Granate entpuppt sich als Geocach

Munitionsräumdienst am Tegelgrund

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17. Dezember 2011, 08:17 Uhr

Glückstadt | Eine Schnitzeljagd oder die Suche nach einem Schatz hat schon Generationen zuvor begeistert. Donnerstagabend hatte eine solche Aktion der modernen Art in Glückstadt allerdings einen größeren Polizeieinsatz zur Folge.

Wie die Polizei gestern auf Anfrage unserer Zeitung bestätigte, waren Anwohner in Glückstadt-Tegelgrund auf unbekannte Personen aufmerksam geworden, die bei einsetzender Dunkelheit im Bereich der Grünanlage zwischen dem Professor-Gudrun-Bestmann-Weg und der Bundesstraße auffällig "herumspukten". Das gab Spekulationen freien Lauf. Sogar ein Drogendepot wurde auf der Grünfläche vermutet.

Als die vorsorglich alarmierte Polizeistreife eintraf, waren die verdächtigen Personen zwar nicht mehr vor Ort anzutreffen. Allerdings entdeckten die Beamten dort eine etwa 40 Zentimeter lange Kartusche, die einer Granate täuschend ähnlich aussah.

Die Polizisten gingen daraufhin auf Nummer sicher - und forderten vorsorglich den Muni tionsräumdienst aus Kiel zur Einschätzung des unbekannten Gegenstandes an. Im weiteren Verlauf stellte sich dann heraus, dass es sich weder um eine Granate noch um einen anderen gefährlichen Gegenstand handelte. Vielmehr befanden sich in dem Metallbehälter die Koordinaten für eine so genannte Geocaching- Aktion - eine derzeit sowohl bei Jugendlichen wie auch Erwachsenen angesagte Freizeitbeschäftigung.

Ausgestattet mit einem GPS-Empfänger und den im Internet veröffentlichten Koordinaten eines vermeintliches "Schatzes" hatten die von Anwohnern beobachteten "Jäger" in der Grün an lage am Tegelgrund lediglich nach dem dort versteckten Gegenstand Ausschau gehalten.

Den "Fehlalarm" nimmt die Polizei jetzt zum Anlass, um an Teilnehmer solcher modernen Schnitzeljagden zu appellieren, ihre Aktionen nicht in besiedelten oder unübersichtlichen Gebieten zu veranstalten.

Erst vor einigen Monaten hatte ein anderer Geocach im Tegelgrund für Unruhe gesorgt, weiß Polizeisprecher Michael Baudzus, der dort selbst wohnt. Vor allem Eltern sorgten sich seinerzeit um ihre kleinen Kinder, weil immer wieder Autos vorfuhren - und sich unbekannte Personen im Bereich des Sportplatzes aufhielten. Daraufhin hatten ihn Nachbarn verständigt.

Dass die modernen Schatzsucher aber nur nach einem versteckten Geocach fahndeten, erfuhr Michael Baudzus erst, als er einen Mann befragte, was er dort treibe.

Ob jetzt der Steuerzahler für die Kosten des Einsatzes für den aus Kiel aufgeforderten Munitionsräumdienst aufkommen muss - oder ob das Unternehmen, das Koordinaten für Geocaching anbietet, steht nicht fest. "Eine Straftat ist es nicht", so Baudzus. "Man wird aber sicherlich versuchen, die Firma regresspflichtig zu machen." Er schätzt, dass sich die Kosten für den Einsatz auf rund 3000 bis 5000 Euro belaufen.

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