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Feuer an Heiligabend : Großfamilie sucht neue Zuflucht

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Evelyn Tanja Schwands und ihre sechs Kinder verloren ihr Zuhause. An Heiligabend ist ihr Haus abgebrannt. Schaden: 50.000 Euro. Wie es jetzt weiter geht, wissen sie nicht.

shz.de von
erstellt am 29.Dez.2011 | 07:53 Uhr

Wrist | Die Auffahrt zum Haus ist mit Weihnachtsschmuck dekoriert, die Fenster zieren Engel und Schneemänner aus Sprühschnee, eine bunte Lichterkette hängt unter dem Dach und im Boden vor der Terrasse steckt ein leuchtend roter Plastikweihnachtsmann. Evelyn Tanja Schwands (33) und ihre sechs Kinder hatten sich auf Weihnachten gefreut, alles liebevoll dekoriert, doch es wurde das schlimmste Fest ihres Lebens: Ihr Zuhause in Wrist (Kreis Steinburg) brannte an Heiligabend fast vollständig aus. Jetzt klafft in dem Dach ein riesiges Loch, notdürftig mit blauer Plane geflickt und nur wenige Schritte vor dem Plastikweihnachtsmann türmt sich ein Haufen Schutt - die verkohlten Überreste der Kinderzimmer. Die Familie hat in den Flammen viel verloren. Sachschaden: 50.000 Euro.
Evelyn Tanja Schwands und ihre Kinder Jasmin (15), Janina (13), Martin (12), John (3), Jason (2) und Emilia (zehn Monate) sind vorübergehend obdachlos. Doch selbst wenn das Haus irgendwann einmal wieder bewohnbar sein sollte - zurück kann die Familie nicht mehr. "Die kleinen Kinder sind traumatisiert, können nicht einmal an dem Haus vorbei gehen", berichtet die Mutter.
Ein Rumps - dann brannte es
An Heiligabend gegen Mittag brach das Feuer in dem Einfamilienhaus aus. Ursache war vermutlich ein technischer Defekt. "Wir saßen im Erdgeschoss als wir oben einen Rumps hörten", erinnert sich der zwölfjährige Martin Schwands. Er ging nur ein paar Schritte die Treppe hinauf und realisierte sofort: "Es brennt."
Dann ging alles ganz schnell: Evelyn Tanja Schwands Bruder Tobias (17) rannte in das brennende Zimmer, schaltete den Strom aus. Die Nachbarn hatten den Brand ebenfalls bemerkt, eine Nachbarin alarmierte die Feuerwehr. Und Nachbar Harald Alff rettete der Familie vermutlich sogar das Leben. "Er schaltete das Gas ab. Daran hatte ich gar nicht gedacht. Sonst wären wir wohl in die Luft geflogen."
Ohne Geschenke in Obdachlosenunterkunft
Evelyn Tanja Schwands ist noch immer fassungslos. "Zum Glück waren meine drei Ältesten sofort zur Stelle." Die 15-jährige Jasmin brachte Baby Emilia in Sicherheit. Wie ferngesteuert stürmte sie immer wieder ins brennende Haus, um wenigstens ein bisschen Hab und Gut zu retten. "Wir haben sogar die Weihnachtsgans retten können, aber nach Essen war keinem zumute", bemerkt die Mutter mit ernstem Blick.
An Heiligabend saß die Familie schweigend am Tisch der Obdachlosenunterkunft ein paar Straßen weiter - ohne Weihnachtsbaum, ohne Geschenke. "Ich habe nicht viel Geld, hatte das ganze Jahr gespart, um den Kindern ihre Wünsche zu erfüllen", erzählt die sechsfache Mutter. Fast alle Geschenke fielen den Flammen zum Opfer.
"Abends bricht man zusammen"
"Das ist aber nicht wichtig. Wichtig ist, dass wir da alle heil rausgekommen sind", sagt das blonde Mädchen Janina tapfer und wiegt ihr Schwesterchen im Arm. Dabei hat das Feuer ihr nicht nur das Weihnachtsfest, sondern auch den Geburtstag ruiniert. Am Tag der Katastrophe feierte sie ihren 13. Geburtstag. Sie gilt zwar noch als Kind, "doch sie versucht für ihre kleinen Geschwister stark zu sein - wie die anderen beiden Großen auch", weiß ihre Mutter. "Wir versuchen uns nichts anmerken zu lassen, nicht vor den Kleinen zu weinen, aber abends bricht man zusammen."
Mut und Kraft schöpfen sie aus der Hilfsbereitschaft ihrer Mitmenschen. "Nachbarn, Bekannte und sogar Fremde haben uns schon ihre Hilfe angeboten. Wir sind allen sehr dankbar dafür." Auch Michael Klein, ihr ehemaliger Lebensgefährte und Vater von John, Jason und Emilia, steht der Familie bei. "Wir halten zusammen", sagt der 37-Jährige aus Kellinghusen (Kreis Steinburg). Doch die Situation sei belastend. Neun Leute auf engstem Raum, die Kinder traumatisiert. "Sie weinen und schreien im Schlaf, schlagen um sich."
Problem mit der Kaution für ein neues Haus
Die Familie möchte vergessen und neu anfangen - am liebsten in einem anderen Haus. "Wir hätten da auch schon ein Angebot in Wrist. Die Kinder müssten also nicht die Schule wechseln, allerdings können wir die Kaution nicht bezahlen und das Jobcenter will dafür nicht aufkommen."
Dass die Familie dringend umziehen muss, steht für den stellvertretenden Geschäftsführer des Jobcenters Steinburg, Axel Pietsch, fest. Allerdings könne das Jobcenter die Kaution nicht übernehmen, weil die Miete für das Haus über der festgesetzten Grenze liege. Damit bleibt die Zukunft für die Familie erst einmal ungewiss. Evelyn Tanja Schwands: "Ich weiß nicht, wie lange ich das noch durchhalte, aber für meine Kinder werde ich stark sein."
 

Wer die Familie unterstützen möchte, kann sich an Michael Klein wenden, Telefonnummer: 0172-5741485. Auch ein Spendenkonto wurde von Pastorin Gritta Koetzold bei der Sparkasse Westholstein eingerichtet. Kontonr. 2020009, Bankleitzahl 22250020. Wer Päckchen oder Pakete an die Familie senden möchte, adressiert sie an die Obdachlosenunterkunft Wrist, Eken 1, 25563 Wrist.

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