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Rechtsstreit um Tonbänder : Ghostwriter muss Helmut Kohl 200 Tonbänder zurückgeben

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Über 630 Stunden lang erzählte Helmut Kohl dem Journalisten Heribert Schwan aus seinem Leben. Auf dieser Basis schrieb Schwan die Memoiren des Altkanzlers. Die Tonbänder wollte er danach nicht herausgeben.

Köln | Helmut Kohl hat sich im Rechtsstreit um 200 Tonbänder mit seinen Lebenserinnerungen vorerst durchgesetzt. Das Oberlandesgericht Köln entschied am Freitag, dass der Journalist Heribert Schwan, der auf Basis der Aufnahmen Kohls Biografie verfasst hatte, dem ehemaligen Bundeskanzler (CDU) die Tonbänder überlassen muss. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) kritisierte, das Urteil erschwere Journalisten die Arbeit.

Schwan hatte als sogenannter Ghostwriter die Memoiren des Altkanzlers verfasst und dafür in den Jahren 2001 und 2002 mehrere Gespräche mit ihm geführt und aufgezeichnet. Insgesamt umfassen die Tonbänder mehr als 630 Stunden Material. Nach einem Zerwürfnis mit Schwan vor der Vollendung des vierten Bandes der Memoiren hatte Kohl die Zusammenarbeit gekündigt und die Tonaufnahmen zurückgefordert. Kohl bekam zunächst vor dem Landgericht Köln recht. Daraufhin gab Schwan die Bänder zurück, legte aber gegen die Entscheidung Berufung vor dem Oberlandesgericht ein, die nun abgewiesen wurde. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, das Oberlandesgericht ließ die Revision zum Bundesgerichtshof zu.

Die Kölner Richter erklärten, die Tonbänder seien Kohls Eigentum, weil er ihr Urheber sei. Demnach dienten die Aufnahmen allein zur Vorbereitung der Memoiren, als deren Autor Kohl gilt. Laut dem Vertrag zwischen Ghostwriter Schwan und Kohl liege die Entscheidungsbefugnis über die Gesprächsmitschnitte allein bei Kohl, heißt es in der Urteilsbegründung weiter. Gleiches gelte weitestgehend auch für die Urheberrechte. Daher seien die Tonaufnahmen nicht mit einem journalistischen Interview zur Berichterstattung über tagesaktuelle Ereignisse vergleichbar.

Schwan kann sich nach Ansicht der Richter auch nicht auf eine angebliche Zusage Kohls berufen, der Journalist dürfe die Tonbänder nach dem Tod des Altkanzlers veröffentlichen. Einer solchen Zusage wäre durch die vorzeitige Beendigung der Zusammenarbeit die Grundlage entzogen worden, weil diese auf einem Vertrauensverhältnis beruht habe, urteilte das Oberlandesgericht.

Der DJV kritisierte die Entscheidung. "Für Journalisten ist das Urteil höchst brisant", sagte der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken in Berlin. "Denn wenn sie damit rechnen müssen, dass ihre Aufnahmen in Zukunft konfisziert, verboten oder vielleicht sogar für alle Zeiten vernichtet werden dürfen, werden die Recherche und der Nachweis von Aussagen extrem erschwert." Konken riet Journalisten, mit Interviewpartnern bereits vorab die Bedingungen für die weitere Verwendung von Gesprächsmitschnitten genau festzulegen.

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erstellt am 01.Aug.2014 | 15:26 Uhr

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