.

2004: Das Outing

Auch Außenminister Guido Westerwelle outete sich im Sommer 2004. Mit seinem Partner Michael Mronz führt er eine eingetragene Partnerschaft. Foto: dpa
Auch Außenminister Guido Westerwelle outete sich im Sommer 2004. Mit seinem Partner Michael Mronz führt er eine eingetragene Partnerschaft. Foto: dpa

Über Westerwelles Homosexualität wurde schon länger spekuliert: Bereits 1997 war er in der ersten „Out“-Ausgabe – einem Nachschlagewerk homosexueller Persönlichkeiten – enthalten, ohne dass er dieser Nennung widersprochen hatte. Sein offizielles Coming-Out hatte er aber erst im Sommer 2004. Er gab diese persönliche Nachricht am 21. Juli in der Bild-Zeitung bekannt. Damit war er nach Klaus Wowereit (2001) und Ole von Beust (2003) der dritte deutsche Spitzenpolitiker, der vor einer breiteren Öffentlichkeit seine Homosexualität bekannt machte. Seit dem 17. September 2010 war Guido Westerwelle mit Michael Mronz verheiratet.

2009: Endlich Minister!

Ankunft in Peking: Außenminister Guido Westerwelle.
Ankunft in Peking: Außenminister Guido Westerwelle. Foto: dpa

Im dritten Versuch, 2009, gelang doch noch die Wunsch-Koalition mit der Union - mit einem Sensationsergebnis von 14,6 Prozent. Die Versprechen waren groß und die Erwartungen auch. Doch in der Stunde des Triumphs machte Westerwelle einen seiner größeren Fehler: Er übernahm nicht das Finanz-, sondern das Außenministerium. Viele nahmen ihm den Wandel zum Diplomaten nie ab.

2009: Westerwelle will nicht auf Englisch antworten

Bei seiner ersten Pressekonferenz nach dem Wahlsieg weigerte sich Guido Westerwelle, eine Frage auf Englisch zu beantworten - nicht einmal anhören wollte er sie. „Wir sind hier in Deutschland“, erklärte er dem Reporter der BBC.

2011: Westerwelle tritt als FDP-Chef zurück

Nach anderthalb Jahren verlor die eigene Partei die Geduld. Westerwelle musste FDP-Vorsitz und Vizekanzlerposten abgeben. Das verkündet er am 3. April 2011 und erklärte, er ziehe sich von seinen Parteiämtern zurück und konzentriere sich nun mehr auf sein Amt als Außenminister.

2013: Westerwelle muss Ministerposten abgeben

Die FDP-Spitze bei der Wahlparty 2013.
Die FDP-Spitze bei der Wahlparty 2013. Foto: Imago/Stefan Zeitz

Bei der Bundestagswahl 2013 muss Westerwelle eine dramatische Niederlage hinnehmen - die FDP kam nicht mal mehr ins Parlament. Doch Westerwelle bekam von vielen früheren Außenministerkollegen auch Einladungen für die „Zeit danach“.

2014: Diagnose Leukämie

 

Auf den Tag genau ein halbes Jahr nach seinem letzten Tag als Minister - im Juni 2014 - bekam Westerwelle die Diagnose Leukämie. Bei einer Routine-Operation am Knie wurde seine Krebserkrankung festgestellt. Eine Therapie begann umgehend. Im September erhielt er eine Knochemarksspende, zwei Monate später wurde er aus dem Krankenhaus entlassen. Bei einem Reitturnier zeigte er sich zum ersten Mal wieder in der Öffentlichkeit.

2015: „Zwischen zwei Welten“

Guido Westerwelle am 8. November 2015 während der ARD-Talksendung „Günther Jauch“.

Guido Westerwelle am 8. November 2015 während der ARD-Talksendung „Günther Jauch“.

Foto: dpa

Zusammen mit „Stern“-Chefredakteur Dominik veröffentlicht Westerwelle das Buch „Zwischen zwei Leben - Von Liebe, Tod und Zuversicht“. Basis dafür sind seine Tagebucheinträge während seiner Krankheit. Westerwelle betonte aber selbst, das Buch sei kein Krankheitsbuch und es solle anderen Mut machen, sowie ihm Mut gemacht wurde. In der Talkshow von Günther Jauch stellte er das Buch vor. Viele Zuschauer zollten ihm dafür großen Respekt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen